LUZERN: Stadt soll sich gegen die «Mall» rüsten

Läden und Stadtrat wollen gemeinsam für eine attraktive Innenstadt sorgen. Gespräche laufen bereits. Doch es gibt noch viele offene Fragen – nicht nur zum Geld.

Robert Knobel
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Die Mall of Switzerland in Ebikon. (Bild: Corinne Glandmann / LZ)

Die Mall of Switzerland in Ebikon. (Bild: Corinne Glandmann / LZ)

Was gibt es Schöneres als nach dem Shopping oder einem Kinobesuch noch in einem Boulevard-Café einen Kaffee zu trinken? Erst recht, wenn nebenan ein Strassenspektakel stattfindet und man auf dem Heimweg noch durch den Wochenmarkt schlendern kann.

Eine typische Beschreibung aus der Luzerner Innenstadt? Kann sein. Die Szene könnte sich aber genauso gut in der Mall of Switzerland weitab vom Stadtzentrum abspielen. Das zumindest erhoffen sich die Betreiber der Mall, die im Herbst 2017 eröffnet. Diese soll demnach nicht einfach ein herkömmliches Einkaufszentrum sein, sondern zu einer eigenen Freizeitdestination werden. Die Besucher sollen sich fühlen, als würden sie durch ein pulsierendes Stadtzentrum flanieren. Genau diese Vorstellung macht den Gewerblern in der Luzerner Innenstadt Bauchweh. Die Frage, wie sich die Mall auf die Innenstadt auswirken wird, beschäftigt die Betroffenen sowie Politiker seit Jahren.

Die Lichthalle von unten. (Bild: Boris Bürgisser (Ebikon, 18. Oktober 2017))
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Der gleiche Raum von oben (Bild: Boris Bürgisser (Ebikon, 18. Oktober 2017))
Die Testkunden verpflegen sich im McDonald's. (Bild: Boris Bürgisser (Ebikon, 18. Oktober 2017))
Arbeiter beim Zusammenbau. (Bild: Boris Bürgisser (Ebikon, 18. Oktober 2017))
Die Testkunden in der Lichthalle. (Bild: Boris Bürgisser (Ebikon, 18. Oktober 2017))
Testkunden warten vor dem Eingang der Mall auf Einlass. (Bild: Boris Bürgisser (Ebikon, 18. Oktober 2017))
Die Arbeiten sind noch in vollem Gang. (Bild: Boris Bürgisser (Ebikon, 18. Oktober 2017))
Eine interaktive Umkleidekabine. (Bild: Boris Bürgisser (Ebikon, 18. Oktober 2017))
Von oben dringt viel Licht in den Raum. (Bild: Boris Bürgisser (Ebikon, 18. Oktober 2017))
Die Testkunden lassen sich informieren. (Bild: Boris Bürgisser (Ebikon, 18. Oktober 2017))
Blick in ein Geschäft, das sich noch im Bau befindet. (Bild: Boris Bürgisser (Ebikon, 18. Oktober 2017))
Die Testkunden füllen einen Fragebogen aus. (Bild: Boris Bürgisser (Ebikon, 18. Oktober 2017))
Blick ins Schaufenster des Geschäfts Bayard (Bild: Boris Bürgisser (Ebikon, 18. Oktober 2017))
Eine Kundin im Atrium. (Bild: Boris Bürgisser (Ebikon, 18. Oktober 2017))
Noch ist nicht alles fertig gestellt. (Bild: Boris Bürgisser (Ebikon, 18. Oktober 2017))
Hier gibts vorallem Burger (Bild: Boris Bürgisser (Ebikon, 18. Oktober 2017))
Die Arbeiten sind noch in vollem Gang. (Bild: Boris Bürgisser (Ebikon, 18. Oktober 2017))
Bild: Boris Bürgisser (Ebikon, 18. Oktober 2017)
Blick auf die Mall of Switzerland. (Bild: Boris Bürgisser (Ebikon, 18. Oktober 2017))
Medenvertreter lassen sich durch die Baustelle führen. (Bild: Nadia Schärli/LZ)
Bereits gut sichtbar: Ästhetik der Rolltreppen. (Bild: Nadia Schärli/LZ)
An diesem Gebäude entsteht noch die Aussenhaut. (Bild: Nadia Schärli/LZ)
Elektromonteure sind am Werk. (Bild: Nadia Schärli/LZ)
Ein Pneukran hievt ein Materialpaket vom Dach. (Bild: Nadia Schärli/LZ)
Blick von oben auf die offene Publikumszone. (Bild: Nadia Schärli/LZ)
Keine Sammlung Faltkartons, sondern eine Deckenleuchte (Bild: Nadia Schärli/LZ)
Die Wölbung ist der Eingang: Ein Arbeiter in der Hebebühne bei der Montage. (Bild: Nadia Schärli/LZ)
Vom Nachbarn geliefert: Rolltreppen von Schindler, noch im Montagestadium. (Bild: Nadia Schärli/LZ)
Abgedeckte Ronellen: Man darf rätseln, was das werden wird. (Bild: Nadia Schärli/LZ)
Zwischen den Fassaden gibt es noch einiges zu tun. (Bild: Nadia Schärli/LZ)
Blick auf die Mall of Switzerland mit dem Freizeitcenter (links), dem Shopping-Komplex (und dem Parkhaus (rechts). (Bild: René Meier (Ebikon, 30. April 2017))
Ein Blick in den Innenbereich des noch zumeist im Rohbau stehenden zweitgrössten Shoppingcenter Mall of Switzerland am 29. März 2017. (Bild: Urs Flüeler / Keystone)
Im Hintergrund ein eingekleidetes Wohnhaus, welches ebenfalls zur Anlage gehört. (Bild: Urs Flüeler / Keystone)
Rolltreppen und Geländer sind fix montiert, jetzt folgen die Detailarbeiten. (Bild: Urs Flüeler / Keystone)
Eine Glasfassade verbindet die «Mall» (links) mit dem Parkhaus. (Bild: Urs Flüeler / Keystone)
Arbeiten an der Aussenfassade: Nun wird noch eine Folie aufgezogen. (Bild: Urs Flüeler / Keystone)
Ein Blick in den Innenbereich am 29. März 2017 (Bild: Urs Flüeler / Keystone)
Mitarbeiter bei Kontrollarbeiten am Dach. (Bild: Urs Flüeler / Keystone)
Die Ein- und Ausfahrtsstrasse des Parkhauses (Bild: Urs Flüeler / Keystone)
30. August 2016: Viel Licht dringt durch das Dach in den Innenbereich. (Bild: Pius Amrein)
17. Februar 2016: Ein Blick in die Baustelle der «Mall of Switzerland» in Ebikon. (Bild: Keystone)
17. Februar 2016: Ein Blick in die Baustelle der «Mall of Switzerland» in Ebikon. (Bild: Keystone)
17. Februar 2016: Ein Blick in die Baustelle der «Mall of Switzerland» in Ebikon. (Bild: Keystone)
4. August 2016: Luftaufnahme von der «Mall of Switzerland». (Bild: René Meier)
4. August 2016: Luftaufnahme von der «Mall of Switzerland». (Bild: René Meier)
4. August 2016: Luftaufnahme von der «Mall of Switzerland». (Bild: René Meier)
17. Februar 2016: Ein Blick in die Baustelle der «Mall of Switzerland» in Ebikon. (Bild: Keystone)
17. Februar 2016: Ein Blick in die Baustelle der «Mall of Switzerland» in Ebikon. (Bild: Keystone)
17. Februar 2016: Ein Blick in die Baustelle der «Mall of Switzerland» in Ebikon. (Bild: Keystone)
Baustellen-Besichtigung am 15. Januar 2016: Mit dem Bau der Mall of Switzerland» sind die Verantwortlichen dem Zeitplan leicht voraus. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
15. Januar 2016: Der Freizeitbereich. Hier sollen ein Kino und eine Wasserwelle entstehen. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
17. Februar 2016: Ein Blick in die Baustelle der «Mall of Switzerland» in Ebikon. (Bild: Keystone)
Hier entsteht der Haupteingang (15. Januar 2016). (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Restaurantbereich (15. Januar 2016). (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Im Bild: Das Dachgeschoss am 15. Januar 2016. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
15. Januar 2016: Der Eingangsbereich der «Mall of Switzerland» in Ebikon. Hier sollen die Besucher dereinst vom Parkhaus aus das Center betreten. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Die Decke wird gestützt (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Mit schwerem Gerät wurden im November die ersten Deckenelemente auf der Fahrspur Richtung Ebikon montiert. (Bild: PD)
Direkt über der Fahrbahn des Rontal-Zubringers entsteht das Parkhaus. (Bild: PD)
Die «Mall of Switzerland» im Massstab 1:100. (Bild: PD)
Mit 2,5 Metern Länge und über 300 Kilogramm Gewicht hat das Modell die Dimensionen eines Konzertflügels. (Bild: PD)
Auf Knopfdruck lassen sich das Dach und die einzelnen Etagen in die Höhe fahren, um Einblick in das Innenleben der Mall zu geben. (Bild: PD)
Blick auf die Baustelle am 17. Juli 2015, rechts Buchrain, hinten Schindler. (Bild: René Meier)
7. Juli 2015 (Bild: PD)
4. Oktober 2014: Auf dem Gelände der Mall of Switzerland fahren die ersten Baumaschinen auf. (Bild: René Meier)
11. Juni 2014: Grundsteinlegung der Mall of Switzerland mit einer theatralischen Darbietung. (Bild: Pius Amrein)
Hier neben dem Quartier Fildern in Ebikon (links) und dem Schindler (oben) entsteht die Mall of Switzerland. Bild von September 2013. (Bild: René Meier)
So soll das Verkehrskonzept der Mall of Switzerland dereinst aussehen. (Bild: Grafik: web; Quelle: Freo Switzerland AG)
Bild: PD
Bild: PD
140 Geschäfte sind in der Mall of Switzerland in Ebikon geplant. (Bild: PD)
Swiss Shops vor der Mall (Bild: PD)
Die Mall of Switzerland aus der Vogelperspektive (Bild: PD)
Lounge (Bild: PD)
Essensstände (Bild: PD)
In der «La Strada» positionieren sich die Premium- und Lifestyle-Marken aus den Branchen Fashion und Schuhe, Beauty, Schmuck, Uhren und Accessoires. (Bild: Visualisierung: PD)
Blick in die Mall of Switzerland (Bild: PD)
Eingang am Ebisquare (Bild: PD)

Die Lichthalle von unten. (Bild: Boris Bürgisser (Ebikon, 18. Oktober 2017))

Am 2. Dezember fand ein Treffen zwischen diversen Wirtschaftsvertretern und dem gesamten Stadtrat statt. Dabei ging es auch um die Frage, wie die Stadt mit der Herausforderung Mall of Switzerland umgehen soll. Man war sich einig, dass man gemeinsam an einem Strick ziehen muss. Wie eine solche Zusammenarbeit zwischen Stadt und Gewerblern genau aussehen könnte, ist allerdings noch offen – ein konkreter Beschluss wurde nicht gefasst.

Stadt schafft ein Netzwerk

Klar ist bisher lediglich, dass die Stadt unter dem Namen «Forum attraktive Innenstadt» ein Netzwerk schaffen will, «um auch die Einkaufs- und Aufenthaltsqualität in der Innenstadt zu stärken», wie es Stadtpräsident Stefan Roth formuliert. Die Stadt plant, alle Interessenvertreter mit Bezug zur Innenstadt zu regelmässigen Forumsveranstaltungen einzuladen. Das «Forum attraktive Innenstadt» geht auf einen Auftrag des Parlaments im Rahmen des städtischen Wirtschaftsberichts zurück.

Rund anderthalb Jahre vor Eröffnung der Mall of Switzerland scheint man also die ersten Schritte Richtung Stärkung der Innenstadt zu unternehmen. Was erwarten die Betroffenen von der geplanten Zusammenarbeit mit der Stadt? Heinz Bossert, Präsident des Luzerner Detaillistenverbands, sagt: «Wir müssen eine Vision entwerfen, wohin sich die Stadt entwickeln soll.» Dies solle unter Einbezug von Entwicklungsexperten geschehen. Wichtig sei dabei, dass die Stadt Luzern als Ganzes auftritt. Es brauche ein eigentliches Standortmarketing. Woher das Geld dafür kommen soll, dafür hat Bossert bereits eine Idee: vom ALI-Fonds zur Attraktivierung der Innenstadt. Sinnigerweise wurde dieser Fonds 1997 geschaffen mit dem Ziel, den Wettbewerbsnachteil der Innenstadt gegenüber den Einkaufszentren wettzumachen, die mit Gratisparkplätzen lockten. Daher wird der Fonds auch aus Einnahmen von Parkgebühren gespiesen. Das Geld wird für diverse Projekte, die der Innenstadt zugute kommen, verwendet. Heinz Bossert findet, dass die jährlich 250 000 Franken gezielter eingesetzt werden müssten. «Statt viele Einzelprojekte mit Kleinbeträgen zu unterstützen, soll das Geld besser fürs Standortmarketing ausgegeben werden.»

Viele Einzelinteressen

Doch wer würde die «Marke Innenstadt» nach aussen vertreten? Da tun sich neue Fragen auf. Denn die Luzerner Innenstadt ist – im Gegensatz zur Mall of Switzerland – ein Tummelfeld verschiedenster Partikularinteressen: Neben den Detaillisten gibt es international ausgerichtete Uhrenfirmen, Beizen, Anwohner und natürlich die Tourismusbranche. Entsprechend gibt es mehrere Organisationen, welche mitmischen: Ausser dem Detaillistenverband sind dies etwa die City-Vereinigung, der Wirtschaftsverband und die Quartiervereine. Von diesen scheint zurzeit niemand schlagkräftig genug, um die Interessen der Innenstadt als Ganzes zu vertreten.

Einfluss der Stadt ist begrenzt

Auch der Einfluss der Stadt ist begrenzt: Sie kann weder die Mietpreise noch den Branchenmix direkt beeinflussen. Immerhin lud der Stadtrat im letzten Herbst sämtliche Liegenschaftsbesitzer der Altstadt zu einem Treffen ein. Ziel war es, sich über die gegenseitigen Bedürfnisse auszutauschen. Doch diese decken sich oft überhaupt nicht: Während der Hausbesitzer mit der Wahl einer internationalen Kleiderkette seine Mieteinnahmen zu optimieren sucht, ist die Stadt an einem möglichst vielfältigen Branchenmix interessiert. Kann da die Stadt überhaupt etwas ausrichten? Ja, findet CVP-Grossstadtrat Albert Schwarzenbach. Der Altstadtbewohner setzte sich mit diversen Vorstössen für eine lebendige Innenstadt ein. Der Branchenmix sei ein wichtiges Kriterium, die Innenstadt gegenüber der Konkurrenz attraktiv zu halten. «Die Stadt kann zumindest versuchen, bei den Liegenschaftsbesitzern Goodwill zu schaffen und sie für das Thema Branchenmix zu sensibilisieren», sagt Schwarzenbach.

Längere Öffnungszeiten im Zentrum?

Einen Einfluss auf die Attraktivität haben die Ladenöffnungszeiten. Diese sind im Kanton Luzern so restriktiv wie nirgends sonst. Daran muss sich auch die Mall of Switzerland halten – im Gegensatz etwa zum Länderpark in Stans. Und die Luzerner Innenstadt? Dort gibt es einen gewissen Spielraum, der bisher kaum genutzt wird. Für stark tourismusorientierte Geschäfte können nämlich liberalere Öffnungszeiten bewilligt werden. In der Altstadt ist ein grosser Teil der Geschäfte stark von Touristen abhängig – und das betrifft nicht nur die Uhrenläden. Einzelne Geschäfte in der Innenstadt profitieren bereits von ausgedehnten Öffnungszeiten. Gemäss Stefan Roth erhält die Stadt vermehrt Anfragen von weiteren interessierten Geschäften. «Auch diese Fragen versuchen wir im Rahmen des Forums zu klären», sagt Roth.

Längere Öffnungszeiten kommen allerdings nicht bei allen Geschäften gut an. So wehrte sich insbesondere Heinz Bosserts Detaillistenverband bisher vehement gegen jegliche Liberalisierungsversuche.

Robert Knobel