LUZERN: Spicken leicht gemacht – mit Smartwatches

Mit internetfähigen Uhren können Studenten bei Prüfungen problemlos schummeln. Luzerner Schulen sind darauf nicht vorbereitet.

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Eleganter, unauffälliger Spickzettel: eine Smartwatch. (Bild: PD)

Eleganter, unauffälliger Spickzettel: eine Smartwatch. (Bild: PD)

Dass bei Prüfungen versucht wird, mittels Zetteln zu spicken, ist bekannt wenn auch riskant. Doch jetzt wird das Ganze noch einfacher: mit internetfähigen Armbanduhren – den sogenannten Smartwatches. Notizen, welche beispielsweise im E-Mail-Postfach gespeichert werden, können damit während der Klausur unauffällig abgerufen werden. Universitäten in England und Belgien haben bereits Massnahmen getroffen: Sie verbieten das Tragen jeglicher Armbanduhren bei Prüfungen.

Uni Luzern setzt auf Ehrlichkeit

In Luzern ist man hingegen nicht auf die neue Technologie vorbereitet. Eine Massnahme wie etwa das Einsammeln der Armbanduhren ist an keiner der befragten Schulen ein Thema. Zwar erklärt Lukas Portmann, Sprecher der Universität Luzern: «An der Universität Luzern gibt es allgemeine Richtlinien in den Studien- und Prüfungsordnungen, die festhalten, dass unzulässige Hilfsmittel nicht verwendet werden dürfen.»

Spezielle Regelungen für Smartwatches gebe es aber nicht, und die Uni sieht laut Portmann auch keinen Handlungsbedarf. «Wir gehen von der Ehrlichkeit der Studierenden aus, und der weitaus grösste Teil verhält sich auch so. Betrügereien sind äusserst selten.» Zudem halte die Universität in den Prüfungsordnungen klar fest, dass keine unerlaubten Hilfsmittel verwendet werden dürfen. «Tut dies jemand trotzdem und wird erwischt, gilt die Prüfung als nicht bestanden», so Portmann. «Es stellt sich ohnehin die Frage, ob eine Smartwatch bei der Art von Prüfungen, wie sie bei uns abgehalten werden, viel helfen würde.» Denn es würde meist nicht einfach Wissen abgefragt, sondern es gehe um Verständnisfragen, Analysen und Interpretationen.

Auch Hochschulstudenten mit einer Smartwatch haben noch nichts zu befürchten: «Die Hochschule Luzern ist mit den aktuellen Entwicklungen in diesem Bereich bestens vertraut, verfolgt sie aufmerksam und ist bereit, kurzfristig zu reagieren», sagt eine Sprecherin. Doch bevor man Verbote ausspreche, würden die Möglichkeiten neuer Produkte getestet. Auch sie sagt: «Anzumerken ist auch, dass auf Stufe Hochschule nicht abrufbares Wissen entscheidend ist, sondern Handlungskompetenzen, und diese vermittelt keine Smartwatch.»

«Keine Erfahrung gesammelt»

Bei dem Fach- und Wirtschaftsmittelschulzentrum Luzern (FMZ) sei man sich bewusst, dass der Umgang mit den neuen elektronischen Kommunikationsmitteln noch erlernt werden müsse, sagt Rektor Helmut Bühler. «Das Thema mit den Smartwatches ist in der Tat neu, wir haben bislang damit keine Erfahrungen gesammelt.» Allerdings seien bisher keine Fälle von missbräuchlichem Einsatz an der Schule bekannt. «Generell müssen Geräte mit Internetzugang bei Prüfungen deponiert und ausgeschaltet werden», sagt Bühler.

An der Kantonsschule Alpenquai Luzern fallen Smartwatches klar in die bestehenden Richtlinien. Laut Rektor Hans Hirschi sind bei der Matura alle kommunikationsfähigen Geräte explizit verboten. Es spiele dabei auch keine Rolle, welche Kommunikationsmittel noch auf dem Markt erscheinen würden. «Das fällt alles unter dieselbe Regel. Unsere Schüler sind darüber auch informiert», so Hirschi.

Sarah Weissmann