LUZERN: Streit um Handyantennen wird zum Gerichtsfall

In Wohnquartieren soll es möglichst keine Handyantennen geben, fordert eine Initiative. Die Stadt bewilligt dennoch umstrittene Antennen.

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Immer öfter Grund für Einsprachen: Handyantennen. (Bild: Keystone)

Immer öfter Grund für Einsprachen: Handyantennen. (Bild: Keystone)

Um dem wachsenden Handykonsum gerecht zu werden, werden in der Region immer mehr Handyantennen gebaut oder aufgerüstet. Bei neuen Antennen ist der Aufschrei meist gross besonders dann, wenn sie mitten im Wohnquartier geplant sind. Einsprachen dafür sind in vielen Gemeinden die Regel. So auch in Kriens, wie Gemeindeammann Matthias Senn bestätigt (Ausgabe von gestern).

Besonders gross war der Aufschrei in der Stadt Luzern, als bekannt wurde, dass auf zwei Häusern der Liberalen Baugenossenschaft Seeburg neue Mobilfunkantennen geplant sind: eine in der Schädrütistrasse, die andere im Imfangquartier in der Nähe des Einkaufszentrums Schönbühl. Anwohner im Imfangquartier haben daraufhin eine Volksmotion lanciert. Darin forderten sie, dass Handyantennen nur dann in Wohnzonen gebaut werden dürfen, wenn es keine andere Möglichkeit gibt. Die Motion wurde vom Parlament im September 2014 abgelehnt. Daraufhin haben die Anwohner eine Volksinitiative mit dem gleichen Anliegen lanciert. Wann diese vors Volk kommt, ist gemäss Auskunft der Stadt Luzern noch offen.

Beschwerde eingereicht

Die Stadt hat dennoch die Baubewilligung für die beiden Handyantennen auf den Gebäuden der Baugenossenschaft erteilt. Darüber ärgert sich Markus Christen, einer der Initianten: «Es ist schade, dass die Stadt nicht einmal abwartet, bis ein Volksentscheid zur Initiative vorliegt.» Die Initianten haben nun beim kantonalen Verwaltungsgericht eine Beschwerde gegen die geplanten Handyantennen eingereicht. Sie ist noch hängig.

Walter Lingg, Vizepräsident der Liberalen Baugenossenschaft Seeburg, bestätigt: «Es ist richtig, dass bei unseren beiden Häusern Handyantennen gebaut werden sollen.» Dass das Vorhaben auf derart grossen Widerstand stösst, hätte die Genossenschaft nicht erwartet, sagt Lingg. «Wenn wir gewusst hätten, was es auslöst, hätten wir uns vielleicht anders entschieden.» Sunrise sei an die Baugenossenschaft herangetreten, da die Gebäude für Handyantennen ideal gelegen seien. «Daraufhin haben wir einen Vertrag abgeschlossen.» Nun wieder aus dem Vertrag auszusteigen, sei schwierig, sagt Lingg: «Dann müssten wir viel Geld bezahlen.»

Einnahmen dank Antennen

Mit dem Entscheid, auf beiden Häusern den Bau einer Handyantenne zu ermöglichen, habe man niemanden verärgern wollen, sagt Lingg. Im Gegenteil: «Wir wollten etwas Gutes tun. Schliesslich brauchen alle Leute Handyempfang.» Doch auch für die Genossenschaft gibt es Vorteile, gesteht Lingg ein: «Die Handyantenne gibt auch ein bisschen Geld.» Dieses werde nicht in Form einer Mietzinsreduktion an die Mieter weitergegeben. Das Geld werde aber für fällige Sanierungen der Häuser investiert. Diese seien bei den Wohngebäuden nötig geworden. Die Mieter seien selbstverständlich über den Bau der Handyantennen informiert worden. Einige der Mieter zählen übrigens auch zu den Initianten.

«Besser Solar- anlage bauen»

Markus Christen, Mitinitiant der Handyantennen-Initiative, sagt zum Vorgehen der Genossenschaft: «Wenn sie etwas Gutes tun will, dann soll sie besser eine Solaranlage als eine Handyantenne auf dem Dach bauen.» Die Initianten hätten bereits mehrfach versucht, mit der Liberalen Baugenossenschaft Kontakt aufzunehmen: Ohne Erfolg. «Die Genossenschaft verweigert den Kontakt», sagt Christen.

Wie speziell ist es, dass Baugenossenschaften mit den Telekomfirmen Verträge für den Bau von Handyantennen abschliessen? Sunrise-Mediensprecher Roger Schaller sagt: «Neben Privaten machen auch Gemeinden und Baugenossenschaften Verträge mit uns. Deshalb ist das nichts Aussergewöhnliches.» Zur laufenden Initiative sagt er: «Diese Idee, Handyantennen nicht in Wohnzonen zu installieren, widerspricht in vielen Fällen dem Grundsatz, dass Antennen dort stehen müssen, wo die mobile Kommunikation am meisten genutzt wird also auch in der Wohnzone.»

Bruno Koch, Geschäftsführer der grössten Wohnbaugenossenschaft der Stadt, der Allgemeinen Baugenossenschaft Luzern (ABL), sagt auf Anfrage: «Wir haben auf unseren Häusern keine Handyantennen.» Doch auch die ABL sei schon mehrfach von Mobilfunk­anbietern angefragt worden. «Klar könnten wir damit Geld verdienen. Es gibt aber andere Standorte für Antennen, die besser geeignet sind als Wohnhäuser.»

Raphael Gutzwiller