LUZERN: Spardruck: Personal muss bluten

Wegen der klammen Kassen von Bund und Kantonen soll 1555 Mitarbeitern der Hochschule der Lohn gekürzt werden. Und es braucht weitere Sparopfer.

Lukas Nussbaumer
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Der stellvertretende Hochschulrektor Walter Schmid vor dem Gebäude des Departements für Soziale Arbeit in Luzern. (Bild Nadia Schärli)

Der stellvertretende Hochschulrektor Walter Schmid vor dem Gebäude des Departements für Soziale Arbeit in Luzern. (Bild Nadia Schärli)

Lukas Nussbaumer

Die Leitung der Hochschule Luzern muss zu drastischen Massnahmen greifen: Sie schlägt vor, allen 1555 Angestellten ab 2017 den Lohn zu kürzen – zwischen 1 und 2 Prozent, wie Recherchen unserer Zeitung zeigen. Damit würde jeder Mitarbeiter seinen Beitrag zum Sparen leisten, heisst es in einem Infomail an die Mitarbeiter. Grund für die Lohnkürzungen seien die Sparvorgaben des aus sechs Kantonen bestehenden Konkordats und voraussichtliche Kürzungen des Bundes. Das heisst: Die Hochschule muss 2017 mindestens 3 Millionen Franken sparen, 2018 sind es gar etwa 5 Millionen. Das letzte Wort hat der Konkordatsrat, der seinen Entscheid laut Präsident Reto Wyss im Sommer fällen wird.

Personalkosten von 75 Prozent

Der aktuelle Personalaufwand der Hochschule beträgt knapp 183 Millionen Franken, der Gesamtaufwand 243 Millionen. Diese Zahlen zeigen, warum die Leitung ausgerechnet beim Personal den Sparhebel ansetzt: 75 Prozent aller Ausgaben sind Personalkosten. Ebenfalls mitverantwortlich für das Sparpaket beim Personal ist der schlechte Abschluss des Jahres 2014. Statt des budgetierten Verlusts von 5,6 Millionen Franken belief sich das Minus auf 7,1 Millionen. Gedeckt wurde der Fehlbetrag aus dem Eigenkapital, das Ende 2014 noch 14,5 Millionen betrug. Wie der Abschluss 2015 ausfällt, kommuniziert die Hochschulleitung im Mai.

Was die vorgesehenen Salärkürzungen konkret bedeuten, lässt sich laut dem stellvertretenden Hochschulrektor Walter Schmid noch nicht sagen. «Es gibt verschiedene Varianten, etwa, dass höhere Lohnklassen etwas mehr abgeben müssen als tiefere», sagt Schmid. Würden die 3 Millionen Franken unter den 1555 Mitarbeitern ohne Rücksicht auf Lohnklassen gleich aufgeteilt, müsste jeder mit einer jährlichen Einbusse von durchschnittlich 1900 Franken rechnen.

Feiertag soll gestrichen werden

Ganz so hart dürfte die direkte Lohnreduktion jedoch nicht ausfallen. Die Hochschulleitung prüft nämlich weitere Sparmassnahmen, so die Streichung des Feiertags St. Leodegar vom 2. Oktober und eine Anpassung der Spesenregelung. «Das sind aber kleinere Posten», sagt Schmid. Nicht stark ins Gewicht fallen wird auch die Verlängerung der Zyklen für den Kauf von Computern. Schmid rechnet mit 100 000 bis 200 000 Franken pro Jahr. Jedes Departement werde zudem weitere Sparmöglichkeiten suchen.

Geprüft, aber wieder verworfen wurde laut Schmid die Erhöhung der Studiengebühren. «Wir bewegen uns im schweizweiten Vergleich schon heute an der oberen Grenze. Eine Erhöhung könnte schnell weniger Studenten zur Folge haben.» Die Gefahr, dass die Hochschule durch die Lohnkürzungen sofort Dozenten verliert, beurteilt der 62-Jährige als «eher klein», sagt aber gleichzeitig: «Unsere aktuellen Saläre sind leicht tiefer als in anderen Regionen. Tiefere Löhne machen den Standort Luzern nicht attraktiver.»

Wyss überrascht von Lohnkürzung

Der Luzerner Bildungsdirektor und Konkordatspräsident Reto Wyss betont, dass der Leistungsauftrag des Konkordatsrats an die Hochschule für die Jahre 2016 bis 2019 gemeinsam ausgehandelt worden sei. Die Hochschule habe ein strukturelles Defizit, das sie gemäss Auftrag des Konkordatsrates von Ende 2014 bis 2017 abbauen müsse. Und: «Ich höre zum ersten Mal, dass Lohnkürzungen vorgesehen sind. Das ist eine Massnahme, die niemand gerne ins Auge fasst.» Die Chancen, dass die Beiträge der Kantone an die Hochschule erhöht werden, sind laut Wyss gering. Er sagt: «Es sind keine Bestrebungen im Gang, auf die gefassten Beschlüsse zurückzukommen.»

700 Dozenten, 6000 Studenten

nus. Mit 1555 Mitarbeitern gehört die Hochschule Luzern zu den 15 grössten Arbeitgebern der Zentralschweiz. 700 Dozenten und knapp 450 wissenschaftliche Mitarbeiter betreuen rund 6000 Studenten.

Die Hochschule Luzern ist eine von sieben öffentlich-rechtlichen Fachhochschulen der Schweiz und wird von den sechs Zentralschweizer Kantonen Luzern, Zug, Schwyz, Uri sowie Ob- und Nidwalden getragen. Zur Hochschule gehören die Departemente Technik & Architektur, Wirtschaft, Informatik (geplant, Standort in Rotkreuz), Soziale Arbeit, Design & Kunst und Musik. Die beiden mit Abstand grössten Departemente sind Technik & Architektur und Wirtschaft mit je rund 2000 Studenten. Die Hochschule hat im laufenden Jahr gemäss Budget Aufwendungen von 243 Millionen Franken. Den Löwenanteil bestreitet der Bund. Die Zentralschweizer Kantone beteiligen sich mit 37,4 Millionen Franken (siehe Grafik).

2012: Alter Bekannter zurück

Rektor der Hochschule ist seit 2012 Markus Hodel – zum zweiten Mal: Der 55-Jährige leitete die Hochschule schon zwischen 2002 und 2008. Vor der erneuten Übernahme des Rektorenpostens war der frühere CVP-Kantonsrat (1991 bis 1996) Staatsschreiber des Kantons Luzern. Zwischen 2008 und 2012 war Sabine Jaggy-Kaufmann Rektorin der Hochschule Luzern.

Armutszeugnis

Kommentar von Lukas Nussbaumer, Ressortleiter Kanton Luzern, über die Sparpläne der Hochschule.

Die Hochschule Luzern, getragen von den sechs Zentralschweizer Kantonen, blickt auf eine einzigartige Erfolgsgeschichte zurück. Der Zustrom an Studenten wird von Jahr zu Jahr grösser – aktuell sind es rund 6000. Die Zahl der Arbeitsplätze steigt ebenso kontinuierlich – heute arbeiten mehr als 1500 Menschen für die Hochschule. Und die Zukunft sieht erst noch rosig aus: Im Herbst startet das neue Departement Informatik in Rotkreuz, wo dereinst 1000 Studenten ausgebildet werden.

Seit heute bröckelt diese Erfolgsgeschichte. Die weit über die Zentralschweiz hinaus als Bildungsstätte und Arbeitgeber geschätzte Hochschule muss ihren Angestellten die Löhne kürzen. Nicht etwa deshalb, weil das Bildungsinstitut über seine Verhältnisse lebt: Unsere Hochschule gehört zu jenen mit der schlanksten Organisationsstruktur. Nein, Grund sind fehlende Gelder vom Bund und den Kantonen. Und weil der Anteil der Personalausgaben an den Gesamtkosten etwa 75 Prozent beträgt, bleibt als Sparmöglichkeit faktisch nur die Lohnsumme der Mitarbeiter.

Dass die öffentliche Hand dies zulässt, ist ein Armutszeugnis. Denn die Hochschule muss einen Leistungsauftrag erfüllen, erteilt vom Konkordatsrat. Also jenem Gremium, das zu wenig Geld zur Verfügung stellt, um diesen ausführen zu können. Das dürfte sich auch nicht ändern, lässt der Konkordatsratspräsident durchblicken. Zurück bleiben frustrierte Mitarbeiter einer Schule, welche von den Spartreibern bei jeder Diplomfeier in den höchsten Tönen gelobt wird.