LUZERN: Stadt Luzern will Strichplatz

Nicht auf den Strassen, sondern auf einem einzigen Platz sollen Sexarbeiterinnen ihr Geschäft abwickeln. Ob dieser Wunsch der Stadt umsetzbar ist, ist unklar.

Luca Wolf
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Strassenstrich zwischen dem Ökihof und der Kehrrichtverbrennungsanlage Ibach. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Strassenstrich zwischen dem Ökihof und der Kehrrichtverbrennungsanlage Ibach. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Der Strassenstrich in und rund um Luzern hat am Donnerstagvormittag erneut das Parlament beschäftigt. Der Grosse Stadtrat überwies zwei Vorstösse, die beide darauf abzielen, die jetzigen Missstände zu beheben. Der gewichtigere stammt von Sandra Felder-Estermann, Hugo P. Stadelmann und Reto Kessler. Darin wird namens der FDP-Fraktion gefordert, dass das Reglement der Stadt über die Strassenprostitution angepasst wird. Ausschlaggebend ist, dass sich der Strassenstrich von der Luzerner Innenstadt in den Ibach verschoben hat.

Dort, vis-à-vis der Kehrichtverbrennungsanlage, leiden nun die ansässigen Gewerbetreibenden unter den Auswüchsen des Sexgewerbes. Vor allem wird viel Abfall liegen gelassen. Die FDP fordert nun unter anderem Gebühren für Prostituierte, dass sich die Sexarbeiterinnen nur noch in speziellen Zonen aufhalten dürfen und dass die Kosten für die Reinigung über die Gebühren gedeckt werden müssen. Auch sei ein Strichplatz zu prüfen, wo die Prostituierten samt Freier ihrem Geschäft nachgehen könnten. Als möglicher Standort bringt die FDP das Areal neben der KVA ins Spiel, wo heute die Container der Cityring-Baustelle stehen. Der Stadtrat nimmt dazu wie folgt Stellung:

  • Gebührenpflicht: Das sei für eine Gemeinde administrativ zu aufwendig. Jedoch verweist der Stadtrat auf den Kanton Luzern, der derzeit ein Gesetz über die Sexarbeit entwirft. Dort ist eine Registrierungspflicht vorgesehen. Diese würde über das Amt für Migration laufen. «Der Stadtrat begrüsst dies sehr», schreibt er in seiner Antwort. So könne auch gleichzeitig und viel einfacher eine Nutzungsgebühr für den öffentlichen Grund erhoben werden. Bis das kantonale Gesetz in Kraft tritt, kann es jedoch noch gut und gerne ein Jahr dauern.


  • Spezielle Zonen für Prostituierte: In der Stadt gebe es kein Platz für solche Zonen. Unter der Leitung vom Gemeindeverband Luzern Plus jedoch suchten die Gemeinden Kriens, Emmen, Ebikon, Luzern, Rothenburg und Buchrain nach möglichen Standorten. Einige seien im Gespräch und würden nun geprüft. Wo diese Standorte sind, wollte Stadtrat Adrian Borgula am Donnerstag auf Nachfrage nicht sagen.


  • Strichplatz: Das Areal neben der KVA Ibach als Standort für einen Strichplatz wird laut Borgula nun geprüft. Die Einrichtung und Finanzierung müsse jedoch überkommunal erfolgen. Auf diesem Strichplatz bräuchte es ein Infrastruktur wie WCs, Duschen oder ein mobiler Betreuungsbus. Etwas ähnliches ist ab Sommer in Zürich geplant. Man werde die Entwicklung und die Erfahrungen dort genau beobachten. Für die Benutzung dieses Strichplatzes müssten die Sexarbeiterinnen eine Gebühr bezahlen. Damit soll der Betrieb und die Reinigung des Areals gedeckt werden. Eine solch zentrale Lösung ist laut Borgula besser als ein Strichplan, indem an einzelnen Strassenabschnitten die Prostituion erlaubt werden soll. Bis wann diese Vorschläge umgesetzt werden, lässt sich laut Borgula derzeit nicht beantworten. Bis es soweit ist, läuft im Ibach also alles weiter wie bisher: Die Stadt finanziert die Reinigung und die Polizei kontrolliert regelmässig die Sexarbeiterinnen und deren Freier.