LUZERN: Stadt will Sportvereine schröpfen

Die Stadt will die Gebühren für die Benützung von Sportanlagen massiv erhöhen. Einige Klubs müssten damit bis zu zehnmal mehr bezahlen.

Yasmin Kunz
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Mit dem neuen Tarifsystem müssten die Luzern Lions (blaues Dress) für die Benützung der Sportanlagen fast zehnmal mehr bezahlen als bisher. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Mit dem neuen Tarifsystem müssten die Luzern Lions (blaues Dress) für die Benützung der Sportanlagen fast zehnmal mehr bezahlen als bisher. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Yasmin Kunz

Wenn Sportvereine städtische Sportanlagen benützen, müssen sie dafür zahlen. Bis anhin gibt es allerdings keine einheitliche Regelung dafür – einige Klubs, etwa in Littau, können die Anlagen sogar kostenlos benützen. Letzten Herbst kommunizierte die Dienstabteilung Kultur und Sport der Stadt Luzern, dass sie ein neues einheitliches Tarifsystem für Nutzer von Sportanlagen schaffen wolle. In einem Brief an die Vereine, der unserer Zeitung vorliegt, schreibt die Stadt, dass die neu geplanten Tarife auf einer «durchschnittlichen Vollkostenrechnung pro Stunde» basieren und für Hallen, Aussenspielfelder und Schulräume gelten.

Von 250 auf 2400 Franken

Für die Luzerner Sportklubs heisst das vor allem eins: Sie müssen viel tiefer in die Tasche greifen als bisher. An einer Informationsveranstaltung im vergangenen Herbst wurde den Vereinen dargelegt, wie das neue Tarifsystem funktionieren soll. Gemäss Aussagen einiger Anwesender machte die Stadt damals bereits Schätzungen, was das neue Tarifsystem für die einzelnen Vereine finanziell bedeuten könnte. Zum Beispiel für den American Football Club Luzern Lions: Der Klub müsste künftig ein Vielfaches der heutigen Gebühr bezahlen. Jannik Niklaus, Sprecher des Klubs, sagt: «Wir zahlen jetzt einen symbolischen Jahresbeitrag von 250 Franken. Kommt das neue Tarifsystem, zahlen wir pro Jahr 2400 Franken.» Der Sportclub, der 110 Spieler umfasst und zweimal pro Woche auf der Allmend trainiert, müsste dann neue Einnahmequellen finden. «Die Mitgliederbeiträge zu erhöhen, ist nicht das Ziel, da die Spieler jetzt schon 700 Franken zahlen», erklärt Niklaus.

Klubs müssen Reserven anzapfen

Auch für den Luzerner Rugby-Club, der auf den Sportanlagen Allmend zweimal wöchentlich seine Trainings ausführt, wird die Benützung künftig bis zu zehnmal mehr kosten. Heute zahlt der Klub ebenfalls nur 250 Franken pro Jahr. Roland Enzler, Präsident des Rugby-Clubs, kritisiert: «Werden Steuern reduziert, muss das Geld für die Stadt anderswo herkommen.» Enzlers Klub dürfte die Mehrausgaben abfedern können, da man noch Reserven habe, sagt er. Frank Kaulitz, der als Präsident des Luzerner Sportclubs für zahlreiche Vereine sprechen kann, sagt: «Für die betroffenen Vereine dürfte die Nutzung der Sportanlagen mit dem neuen Tarifsystem geschätzte 5 bis 10 Prozent des jeweiligen Vereinsbudgets ausmachen.»

Bei der Stadt gibt man sich zugeknöpft. Stadträtin Ursula Stämmer, zuständig für Bildung, Kultur und Sport, wollte auf Anfrage unserer Zeitung keine konkreten Angaben zur geplanten Gebührenerhöhung machen: «Ich bin mit den Vereinen noch in Gesprächen. Vor Ostern treten wir an die Öffentlichkeit.» Bei den Vereinen hat man grundsätzlich Verständnis dafür, dass die Benützung der Sportanlagen entsprechend kostet. «Leistungen wie der Unterhalt der Infrastrukturen sind eben nicht gratis», sind sich Niklaus und Enzler einig. Doch mit einer derart hohen Gebühr habe man nicht gerechnet.

«Das tut dem Klub massiv weh»

Rund fünfmal mehr müsste der FC Kickers Luzern zahlen, falls das neue Gebührensystem eingeführt wird. Aktuell beträgt der Beitrag des FC Kickers rund 1000 Franken pro Jahr. Mit der neuen Regelung müsste der Verein gemäss Renato Amadò, Präsident des FC Kickers, geschätzte 5000 Franken zahlen. «Das tut dem Klub massiv weh», sagt er. Eine Möglichkeit, diese Summe zusammenzubringen, sei die Erhöhung der Mitgliederbeiträge. Dies sei allerdings nicht ganz einfach, da die Mehrheit des rund 400-köpfigen Klubs Junioren seien, die man nicht durch eine Beitragserhöhung belasten möchte. Auch Amadò kann die Pläne der Stadt grundsätzlich nachvollziehen: «Die Behörden müssen auch schauen, dass ihre Leistungen durch die Klubs einigermassen abgegolten werden.»

Wird das neue Tarifsystem tatsächlich eingeführt, würde die Erhöhung vom bisherigen Betrag zum neuen Betrag abgestuft über vier Jahre erfolgen. Das teilte die Stadt den Vereinen im erwähnten Infoschreiben mit.