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LUZERN: Strassenkehrer Heinz wird zur Statue

Ein Denkmal für einen Strassenkehrer: Heinz Gilli stand Modell für die über drei Meter hohe Statue, die bald auf dem Kreisel beim Kreuzstutz steht – ein schweizweit einmaliges Ereignis.
Thomas Heer
Heinz Gilli (links) im Gespräch mit Künstler Christoph Fischer im Foyer des Betagtenzentrums Eichhof. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Heinz Gilli (links) im Gespräch mit Künstler Christoph Fischer im Foyer des Betagtenzentrums Eichhof. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Thomas Heer

Man kennt es vom Ausland. Persönlichkeiten von nationaler Bedeutung erfahren eine Art von Würdigung, Königen gleich. Zu Ehren der Champions werden im öffentlichen Raum noch zu Lebzeiten Denkmäler errichtet. Dies durfte zum Beispiel Eusebio, Portugals Fussballstar aus den 1960er-Jahren, erfahren. Aber auch Paavo Nurmi, der finnische Wunderläufer, der in 1920er-Jahren bei Olympischen Spielen neun Goldmedaillen gewann. Heinz Gilli schoss weder Tore für die Nationalmannschaft noch ging er als Weltrekordbrecher in die Annalen ein. Zudem ist er Schweizer – und hierzulande ist Personenkult weitgehend ein Tabu. Trotzdem wird Gillis Abbild bald auf dem viel umfahrenen Kreisel am Kreuzstutz stehen – in Beton gegossen, 31/2 Meter hoch, geschaffen vom Luzerner Künstler und Illustrator Christoph Fischer.

Einfacher Arbeiter aus dem Quartier

Wie kommt es, dass ein Mann wie Gilli künftig einen derart prominenten Platz in der Stadt Luzern einnehmen wird – und dies in Wurfdistanz zur aus Sandstein gefertigten Christusstatue, die seit Jahrzehnten am Gütschhang thront?

Den Grundstein legte der Verein BaBeL (Basel-/Bernstrasse Luzern), der zwecks Neugestaltung dieses Verkehrsknotenpunktes 2009 einen Wettbewerb lancierte. Künstler Christoph Fischer bekam den Zuschlag. Keiner hat sich intensiver mit diesem Bauwerk auseinandergesetzt als Fischer. Bereits 2008 publizierte er das Buch «Teufelskreisel Kreuzstutz». Darin hielt der Zeichner in Skizzen persönliche Beobachtungen fest, die sich rund um diesen Kreisel abspielen, Tag und Nacht. Mit bester Sicht auf dieses Areal ist Fischers Atelier an der Bernstrasse 2 für solche Studien ideal gelegen. Während seiner Kontemplation entging ihm natürlich auch der Strassenkehrer Heinz Gilli nicht, der in Orange gewandet mit Besen, Schaufel und anderem Equipment für Unterhalt und Sauberkeit sorgte. In Fischer reifte allmählich der Gedanke, diesen Heinz Gilli für sein Kunstprojekt zu gewinnen. Fischer begründet das so: «Heinz steht stellvertretend für den einfachen Arbeiter aus dem Quartier, der wie ich das Leben um diesen Kreisel beobachtet hat.»

Trockener Humor zeichnet ihn aus

Gilli arbeitete während 15 Jahren in diesem Gebiet. Bei jedem Wetter ging er seiner Tätigkeit nach. Er erlebte viel: Interessantes, aber auch weniger Angenehmes. Zum Beispiel jenen Verkehrsunfall, bei dem ein Motorradlenker aufgrund einer Kollision unter ein Auto geriet und nur mit viel Glück überlebte.

Kam winters der Schnee, musste Gilli bereits kurz nach zwei Uhr morgens aus den Federn. Einen langen Arbeitsweg hatte Gilli nicht, wohnte er doch in einem Genossenschaftshaus im Reuss­insel-Quartier.

Sein geliebtes Heim, direkt am Wasser gelegen, vermisst der 73-Jährige noch heute. Denn seit zwei Jahren lebt der Rentner in einem Alters- und Pflegeheim. Seine Krankenakten dürften mittlerweile dicke Ordner füllen. Ein «Jommeri» ist Gilli deshalb aber noch lange nicht. Trockener Humor zählt zu seinen Charaktereigenschaften. Über einstige Hobbys befragt und ob allenfalls das Angeln dazugehöre, lacht er nur und meint: «Fische gehören ins Wasser.» Als Freizeitbeschäftigung nennt der Pensionär dann schliesslich «Rasenmähen».

Gilli auch im Film

Nicht nur seiner angeschlagenen Gesundheit wegen muss festgestellt werden: Heinz Gilli blickt auf ein beschwerliches Leben zurück. Nach der Schule hätte er gerne bei einem Automechaniker die Berufslehre absolviert. Die finanzielle Lage im Hause Gilli liess dies aber nicht zu. Also verdingte sich der junge Heinz bei einem Metallbauer für einen 80-Rappen-Stundenlohn. Später folgte eine Anstellung in einer Ziegelei. Danach gings zum Strasseninspektorat.

Ferien im Ausland? Ein einmaliges Erlebnis, Strandurlaub auf einem Campingplatz im italienischen Riccione an der Adria. In Vergangenem herumstochern mag Heinz Gilli aber eigentlich nicht. Lieber blickt er nach vorn. Und da steht ja die feierliche Einweihung seiner Statue bevor. Darauf freut er sich, speziell auch auf die musikalischen Einlagen. Am liebsten wären ihm Schlager, das träfe seinen Geschmack am besten.

Voraussichtlich – und das war beim Onlineportal «Zentral+» bereits diese Woche nachzulesen – steigt das Fest am 10. September. Ganz sicher aber ist bereits jetzt schon, dass Heinz Gilli nicht nur als Skulptur-Modell öffentliches Interesse wecken wird. Der ehemalige Strassenkehrer wird auch im 90-minütigen Dokumentarfilm von Regisseur Aldo Gugolz eine wichtige Rolle einnehmen. Der gebürtige Luzerner Gugolz, der den Film über die Baselstrasse zusammen mit der Theaterpädagogin Christina Caruso realisierte, hofft, dass er das Werk im Januar bei den Solothurner Filmtagen erstmals präsentieren kann.

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