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LUZERN: Spickaffäre: Kantonsrat kritisiert die ungleichen Strafen

Die Schummelei an der Kanti Sursee hat ein politisches Nachspiel: In einem Vorstoss wird bezweifelt, ob die Strafen verhältnismässig waren.
Alexander von Däniken
Früh lernen Schüler, dass Spicken nicht erlaubt ist. Wenn es jedoch um die Matura geht, werden Vorsätze schnell über den Haufen geworfen, wie der aktuelle Fall in Sursee zeigt. (Archivbild Neue LZ)

Früh lernen Schüler, dass Spicken nicht erlaubt ist. Wenn es jedoch um die Matura geht, werden Vorsätze schnell über den Haufen geworfen, wie der aktuelle Fall in Sursee zeigt. (Archivbild Neue LZ)

Alexander von Däniken

Gespickt wurde im grossen Stil: Eine Handvoll Maturanden der Kanti Sursee hat an drei Mathematikprüfungen mittels Nachrichtendienst WhatsApp geschummelt, um ihre Matura-Vornoten aufzubessern. Sarah (Name der Redaktion bekannt), die im Nachgang als offensichtliche Drahtzieherin identifiziert wurde, muss das letzte Schuljahr wiederholen. Ihre Kollegen kommen mit milderen Strafen davon (siehe Box).

SVP-Kantonsrat Rolf Bossart (Schenkon) kritisiert die Sanktionierungen als willkürlich. In einem vorgestern eingereichten Dringlichen Postulat, welches unserer Zeitung vorliegt, bezieht er sich auf das «Reglement für Maturitätsprüfungen im Kanton Luzern». Dieses gilt nicht nur für die eigentliche Maturaprüfung, sondern auch bei Noten, die zur Erlangung des Abschlusses notwendig sind. Unter Paragraf 25, «Unredlichkeiten», sieht das Reglement nur eine Wiederholung der Maturitätsprüfungen im nächsten Jahr vor, aber nicht im selben Jahr. Letztere Sanktion wurde aber im Fall an der Kanti Sursee ausgesprochen. «Es geht mir nicht um die Sanktionierungen an sich, sondern um die Verhältnismässigkeit und das Gleichheitsprinzip», erklärt Bossart. Der Regierungsrat soll nun allfällige Verstösse gegen das Reglement prüfen.

Bessere Kontrollen gefordert

Rolf Bossart will aber auch die Lehrer und Schulleitungen stärker in die Pflicht nehmen. «Ich weiss von Eltern und Schülern, dass nach den Lektionen einzelner Lehrer besonders häufig Nachhilfestunden gebucht werden müssen. Die bisherigen internen Kontrollen zur Verbesserung der Unterrichtsqualität – angemeldet und von Lehrerkollegen oder Schulleitern durchgeführt – müssen durch unangemeldete externe Kontrollen ersetzt werden.»

Bossart berichtet weiter, dass ganze Prüfungen alle paar Jahre erneut Schülern vorgesetzt werden. «Das allein ist noch kein Problem. Aber wenn die Schüler diese Prüfungen abfotografieren und ins Internet stellen und wenn sie wissen, wann welche Prüfung kommt, läuft etwas grundlegend falsch.» Der Regierungsrat soll deshalb auch aufzeigen, wie Lehrer und Schulleitungen in die Verantwortung gezogen werden können. Über die Dringlichkeit des Postulats wird das Parlament an der Septembersession entscheiden. Letzte Woche hat es eine Anfrage Bossarts zum gleichen Thema für nicht dringlich befunden.

Organisiertes Spicken nachweisen

Laut Adrian Ritz, Experte für Schulmanagement an der Universität Bern, ist eine unterschiedliche Sanktionierung im Fall von Sarah zwar möglich. Sie müsse aber verhältnismässig sein. «Zusätzlich ist die angeführte Funktion einer Spickorganisatorin stichhaltig nachzuweisen. Gerade im Teenager-Alter rutscht man schnell in eine Bewegung hinein – nicht immer im Bewusstsein der Konsequenzen.»

Laut Jörg Sprecher, auf Verwaltungsrecht spezialisierter Anwalt aus Luzern, muss zwischen dem Reglement für die Maturitätsprüfungen – Prüfung bestanden oder nicht – und der Verordnung zum Gesetz über die Gymnasialbildung unterschieden werden. «Denn Sanktionen wie Sozialstunden sind in der Verordnung geregelt.» Das Reglement schreibe nur vor, dass Jahr und Prüfung wiederholt werden könne, wenn die Maturaprüfung nicht bestanden wurde.

«Gleiches wird gleich behandelt»

Aldo Magno, Leiter der Dienststelle Gymnasialbildung beim Kanton, will auf den Einzelfall der Kanti Sursee nicht eingehen, hält aber auf Anfrage fest: «Wir wenden das Gleichheitsprinzip an, dass Gleiches gleich, Ungleiches ungleich behandelt wird.» Konkret wies Magno am 20. Juni darauf hin, dass Sarah «die Sache organisiert und geplant hat», was die Schülerin abstreitet.

Eine generelle Kritik an der Unterrichts- und Lehrerqualität lässt Magno nicht gelten: «Viele Maturanden haben erfolgreich abgeschlossen und Prämierungen in nationalen wie internationalen Wettbewerben erhalten.» Die Kontrollen seien auf einem «vertretbaren» Niveau. Nebst einer institutionellen Qualitätsarbeit der Lehrer gebe es regelmässig ein externes Controlling über den gesamten Schulbetrieb. Für Einzelfälle stehe Schülern und Eltern auch der Weg via Schulleitung offen. «Die Schulleitungen sollen sich ihrer Anliegen dann ernsthaft annehmen», so die Erwartung von Magno.

Magno nimmt Schulen in die Pflicht

Dass Schüler nach Lektionen von bestimmten Lehrern öfters in die Nachhilfe müssen, «ist meines Wissens kein weitreichendes Problem». Was ist mit Prüfungen, die von Schülern abfotografiert werden und für weitere Schüler bereitstehen? Magno: «Das über eine Weisung von mir regeln zu wollen, ist naiv. Das ist in erster Linie Sache der Schulleitungen und Lehrpersonen. Ich erwarte, dass nun verstärkt auf das Handyverbot bei Prüfungen oder generell neue Prüfungsfragen geachtet wird.»

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