LUZERN: Stadtrat will Cars vom Inseli verbannen

50 zusätzliche Carparkplätze, ein neues Parkleitsystem und einen Reisecar-Manager: Das plant der Stadtrat in den nächsten Jahren. Nicht gerüttelt wird dagegen am Regime auf dem Schwanen- und dem Löwenplatz.

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Eine Übersicht der neuen Carparkplätze. (Bild: Stadt Luzern/Janina Noser)

Eine Übersicht der neuen Carparkplätze. (Bild: Stadt Luzern/Janina Noser)

Alexander von Däniken

alexander.vondaeniken@luzernerzeitung.ch

Viel Papier – aber kein grosser Wurf: So lassen sich der Bericht «Carparkierung Stadt Luzern», der Bericht und Antrag «Lebendiges Inseli statt Blechlawine» und das «Entwicklungskonzept über das linke Seeufer und das Gebiet Tribschen» zusammenfassen. Am Montag wurden die Pläne den Medien von den Stadträten Manuela Jost (GLP/Bau) und Adrian Borgula (Grüne/Verkehr) vorgestellt – als Paket, weil sie zusammenhängen.

Zumindest mit Blick auf das Carproblem ein grosser Wurf gewesen wäre das Parkhaus Musegg. Denn mit dessen Bau hätten auch die Car-Anhalteplätze am Schwanen- und am Löwenplatz aufgehoben werden können. Dazu wird es nicht kommen, nachdem die Links-GLP-Allianz im Stadtparlament im Dezember die Zusammenarbeit der Stadt mit den Parkhaus-Initianten beendet hat. «Wir werden darum weiterhin auf den Schwanenplatz als Car-Anhalteplatz und den Löwenplatz als Car-Anhalte- und -Parkplatz angewiesen sein», bilanziert Borgula. 

Als grosser Wurf gedacht war auch die Salle Modulable auf dem Inseli. Hier kam das Nein am 12. September 2016 vom Luzerner Kantonsparlament. Der Widerstand gegen das Kulturhaus war aber schon früher aufgekeimt – unter anderem als am 13. Mai 2015 die städtischen Juso die Initiative «Lebendiges Inseli statt Blechlawine» einreichten. Diese hatte nicht nur das Ziel, das Inseli von Reisecars zu befreien, sondern auch die Salle Modulable zu verhindern. Genau darum lehnte der Stadtrat damals die Initiative ab. Jetzt begrüsst er sie.

26 Park- und 6 Anhalteplätze sollen weichen

«Das Inseli wird immer mehr als Erholungsraum genutzt», sagte Manuela Jost. Durch die Annahme der Initiative – die Volksabstimmung ist voraussichtlich am 24. September – könne die stadtbildprägende Parkanlage erhalten werden. Rund ein Drittel der Fläche wird heute von 26 Carparkplätzen und 6 Car-Anhalteplätzen besetzt. Diese sollen 2019 oder 2020 aufgehoben werden. Wie die frei werdende Fläche genutzt werden soll, ist noch unklar und soll im Zusammenhang mit einer Neugestaltung des linken Seeufers bis zum Richard-Wagner-Museum geklärt werden (siehe Box).

Etwas klarer sind die Pläne, wo und wie die wegfallenden Anhalte- und Parkplätze kompensiert werden sollen. Gemäss einer Analyse braucht die Stadt insgesamt 11 Anhalteplätze und 120 Carparkplätze. Die Zahl der Anhalteplätze soll genügen – in den Spitzenzeiten könnte neu der Kasernenplatz als zusätzliche Ein-/Aussteigegelegenheit dienen –, und zwar jeweils zwischen 16 und 20 Uhr. 

Carparkplätze gibt es indes nur deren 70. Kurzfristig werden die Parkplätze am Alpenquai und im Brüelmoos um 3 respektive 20 Plätze erweitert. Mittelfristig sollen im Bereich Allmend, im Ibach und in Kriens weitere Parkplätze geprüft werden (siehe Grafik). Auch für heimische Cars will die Stadt Lösungen bieten. So sollen vermehrt der Kreisel Allmend und der Parkplatz vor dem Verkehrshaus an der Haldenstrasse als Einsteigeplätze für Reisen ab Luzern dienen.

Zurück zu den auswärtigen Reisecars: Damit diese nicht auf der Suche nach einem freien Halte- oder Parkplatz ziellos durch die Stadt fahren, will die Stadt auf nächstes Jahr ein internetbasiertes Parkleitsystem einführen. Demnach sollen die Bus-Chauffeure via App zu einem freien Platz gelotst werden. Parallel dazu will die Stadt die Zusammenarbeit mit Luzern Tourismus verstärken. Die gemeinsame Stelle «Reisecar-Management» soll den Carverkehr beobachten, die Infoplattform für die Reisebusse pflegen und Inputs für weitere Verbesserungen geben. Denn Roland Koch, Projektleiter und städtischer Verkehrsexperte, sagte: «Ich gebe es ungern zu – aber wir wissen wenig über die Cars.»

Gewiss ist laut Adrian Borgula allerdings: «Die Carparkierung kann auch ohne Inseli und Parkhaus Musegg funktionieren.» Das hören die städtischen Juso gerne. «Der Stadtrat beweist mit seiner Empfehlung Feingefühl. Die Bevölkerung hat sich immer wieder, zuletzt bei der Abstimmung rund um die ZHB und das Vögeligärtli, deutlich für zentrale Grünflächen ausgesprochen», lässt sich Grossstadtrat Yannick Gauch in einer Medienmitteilung zitieren. 

Ganz anders tönt es bei den Jungen Grünen Luzern. Ihnen ist vor allem das Beibehalten der Car-Anhalte- und -Parkplätze am Schwanen- und am Löwenplatz ein Dorn im Auge. Damit verkaufe der Stadtrat Luzern direkt an die Uhrenindustrie und vergesse seine Bevölkerung, heisst es in einer Medienmitteilung. Die Jungen Grünen lehnen darum den Bericht und Antrag zur Carparkierung ab.

Tatsächlich fehlt dem Stadtrat eine langfristige Perspektive, um die Cars von Schwanen- und Löwenplatz zu verbannen. Auf das Metro-Projekt – ein Parkhaus im Ibach, verbunden mit einer Metro bis zum Schwanenplatz  – setzt er nicht, weil es laut Borgula ein zu hohes Risiko birgt: «Ausserdem wissen wir nicht, ob es das Projekt überhaupt noch gibt.» Und mit Blick auf das Musegg-Parkhaus sind ihm seit dem Nein des Parlaments die Hände gebunden. Für Fritz Studer, Präsident der Musegg Parking AG, wurde die Tür «zur einzigen Lösung des Problems» zu schnell zugeschlagen, wie er auf Anfrage sagt. Jetzt betreibe der Stadtrat nur noch eine Pflästerlipolitik.

Zwischennutzung: Stadtgarten, Beach-Bar oder Skatepark?

Bei der künftigen Gestaltung des Inseli setzt der Luzerner Stadtrat nicht auf eine Insellösung. Sollte die Bevölkerung im Herbst der Juso-Initiative «Lebendiges Inseli statt Blechlawine» zustimmen – und so die Reisecar-Parkplätze von der zentralen Lage verbannen –, will der Stadtrat gleich einen grossen Teil des linken Seeufers neu überdenken: vom Inseli über die Ufschötti bis zum Richard-Wagner-Museum. Damit will der Stadtrat ein Projekt in Angriff nehmen, das schon seit Jahrzehnten in der Schublade liegt.

Sobald die ersten Parkplätze verschwinden, will die Stadt eine Zwischenlösung anstreben, bis eine definitive Gesamtlösung für das linke Seeufer steht. Dafür soll ein Ideenwettbewerb lanciert werden. Einzelne Möglichkeiten hat der Stadtrat bereits skizziert: Urban Gardening, eine Beach-Bar oder ein Skatepark könnten auf dem Asphaltteil des Inseli eine temporäre Heimat finden. Klar ist derzeit für Stadträtin und Baudirektorin Manuela Jost (GLP) nur: «Die Määs wird weiterhin ihren Platz haben.»

Drei Teams sollen Ideen liefern

Längerfristig will sich der Stadtrat möglichst viele Optionen offenhalten. So könnte die Määs künftig doch an einem anderen Platz stattfinden – zum Beispiel dann, wenn das Inseli tatsächlich wieder zur Insel umgestaltet würde. Solche Ideen hängen von gleich drei interdisziplinären Teams ab, die der Stadtrat für das Entwickeln des linken Seeufers einsetzen will. In Workshops sollen die Teams dann auch weitere Experten und vor allem die Quartiervereine miteinbeziehen. «Drei Teams ergeben eine grosse Ideenvielfalt», begründete gestern Dominik Frei, Leiter des Ressorts Stadtgestaltung.

Der Startschuss für diese Testplanung dürfte 2018 fallen. Dazu braucht es neben dem Volks-Ja zur Juso-Initiative auch die Zustimmung des Stadtparlaments zu zwei Krediten: zum einen für den Bericht und Antrag «Linkes Seeufer» in der Höhe von 775 000 Franken, zum anderen für den Bericht und Antrag «Lebendiges Inseli» in der Höhe von 600 000 Franken. Besonders die Dreiviertelmillion sieht nach viel Geld aus. Allein 240 000 Franken sind als Entschädigung für die drei Projektteams veranschlagt. Dazu kommen 125 000 Franken für einen Projektleiter im 50-Prozent-Pensum während zweier Jahre.

Während das Inseli wohl einen grossen Gestaltungsfreiraum darstellt, dürfte sich dieser im Gebiet Werft, Ufschötti, Alpenquai und Tribschenhorn in engen Grenzen halten. Beispiel technischer Sporn mit Seepolizei beim Motorboothafen: Die Konzession für den dortigen Kiesverlad läuft erst 2028 aus. Laut Frei passt dieser Terminplan aber durchaus; so könne den involvierten Unternehmen frühzeitig mitgeteilt werden, wenn eine andere Nutzung geplant ist. Was genau wo anders genutzt werden könnte, darüber gibt es von Jost und Frei derzeit keine konkrete Auskunft. Unabhängig vom genauen Ort sei ein zusätzliches Restaurant denkbar, aber auch ein grosser Kinderspielplatz. Der Biodiversität will der Stadtrat ebenfalls Rechnung tragen. Auch wenn ein zusätzliches Schilfgebiet wie jenes entlang des Alpenquais wohl schwierig zu realisieren sein wird, wie Stadtrat Adrian Borgula ergänzte.

Hinweis

Das Konzept zur Carparkierung finden Sie hier.

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Mehr Grünfläche und keine Parkplätze mehr für Cars: So sieht es der Luzerner Stadtrat vor. (Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 12. Mai 2015))

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