LUZERN: Sprachkurse: Flüchtlinge erhalten Rabatte

Integration von Flüchtlingen kostet viel Geld. Dieses wird teils für die Ausbildung in privaten Sprachschulen verwendet. Ein Blick hinter die Kulissen.

Thomas Heer
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Sprachlich sollen die Flüchtlinge so weit gebracht werden, dass sie in der Arbeitswelt Fuss fassen können. (Symbolbild) (Bild: Keystone)

Sprachlich sollen die Flüchtlinge so weit gebracht werden, dass sie in der Arbeitswelt Fuss fassen können. (Symbolbild) (Bild: Keystone)

Thomas Heer

Ob am Stammtisch, zu Hause im privaten Rahmen oder in der Politik: Geht es um die Flüchtlingssituation in der Schweiz, wird auch immer wieder über die Kosten debattiert, die im Zusammenhang mit jenen Menschen entstehen, die hierzulande betreut und integriert werden müssen. Auch letzte Woche gelang­te wieder eine kantonale Regierung – jene aus Obwalden – an den Bund. Im Schreiben wird unter anderem bemängelt, dass die aktuellen Entschädigungen aus Bern die Kosten für die Integration nicht decken und somit ungenügend seien.

Bereits letztes Jahr kritisierte die Aargauer Regierungsrätin Susanne Hochuli die vom Bund einmalig ausbezahlte Integrationspauschale. Diese beträgt 6000 Franken pro anerkannten Flüchtling respektive vorläufig Aufgenommenen. Das Geld wird unter anderem für die Verbesserung der sprachlichen Fähigkeiten der Immigrantinnen und Immigranten verwendet. Laut Hochuli müsste dieser Betrag aber mindestens viermal höher sein. Und auch der Luzerner Regierungsrat Guido Graf sagte gegenüber der Öffentlichkeit, dass die Integrationspauschale «nie und nimmer» ausreiche.

Die Frage ist umstritten: Für die einen werden zu viele Mittel aufgewendet, für die anderen zu wenig. Die Schweiz scheint aber gut beraten, in die Ausbildung und Integration von Flüchtlingen weiter zu investieren. Parallelgesellschaften – grösstenteils losgelöst vom Rest der Bevölkerung – finden sich vielerorts in europäischen Metropolen. Solche teils rechtsfreie Räume konnten hierzulande bislang verhindert werden.

Anzahl Personen fast verdoppelt

In Luzern leistet, mandatiert vom Kanton, das Schweizerische Arbeiterhilfswerk (SAH) Zentralschweiz einen wichtigen Beitrag im Bereich der Sprachförderung. Das SAH Zentralschweiz entscheidet auch darüber, ob ein anerkannter Flüchtling oder vorläufig Aufgenommener in einer privaten Sprachschule im Fach Deutsch unterrichtet wird. Monika Hauri, Mitglied der Geschäftsleitung, erklärt, nach welchen Kriterien die Leute auf die verschiedenen Schulen aufgeteilt werden: «Das hängt zum einen vom Grad der Alphabetisierung ab. Zum anderen müssen wir abklären, wie die familiäre Situation der Betroffenen aussieht.» Ob es sich, so Hauri weiter, zum Beispiel um eine alleinerziehende Mutter handelt, die nur zu bestimmten Zeiten den Unterricht besuchen kann. Und drittens wird das Ausbildungsniveau der Betroffenen beurteilt. Gemäss Hauri betreut SAH Zentralschweiz derzeit 830 Personen. Vor rund zwei Jahren waren es noch zirka 400.

Drückeberger fliegen raus

Eine Nachfrage bei verschiedenen privaten Sprachschulen ergab unterschiedliche Ergebnisse. Kaum Informationen kamen von der Institution Alemania. Stephan Signer, Schulleiter in Luzern und Betriebsleiter Alemania Schweiz, schreibt auf Anfrage sinngemäss, Alemania sei eine private und unabhängige Sprachschule und äussere sich in keiner Weise zu politischen oder religiösen Belangen. Es mag sich um ein Missverständnis handeln. Aber eigentlich ging es nur darum, in Erfahrung zu bringen, wie viele Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene Alemania in Luzern zu welchen Konditionen unterrichtet. Im Gegensatz zu Signer hatte Martin A. Würmli, Direktor der Bénédict-Sprachschule Luzern, keinerlei Probleme, die Fragen zu beantworten. Gemäss Würmli besuchen derzeit zirka 45 Männer und Frauen aus den genannten Personengruppen den Unterricht. Ein zehnwöchiger Kurs kostet 1800 Franken. Pro Woche stehen 25 Lektionen an. Im Preis inbegriffen ist der freiwillige Besuch des Sprachlabors, wo für Fragen ständig ein Lehrer anwesend ist. Würmli betont, dass an seiner Schule nur Leute unterrichtet werden, die über das nötige Potenzial verfügen. Drückeberger duldet Würmli keine. Die werden vom Unterricht ausgeschlossen. Würmli sagt: «Das betrifft pro Jahr zwei bis drei Personen.»

Rabatt von knapp 30 Prozent

Auch Mariella Peter, Regionalstellenleiterin der Stiftung Ecap, hat Erfahrungen mit Deutschkurs-Teilnehmern aus dem Flüchtlingsbereich. Sie sagt: «Unser Ziel ist es, die Leute sprachlich so weit zu bringen, dass sie in der Arbeitswelt Fuss fassen können.» Peter fällt auf, dass derzeit auffallend viele Frauen und Männer bei Ecap zum Unterricht erscheinen, denen es an Grundlegendem fehlt. Das heisst, der Unterricht beginnt auf der untersten Stufe, dem Erlernen des Alphabetes. Ein fünfwöchiger Ecap-Kurs à 12 Lektionen pro Woche kostet 595 Franken. Auch bei der Klubschule Migros besuchen Flüchtlinge den Unterricht. Rahel Kissel sagt, dass derzeit zwischen 20 bis 25 vom SAH Zentralschweiz zugewiesene Personen bei der Migros Deutsch lernen. Ein vierwöchiger Intensivkurs à 15 Lektionen pro Woche kostet 762 Franken.

Apropos Kosten: Bei den Recherchen zu diesem Text stellte sich auch heraus, dass eine Schule den Flüchtlingen einen Rabatt gewährt. Und zwar handelt es sich im Vergleich zu den Normalzahlern um eine Preisreduktion von knapp 30 Prozent.