LUZERN: Strafanzeige gegen Immobilienfirma

Eine Immobilienfirma verstösst mehrfach gegen Bauvorschriften. Nun hat sie sich eine Strafanzeige eingehandelt. Gleichzeitig profitiert sie durch Vermietungen an Flüchtlinge von Staatsgeldern.

Thomas Heer
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Im Parlament ist umstritten, wie lange der Bund für Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene aufkommen soll. Im Bild Asylsuchende im Empfangs- und Verfahrenszentrum Chiasso. (Archiv) (Bild: KEYSTONE/TI-PRESS/CARLO REGUZZI)

Im Parlament ist umstritten, wie lange der Bund für Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene aufkommen soll. Im Bild Asylsuchende im Empfangs- und Verfahrenszentrum Chiasso. (Archiv) (Bild: KEYSTONE/TI-PRESS/CARLO REGUZZI)

Thomas Heer

thomas.heer@luzernerzeitung.ch

Das mehrstöckige Haus befindet sich an bester Wohnlage im Stadtluzerner Bruchmattstrasse-Gebiet. Vom Gebäude, das zum Portefeuille der Krienser ADS Immobilien und Finanz GmbH gehört, ist derzeit jedoch kaum etwas zu sehen. Die Plastik­planen, welche die Fassade überdecken, deuten darauf hin, dass dieses Objekt im grossen Stil renoviert wird. Wie eine Nachfrage bei der Stadt zeigt, wurde die Bauerei 2016 initiiert, ohne dass dafür das notwendige Baugesuch vorlag. Dieses wurde erst später nachgereicht.

Die Baustelle als Ganzes hinterlässt den Eindruck eines Werkplatzes, auf dem Leute ihr Tagwerk verrichten, die nicht die feine Klinge führen, sondern in hemdsärmeliger Art und Weise ihrer Arbeit nachgehen. Das fügt sich in den nicht gerade professionellen Eindruck, den die Firma auch in Kriens hinterlassen hat. Dort besitzt die GmbH laut Grundbuch neun Liegenschaften. Doch zwischen der Gemeinde und der ADS herrscht ein gespanntes Verhältnis, weil auch dort Verstösse gegen das Baugesetz festgestellt wurden. Wie jetzt bekannt wurde, haben die Krienser Behörden am 29. März zuhanden der Staatsanwaltschaft sogar eine Strafanzeige gegen die ADS gestellt. Grund: Ungehorsam gegen eine amtliche Verfügung.

21 Unbekannte in einem Haus untergebracht

Abklärungen unserer Zeitung zeigen, dass Verstösse gegen das Baugesetz durch diese Firma schon mehrfach vorgekommen sind. Das belegt ein dritter Fall. Zum ADS-Imperium gehört nämlich auch eine Liegenschaft in Neuenkirch. Beim Umbaubeginn lag gemäss Jim Wolanin, Neuenkircher Sozialvorsteher, analog zur ADS-Liegenschaft in Luzern, keine Baubewilligung vor. Laut Wolanin ist der Umbau nach wie vor nicht legalisiert. Das entsprechende Verfahren laufe noch.

Ihre Liegenschaften vermietet die ADS unter anderem an anerkannte Flüchtlinge. Gemäss Sozialvorsteher Wolanin wohnen in der Liegenschaft in Neuenkirch derzeit zehn Eritreer. Der «Zentralschweiz am Sonntag» liegt eine Fotografie vor, die zeigt, dass am Haus an der Surseestrasse einst 21 Briefkästen montiert waren. Dieser Umstand sorgte in der Nachbarschaft für einige Verwunderung. Man fragte sich besorgt, wie in diesem kleinen Gebäude 21 Personen untergebracht werden können. «Als wir das bemerkten, haben wir von der Gemeinde aus sofort interveniert. Denn die an den Briefkästen aufgeführten Personen, waren bei uns gar nicht gemeldet», sagt Wolanin.

Angespannte Wohnungssituation

Auch ins Haus im Bruchquartier Luzern waren letztes Jahr neue Mieter eingezogen. Wie zwei Nachbarinnen unabhängig voneinander erzählen, handelte es sich dabei um «nette» Leute aus Eritrea. Der ADS-Inhaber bestätigt, dass damals eine Familie aus Eritrea im Haus wohnte. Wie viele Personen dort allerdings genau einquartiert waren, ist unklar: «Man wusste nie genau, wer jetzt dort eingezogen war. Es herrschte ein ständiges Kommen und Gehen», sagt die eine Nachbarin.

Eine bezahlbare Wohnung für anerkannte Flüchtlinge zu finden, ist in Anbetracht des angespannten Immobilienmarkts eine Herausforderung. Wurde deshalb eine zu grosse Zahl Flüchtlinge in der besagten Wohnung der Firma ADS untergebracht? Womöglich sogar durch die öffentliche Hand vermittelt? Silvia Bolliger, Leiterin der kantonalen Dienststelle Asyl- und Flüchtlingswesen, dementiert: «Wir vom Kanton hatten nie irgendwelche Beziehungen zur erwähnten Firma. Anerkannte Flüchtlinge können Mietverhältnisse in eigener Kompetenz eingehen.» Bolliger sagt weiter: «Auch wenn diese Flüchtlinge Sozialhilfe beziehen, dürfen sie unter Einhaltung der Mietzinsrichtlinien ihren Wohnort selber wählen.» Innerhalb eines gewissen Rahmens wird die Miete in diesen Fällen also vom Staat übernommen – was den Vermietern die Sicherheit gibt, das Geld zu bekommen, das sie verlangen. Die monatlichen Unterbringungskosten pro Flüchtling belaufen sich laut Bolliger im Durchschnitt auf 350 Franken. Für eine vierköpfige Familie macht das also total 1400 Franken. Für Wohnraum, der von einer einzelnen Person gemietet wird, fällt der Durchschnittsaufwand natürlich deutlich höher aus.

ADS-Chef betrachtet sich als Wohltäter

Der ADS-Inhaber und Gesellschafter kann nicht nachvollziehen, weshalb die Aktivitäten seiner Firma vielerorts auf so viel Skepsis stossen. Er sagt sinngemäss, bei den Liegenschaftskäufen handle es sich um ganz normale Investments, die eine gute Rendite abwerfen sollen. Zudem stelle seine Firma bezahlbaren Wohnraum für Leute zur Verfügung, die auf dem Markt sonst Schwierigkeiten hätten, ein Domizil zu finden.