Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

LUZERN: Spreuerbrücke: Künstler kopieren um die Wette

Nach den Bildern der Kapellbrücke werden jetzt auch jene der Spreuerbrücke kopiert. Bald wird feststehen, wer dafür den Zuschlag erhält.
Alexander von Däniken
Silvia Linder malt eine Kopie des Bildes «Zwei Liebende». (Bild: Eveline Beerkircher)

Silvia Linder malt eine Kopie des Bildes «Zwei Liebende». (Bild: Eveline Beerkircher)

In sechs Ateliers wird derzeit unter Hochdruck gearbeitet. Seit September fertigen Künstler aus der Region und aus dem nahen Ausland je eine Kopie des Bilds «Zwei Liebende» an, das auf der Luzerner Spreuerbrücke hängt. Dies, nachdem der Luzerner Anwalt und Kunstförderer Jost Schumacher letztes Jahr angekündigt hat, die Kopien des Totentanz-Zyklus alleine anfertigen zu lassen. Anlass waren gescheiterte Verhandlungen mit der Stadt über die Verwertungsrechte der Kopien. Zuvor war Schumacher bereits bei der Kapellbrücke bei den Behörden abgeblitzt – die Kopien genügten qualitativ nicht und durften nicht anstelle der abgebrannten Originale aufgehängt werden.

Stadt zeigt vorsichtiges Interesse

Ob bei der Spreuerbrücke dereinst die neuen Bilder aufgehängt oder lediglich als «Sicherheitskopien» aufbewahrt werden, ist derzeit noch offen. Die Stadt Luzern wird noch nicht ins Projekt einbezogen. Dennoch: Ein Jahr nach dem Scheitern der Verhandlungen scheinen die Fronten nicht mehr so verhärtet zu sein wie damals. Das dürfte auch damit zusammenhängen, dass Schumacher mit Manuela Jost eine neue Baudirektorin als Ansprechpartnerin hat. Am 30. November trafen sich Schumacher und Jost zu einem Gespräch. Dieses sei konstruktiv verlaufen, wie Schumacher erklärt: «Ich hoffe, dass wir uns nächstes Jahr auf eine gemeinsame Strategie einigen können.» Jost sagt lediglich: «Es war ein gutes Gespräch.» Die Stadträtin schätze private Initiativen wie jene ?von Schumacher sehr, «und ich bin ?gespannt, wie die Kopien aussehen ?werden».

Ende Januar müssen die sechs Künstler und Restauratoren ihre Werke einreichen. Eine Fachjury wird Ende Februar entscheiden, welcher Künstler auch die übrigen der rund 50 Bilder kopieren darf. Die Wettbewerbskopien werden darauf der Öffentlichkeit präsentiert. Die Jury hat den Wettbewerb diesen Sommer in einer Fachzeitschrift öffentlich ausgeschrieben und sechs Kandidaten ausgesucht. Gemäss Recherchen unserer Zeitung ist der Luzerner Mario Christen einer der Kandidaten. Er sagt: «Das Bild ist schon eine Herausforderung, weil das Original bereits mehrfach überarbeitet worden ist.» Trotzdem ist er zuversichtlich, die Kopie fristgerecht einreichen zu können. Falls sich die Jury für ihn entscheiden würde, «hätte ich riesig Freude. Vor allem auch, weil ich Luzerner bin und mich als Restaurator mit den Giebelbildern der drei Holzbrücken seit 1985 befasst habe.»

Die zweite lokale Kandidatur besteht aus den Restauratoren Silvia Linder aus Emmenbrücke und Martin Hüppi aus Luzern-Littau. Auch sie sprechen von einer Herausforderung: «Auf dem Original sind bereits einige Details verschwunden. Hier gilt es bei den unleserlichen Partien so nahe wie möglich ans Original heranzukommen.» Falls die Jury ihr Werk als qualitativ gut befindet und von ihnen Kopien erstellen lässt, «ist es für uns eine grosse Freude, die Kopien herzustellen». Die weiteren Kandidaten sind Bernd Pappe aus Bern und je eine Person oder ein Team aus Deutschland, Österreich und Italien.

15 000 Franken pro Bild

Der frühere Luzerner Denkmalpfleger Ueli Habegger (67) begleitet den Wettbewerb. Das Kopieren von Kunstwerken verlange grosses Geschick: «Viele Kopien wirken irgendwie kühl, obwohl sie kaum von den Originalen zu unterscheiden sind.» Wie «neu» die Kopien im Vergleich zum Original aussehen dürfen, lässt die Jury offen. Bis alle Kopien angefertigt sind, dürfte es sechs Jahre dauern. Klar ist, dass sich Schumacher die Kopien einiges kosten lässt. Rund 15 000 Franken dürften es pro Bild werden, die Gesamtkosten werden sich auf knapp 1 Million Franken belaufen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.