LUZERN: Stadtparlament genehmigt Altersgutscheine und neue Anlaufstelle

Um ältere Leute beim selbstbestimmten Wohnen zu unterstützen, hat der Grosse Stadtrat ein Pilotprojekt deutlich bewilligt. Von der Notwendigkeit waren aber nicht alle überzeugt.

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Zu zweit ist das Wohnen im Alter einfacher – weil man sich gegenseitig helfen kann. (Bild Philipp Schmidli)

Zu zweit ist das Wohnen im Alter einfacher – weil man sich gegenseitig helfen kann. (Bild Philipp Schmidli)

Gabriela Jordan

gabriela.jordan@luzernerzeitung.ch

Die Stadt Luzern lanciert ein Schweizer Pilotprojekt: Sie führt Gutscheine für die Alterspflege ein. Das Prinzip der «Gutscheine für selbstbestimmtes Wohnen» ist dasselbe wie bei den Betreuungsgutscheinen. Statt Institutionen und Strukturen zu subventionieren, erhalten die Betroffenen selber Geld, um Dienstleistungen einzukaufen.

Dem entsprechenden Bericht und Antrag des Stadtrats stimmte das Parlament äusserst klar mit 42 zu 2 Stimmen und 2 Enthaltungen zu. Somit wurde auch der Kredit von 2,1 Millionen Franken gesprochen. Mit diesem Kredit wird eine Anlaufstelle für Altersfragen geschaffen. Genehmigt wurde auch der Antrag der Sozialkommission, das Pilotprojekt von drei auf vier Jahre zu verlängern. Sehr knapp fiel die Abstimmung über einen weiteren Antrag der Sozialkommission aus: Sie verlangte, dass sich die Anlaufstelle aus Experten aus Bereichen wie Pflege, Beratung und Psychiatrie zusammensetzt. Dem wurde mit 23 zu 22 Stimmen Folge geleistet.

Breites Angebot besteht bereits

Trotz des klaren Abstimmungsergebnisses gab die Notwendigkeit der geplanten Anlaufstelle zu reden. Einige stellten grundsätzlich in Frage, ob es diese überhaupt braucht. So sagte Agnes Keller-Bucher (CVP): «Wir bezweifeln die präventive Wirkung dieser Anlaufstelle, da Hilfe erst gesucht wird, wenn das Problem da ist.» Dennoch sprach sich die Mehrheit der CVP für die Anlaufstelle und das Pilotprojekt aus. Die Stadt solle damit Kompetenzen erhalten, um die Herausforderungen der demografischen Entwicklung bewältigen zu können. Die übrigen Fraktionen begrüssten die Bemühungen des Stadtrats in diesem Thema.

Von der SP kritisch betrachtet wurden aber die erwarteten Einsparungen. So würden die vorgeschlagenen Massnahmen in erster Linie darauf abzielen, den Heimeintritt hinauszuzögern und Kosten zu sparen. «Es ist aber wichtig, dass nebst dem wirtschaftlichen Aspekt die individuellen Bedürfnisse nicht in den Hintergrund treten dürfen», sagte Judith Dörflinger Muff namens der SP-Fraktion.

«Information ist zentral»

Aus Sicht der SVP war gerade dieses Einsparungspotenzial entscheidend dafür, dass die Fraktion dem Kredit «nach intensiver Diskussion» zustimmt, wie Jörg Krähenbühl sagte. Sozialdirektor Marin Merki (FDP) ist von der Notwendigkeit der Anlaufstelle überzeugt. Er freut sich, dass diese geschaffen werden kann: «Information ist zentral, damit Leute länger zu Hause sein können.» Laut Merki wird die Anlaufstelle im zweiten Halbjahr aufgebaut.

Für das Gutscheinsystem wird mit Kosten von jährlich 150 000 Franken gerechnet. Pro Einzelfall werden maximal 3000 Franken ausbezahlt. Das Pilotprojekt wie auch die Anlaufstelle sollen im Jahr 2018 starten.