LUZERN: Strasseninspektoren chauffieren Schwan Fridolin

Sich zu verirren – das kann auch dem stolzesten aller Seebewohner mal passieren. Dass sich ein Schwan jedoch geradezu regelmässig vom Strasseninspektorat nach Hause chauffieren lässt, ist eher ungewöhnlich. Fridolin aber hat es erblickt – er nimmt diesen Dienst immer wieder in Anspruch.

Drucken
Teilen
Mission erfüllt: Schwan Fridolin ist eingefangen und wird an die Reuss chauffiert. (Bild: pd)

Mission erfüllt: Schwan Fridolin ist eingefangen und wird an die Reuss chauffiert. (Bild: pd)

Zuletzt spazierte er letzten Mittwoch, nach einem Ausflug ins Industriegebiet im Ibach, in eine Halle der Anliker AG. Wohl wissend, dass er bald abgeholt werden würde, machte er es sich dort bequem. «Als wir eintrafen, erkannte der Schwan meinen Arbeitskollegen sofort», erzählt Franz Willmann, Mitarbeiter des städtischen Strasseninspektorats. Die beiden Männer wurden verständigt, um das Tier zurück in sein Gefilde zu bringen.

«Der Schwan watschelte sogleich auf uns zu und liess sich sogar streicheln», so Willmann. Fridolin und sein Kollege sind offenbar alte Bekannte. «Er hat den Schwan bereits mehrfach aufgegriffen, unter anderem auch schon beim Krematorium im Friedental. Ich vermute, dass das Tier  gerne hin und wieder mal auf Erkundungstour geht – ihm auf dem Rückweg aber die Puste ausgeht», schmunzelt Willmann. Und dann lasse er sich eben vom Strasseninspektorat abholen.

Fridolin ist handzahm

«Ich brauchte weder eine Kiste noch ein Netz, um ihn einzufangen. Es war erstaunlich», sagt Willmann, der zu Hause selber Gänse hat. Er habe erst befürchtet, dass der Schwan ihn beissen könnte. Doch Fridolin habe sich widerstandslos auf den Arm nehmen lassen.  Das handzahme Tier setzte sich auf Willmanns Schoss, während es sich im orangen Piaggio-Wägeli zurück an die Reuss kutschieren liess.

Fridolin weiss jeweils genau, wohin er will. «Je näher wir an die Reuss kamen, desto ungeduldiger wurde er.» Sobald die Türe offen war, habe er sich rausgestürzt und sei zu seinen Freunden geflogen.

Schwäne niemals selbst einfangen

«Wer einem Schwan auf Abwegen begegnet, sollte die zuständigen Behörden verständigen», empfiehlt Prisca Mattmann von der Vogelwarte Sempach. Auch wenn das Tier zutraulich ist, rät sie davon ab, es selber einzufangen. «Gerade in den Flügeln haben Schwäne viel Kraft. Die Profis müssen kräftig zupacken und die Tiere – wie ein Kleiderpaket – unter den Arm nehmen und zum Gewässer tragen».

Übrigens: Willmann ist nicht mit Fridolin auf dem Schoss gefahren, wie es das Bild vermuten lässt. Die Wagen des Strasseninspektorats werden rechts gesteuert – damit die Mitarbeiter nicht immer strassenseitig aussteigen müssen.

Lena Berger