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LUZERN: Studenten sehen Uni in Gefahr

Die neue Wirtschaftsfakultät wird von Firmen, Stiftungen und privaten Gönnern finanziert. Das gefährde die Freiheit von Forschung und Lehre, meint ein nationaler Verband.
Christian Peter Meier
Studenten in einer Vorlesung an der Universität Luzern. (Bild Pius Amrein)

Studenten in einer Vorlesung an der Universität Luzern. (Bild Pius Amrein)

Christian Peter Meier

4,09 Millionen Franken. So viel privates Geld hat Paul Richli, Rektor der Universität Luzern, für die neue Wirtschaftsfakultät aufgetrieben. Diese ist damit startklar – denn Voraussetzung für den Aufbau des neuen Studienzweigs war explizit eine Finanzierung ohne zusätzliche Mittel des Kantons (Ausgabe von gestern).

Dass Unternehmen, Stiftungen und private Donatoren die neue Fakultät alimentieren, kommt allerdings nicht überall gut an. Diese «Drittmittelfinanzierung führt zu Interessenkonflikten und gefährdet die Freiheit von Forschung und Lehre», glaubt der Verband der Schweizer Studierendenschaften (VSS). Er nimmt für sich in Anspruch, studentische Anliegen landesweit zu vertreten – ausgerechnet die Studierendenorganisation Luzern (SOL) ist allerdings nicht Mitglied des Verbandes.

«Verantwortung übernehmen»

In einer Mitteilung fordert der VSS, dass die Hochschulen in erster Linie durch die öffentliche Hand finanziert werden sollen. «Die Motive von privaten Geldgebern stimmen häufig nicht mit dem demokratisch legitimierten Auftrag der Hochschulen überein», schreibt der Verband. Auch Philanthropen und Stiftungen verfolgten ideelle, zum Teil aber auch materielle Interessen, die nicht mit dem öffentlichen Interesse übereinstimmten. «Deshalb muss der Kanton Luzern langfristig für den von ihm beschlossenen Ausbau der Universität Verantwortung übernehmen und ihr ausreichend Mittel zuweisen.»

Der VSS verlangt überdies grössere Transparenz: «Die derzeitige Regelung, dass Drittmittel erst ab einer Höhe von 500 000 Franken offengelegt werden müssen, ist unzureichend», sagt Vorstandsmitglied Josef Stocker. «Schon weit kleinere Beträge können dazu führen, dass die Unabhängigkeit der Universität gefährdet wird.» Deshalb seien alle Drittmittel, deren Herkunft sowie die Bedingungen, unter denen sie vergeben wurden, offenzulegen. Schliesslich habe die Universität ein Gremium zu bilden, «welches unter Mitwirkung der Studierenden die Drittmittelprozesse der Hochschule kontrolliert».

Richli: «Fahrlässig»

Rektor Paul Richli hält die Reaktion des VSS für «fahrlässig». «Man hat weder mit uns Kontakt aufgenommen, noch unsere Medienmitteilung richtig gelesen», ärgert er sich. Es sei eben gerade nicht so, dass die Wirtschaftsfakultät langfristig fremdes Geld brauche. «Unser Ziel ist es, in vier Jahren Überschüsse zu erzielen», so Richli. Drittmittel seien zur Anschubfinanzierung zwar zwingend, aber eben nicht dauerhaft notwendig. «Wir brauchen das Geld, weil wir im ersten Jahr bloss einen Jahrgang unterrichten, im zweiten dann zwei und so weiter. Erst im fünften Jahr werden wir die angestrebte Zahl von rund 600 Studierenden beisammen haben.» Richli ist mit Blick auf das bisherige Interesse am Studiengang davon überzeugt, diesen Richtwert auch zu erreichen. Er verweist zum Vergleich auf die rechtswissenschaftliche Fakultät, welche rund 1300 Studenten zählt. Die ebenfalls vom VSS formulierte Befürchtung, dass die Wirtschaftsfakultät Mittel auf Kosten der anderen Uni-Bereiche beanspruchen könnte, sei darum unbegründet.

Richli unterstützt zwar das grundsätzliche Ansinnen, die universitäre Lehre und Forschung frei von Einflüssen Dritter zu halten. Das sei im aktuellen Fall trotz der privaten Startfinanzierung gewährleistet. «Die meisten Zahlungen wurden an keine Bedingungen geknüpft.» Tatsächlich habe er auch hohe Beträge abgelehnt. «Etwa weil sie Professuren betroffen hätten, die wir gar nicht führen wollen, zum Beispiel im Bereich Banking.»

Zur Forderung nach restloser Transparenz sagt Richli: «Ich kann dies nicht erfüllen, die Rechtslage verbietet es mir.» Doch hätten sich die meisten Donatoren auch kleinerer Beträge auf freiwilliger Basis ja schon bereit erklärt, dass man sie benennt. Richli wendet sich schliesslich auch gegen die Forderung nach einem weiteren Kontrollgremium: «Wir haben bereits den Universitätsrat, der als Aufsichtsorgan die Mittelverwendung überprüft.»

Glaubwürdigkeit kann leiden

Verständnis für die Positionen des VSS hat dagegen Markus Müller, Professor für Staats- und Verwaltungsrecht an der Uni Bern. Müller hat sich schon mehrfach kritisch zur privatwirtschaftlichen Finanzierung von Lehrstühlen geäussert. Eine solche ist in Luzern zwar nicht vorgesehen. Doch auch bei der Startfinanzierung der Fakultät durch Private bestehe die Gefahr, «dass die Glaubwürdigkeit der Universität als unabhängige Forschungs- und Lehrstätte in Mitleidenschaft gerät» – erst recht, wenn keine vollständige Transparenz herrsche. «Ist dies einmal geschehen, lässt sich dieser Makel so rasch nicht wieder ausmerzen.»

Und die Studierendenorganisation Luzern? Gestern äusserte sie sich nicht zur Thematik. Vor zwei Jahren allerdings sagte die SOL zum Universitätsgesetz – und damit auch zum Konzept der privaten Anschubfinanzierung – Ja.

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