LUZERN: Stimmenzähler rüsten sich für Marathon

Berge von Couverts stapeln sich in den Kanzleien: Die Stimmbeteiligung dürfte am Sonntag vielerorts die 60-Prozent-Marke erreichen – und damit in die Annalen eingehen.

Evelyne Fischer
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Verwaltungsangestellte Céline Schwarzentruber füllt den Willisauer Tresor mit weiteren Abstimmungscouverts. (Bild Corinne Glanzmann)

Verwaltungsangestellte Céline Schwarzentruber füllt den Willisauer Tresor mit weiteren Abstimmungscouverts. (Bild Corinne Glanzmann)

Evelyne Fischer

Die Gemeinden blicken einem rekordverdächtigen Sonntag entgegen: Vor allem die Durchsetzungsinitiative und die zweite Röhre am Gotthard scheinen die Massen zu mobilisieren, wie eine Umfrage in den sechs Luzerner Wahlkreisen zeigt.

Für eine Überraschung gut ist das sonst oft als stimmfaul verunglimpfte Dierikon: Bei den Kantonsratswahlen markierte die Gemeinde mit 24,9 Prozent Stimmbeteiligung das Schlusslicht. «Diesen Wert hatten wir nun bereits Anfang Woche erreicht», sagt Gemeindeschreiber Marcel Herrmann. «Gestern lag die Stimmbeteiligung bei 42 Prozent. Dieser Wert dürfte auf gut 50 Prozent ansteigen.» Sicherheitshalber sind die fünf Stimmenzähler bereits eine halbe Stunde früher aufgeboten worden. Sofern bis zur letzten Leerung des Briefkastens am Sonntag um 10.30 Uhr tatsächlich rund die Hälfte der 963 Stimmberechtigten ihre Unterlagen einreichen, entspräche dies in etwa dem Ergebnis der Masseneinwanderungsinitiative (52 Prozent) und der Gripen-Abstimmung (51 Prozent). «Unerreichbar bleibt die Rekordbeteiligung von 79 Prozent bei der EWR-Abstimmung.»

Mehr Raum fürs Urnenbüro

In der Stadt Luzern hat knapp die Hälfte der rund 53 300 Stimmbürger die Unterlagen eingereicht: Gestern lag die Beteiligung bei 47 Prozent, am Tag zuvor noch bei 42 Prozent. «Geht es so weiter, sehen wir einem Spitzenwert von über 60 Prozent entgegen», sagt Thomas Zumbühl, Leiter des Abstimmungsbüros. Zum Vergleich: Die Masseneinwanderungsinitiative lockte 53 Prozent an die Urne. Um die Couvertberge zu bezwingen, hat die Stadt ihr Personal fürs Urnenbüro teils früher aufgeboten. Zudem finden die Auszählarbeiten am Samstag aus Platzgründen im Berufsbildungszentrum am Bahnhof statt. Die Stimmabgabe ist am Sonntag bis 10 Uhr möglich.

Mehr Zeit bietet sich den 18 500 Stimmberechtigten von Kriens: Hier wird der Briefkasten zum letzten Mal um 11 Uhr entleert. «Wir rechnen mit einer Stimmbeteiligung gegen 60 Prozent», sagt Gemeindeschreiber-Substitutin Daniela Rieder. Derzeit liegt der Wert bei rund 49 Prozent. Auch in Sursee hat derzeit knapp die Hälfte der 6634 Stimmbürger abgestimmt. «Bei anderen eidgenössischen Abstimmungen lagen wir im gleichen Zeitraum bei 31 Prozent», sagt Stadtschreiber Godi Marbach. «Es zeichnet sich eine klar höhere Stimmbeteiligung als üblich ab.» Eine Rangliste existiere nicht. Bei der Masseneinwanderungsinitiative erreichte Sursee eine Beteiligung von über 58 Prozent. «Gut möglich, dass diese Marke am Sonntag geknackt wird. Mit 12 Leuten im Urnenbüro sind wir auf jeden Fall gewappnet.» Deadline für Spätabstimmende: 11 Uhr.

Wie in Sursee werden die Abstimmungszettel auch in Hochdorf per Waage gezählt. «Im letzten Jahr verzeichneten die Abstimmungen am Donnerstagmorgen im Schnitt jeweils eine Stimmbeteiligung von 28 Prozent», sagt Gemeindeschreiber-Substitut Jost Amrein. «Derzeit liegt dieser Wert bei 43,3 Prozent. Er dürfte auf gegen 60 Prozent anwachsen.» Bis Sonntag, 11 Uhr, haben die 6198 Stimmbürger Zeit für die Stimmabgabe.

Im Aktenschrank von Willisau liegen bereits die Couverts von rund 42 Prozent der 5647 Stimmberechtigten. «Normalerweise sind um diese Zeit jeweils erst halb so viele Unterlagen eingereicht», sagt Stadtschreiber Peter Kneubühler. «Da die grosse Masse in den letzten drei Tagen eintrifft, rechne ich mit einer Stimmbeteiligung von 60 Prozent.» Um 11.15 Uhr wird der Briefkasten ein letztes Mal geleert. 14 Stimmenzähler sind am Werk. «Im Notfall werden wir kurzfristig noch Verstärkung aufbieten.»

In Wauwil lag die Stimmbeteiligung gestern bei 51 Prozent. «Gegen das Wochenende dürfte dieser Wert noch leicht ansteigen», sagt Gemeindeschreiber Beat Rölli. Die 1207 Stimmberechtigten entscheiden am Sonntag zudem, wer neu ins Präsidium einzieht. «Ich glaube aber kaum, dass die Ersatzwahl zusätzlich mobilisiert.» Der Gemeindebriefkasten wird um 10.30 Uhr das letzte Mal geleert.

100 Couverts täglich

Der Wahlkreis Entlebuch wartet üblicherweise mit hohen Werten auf. «Wir rechnen mit einer Stimmbeteiligung von gegen 60 Prozent», sagt Pius Stadelmann, Gemeindeschreiber von Entlebuch (2495 Stimmberechtigte). Gestern lag die Beteiligung bei 34 Prozent. Stadelmann geht nicht davon aus, dass die gleichzeitige Gemeindeabstimmung zusätzliche Leute an die Urne lockt. «Der 1,39-Millionen-Sonderkredit für die Aussensanierung des Oberstufenschulhauses ist unumstritten.» Letzte Briefkastenleerung: 10.30 Uhr.

In Wolhusen treffen in diesen Tagen 100 Couverts täglich ein. «Gestern lag die Stimmbeteiligung bei 45 Prozent. Für die briefliche Stimmabgabe am Donnerstagmorgen ist dies ein guter Wert», sagt Gemeindeschreiber Iwan Fellmann. Er rechnet damit, dass bis zur letzten Leerung am Sonntag um 11 Uhr rund 55 Prozent der 2849 Stimmberechtigten abgestimmt haben.

Reges Interesse bei Auslandluzernern

Eine hohe Stimmbeteiligung zeichnet sich auch bei den im Ausland lebenden Luzernern ab: Gestern hatten bereits knapp 42 Prozent der 4288 registrierten ihre Stimme abgegeben – 763 per Briefpost, 1020 elektronisch. «Die Vorlagen scheinen auch im Ausland zu mobilisieren», sagt Kathrin Graber vom Amt für Gemeinden. Der Wert liegt damit rund 10 Prozent über dem Schnitt der Abstimmungen von 2015. Nicht erreicht werden dürften die Spitzenwerte früherer Jahre: Die Initiativen gegen die Masseneinwanderung und für die Ausschaffung lockten je 46 Prozent an die Urne.