LUZERN: Spital setzt auf weitere auswärtige Firma

Das Kantonsspital bezieht Gastronomieartikel künftig aus Zürich. Bei der Pistor AG aus Rothenburg ist man enttäuscht.

Yasmin Kunz
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Dieser Pistor-Lastwagen darf künftig nicht mehr ins Luzerner Kantonsspital liefern. (Bild Eveline Beerkircher / Neue LZ)

Dieser Pistor-Lastwagen darf künftig nicht mehr ins Luzerner Kantonsspital liefern. (Bild Eveline Beerkircher / Neue LZ)

Erst kürzlich machte unsere Zeitung publik, dass sich das Luzerner Kantonsspital (Luks) von der Mineralquelle Bad Knutwil AG trennt und stattdessen auf das Wasser der waadtländischen Henniez-Quelle setzt. Damit geht dem lokalen Wasserlieferanten der grösste Kunde verloren. Als Grund für den Wechsel wurden unter anderem die Kosten aufgeführt.

Damit aber nicht genug: Wie Recherchen unserer Zeitung zeigen, trennte sich das Luzerner Spital vergangenen September von einem weiteren regionalen Anbieter, der Pistor AG in Rothenburg. Pistor liefert Gastronomiebetrieben in der ganzen Schweiz über 13 000 Lebensmittel und Non-Food-Artikel. Seit rund einem halben Jahr übernimmt der Migros-Grosshändler Saviva Swiss Food Services aus Regensdorf, Zürich, die Warenlieferungen ans Luzerner Kantonsspital.

Gemäss Andrea Fischer, Sprecherin von Pistor AG, sei die Vertragskündigung des Luks darauf zurückzuführen, dass das Spital anlässlich einer Ausschreibung ein besseres Angebot als jenes von Pistor erhalten habe. Zum Entscheid des Spitals sagt sie: «Wir bedauern diesen Verlust sehr.» Das Luzerner Kantonsspital zählte in den vergangenen zehn Jahren zur Kundschaft von Pistor. Mit dem Abgang verliert die Firma in Rothenburg mehrere hunderttausend Franken, wie Fischer auf Anfrage bestätigt.

Wirtschaftlichkeit hat gesiegt

Beim Spital begründet man den Wechsel des Anbieters mit dem öffentlichen Beschaffungsrecht. Will heissen: Das Luzerner Kantonsspital muss laut gesetzlichen Vorgaben regelmässig – im Gastronomiebereich sind es alle drei bis vier Jahre – Ausschreibungen vornehmen. Damit soll gewährleistet werden, dass der Markt für alle offen ist und keine Filzokratie entsteht. Kriterien wie die Nachhaltigkeit, die Qualität und die Regionalität würden in die Beurteilung mit einfliessen, wie Marco Stücheli, Leiter Kommunikation am Luzerner Kantonsspital, erklärt. «Es gilt bei Ausschreibungen jeweils das wirtschaftlichste Angebot auszuwählen. Bei der Beurteilung des Pistor-Angebotes floss natürlich auch das Kriterium Regionalität mit ein, konnte aber im Verhältnis nicht komplett stärker gewichtet werden als die preisliche Diskrepanz.» Trotzdem: Dem Spital als einem der grössten Arbeitgeber der Zentralschweiz spiele Regionalität und lokale Verbundenheit eine wichtige Rolle.

Wie viel mit dem Wechsel des Anbieters gespart werden kann, gibt das Spital nicht preis. Marco Stücheli: «Generell veröffentlichen wir keine Details zu einzelnen Geschäften wie Kosten, Konditionen und Einsparungen. Dies liegt unter anderem auch im Interesse aller Anbieter im Beschaffungsver­fahren.»

Yasmin Kunz

Seit 100 Jahren

kuy. Die in Rothenburg ansässige Pistor AG feiert dieses Jahr ihr 100-jähriges Bestehen. Der Grosshandelsbetrieb belieferte anfangs vor allem Bäckereien und Konditoreien. Heute zählen zur Kundschaft etwa die Hirslanden-Klinik St. Anna, die Hochschule Luzern wie auch viele Heimbetriebe. Die Pistor verzeichnete im Vorjahr einen Umsatz von 622 Millionen Franken. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Zuwachs von 1,3 Prozent oder 8 Millionen Franken. Dieses Wachstum ist vor allem auf den Umsatzanstieg im Segment Gastronomie zurückzuführen. Dagegen verliert Pistor aufgrund des Strukturwandels in dieser Branche jährlich etwa 50 Bäckereien.

Die Firma beschäftigte im letzten Jahr 478 Mitarbeiter und belieferte rund 6000 Kunden.