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Luzern sucht seine Stadt-Igel

Seit Mai wird das Vorkommen von Igeln in der Stadt Luzern systematisch untersucht. Dabei kommen auch Wildtierkameras zum Einsatz. Nun liegen erste Resultate vor.
David von Moos
Ein Igel im Siedlungsraum. (Bild: PD/Fabio Bontadina/stadtwildtiere.ch))

Ein Igel im Siedlungsraum. (Bild: PD/Fabio Bontadina/stadtwildtiere.ch))

Untersuchungen aus anderen Städten zeigen, dass heute weit weniger Igel unterwegs sind, als noch vor zwanzig Jahren (wir berichteten). Wie es um das stachlige Tier in der Stadt Luzern steht, war bisher jedoch nicht bekannt, weil aussagekräftige Daten fehlten.

Erste systematische Untersuchung

Spurentunnel mit Igelspur der Aktion «Igel gesucht». (Bild: PD/Timia Sanchez-Alcocer/stadtwildtiere.ch))

Spurentunnel mit Igelspur der Aktion «Igel gesucht». (Bild: PD/Timia Sanchez-Alcocer/stadtwildtiere.ch))

Mit der Aktion «Igel gesucht» wird das Vorkommen von Igeln in der Stadt Luzern nun erstmals systematisch untersucht, wie die Stadtverwaltung am Donnerstag mitteilte. Dazu werden seit Mai in Zusammenarbeit mit der Bevölkerung sogenannte Spurentunnels in Privatgärten sowie auf öffentlichen Grünflächen aufgestellt. Diese sind mit Farb- und Papierstreifen ausgerüstet. Mithilfe von speziellen Ködern werden die stacheligen Tiere angelockt. Geht ein Igel durch einen solchen Tunnel, hinterlässt er seine Pfotenabdrücke. So wird sichtbar, wo Igel nachts bei uns unterwegs sind.

Zudem ist die Bevölkerung dazu aufgerufen, Igelbeobachtungen auf der Plattform www.luzern.stadtwildtiere.ch zu melden. Um an Daten zu gelangen, stellt die Stadt sogar spezielle Wildtierkameras zur Verfügung (siehe Box).

Fotofallen ausleihen

Einen Grossteil der Wildtiere, die mit uns im Siedlungsgebiet leben, nehmen wir kaum wahr. Meist sind sie sehr scheu, oft nachtaktiv und wahre Meister darin, sich unbemerkt durch die Stadt zu bewegen. Wildtierkameras stellen eine tolle Möglichkeit dar, mehr über die Tiere zu erfahren, die in unseren Gärten ein und aus gehen, auf dem Balkon heimlich Samen stibitzen oder im Gebüsch neben der Haustüre unbemerkt ein Schläfchen halten. Die Kameras können schnell montiert werden und liefern, durch Bewegungssensoren ausgelöst, Bilder von unseren heimlichen Nachbarn. Die Stadt Luzern stellt der Bevölkerung gratis Wildtierkameras zur Verfügung. Interessierte melden sich unter luzern@stadtwildtiere.ch oder Telefon 079 883 14 28. (red)

Erste Stadtigel entdeckt

Gemäss der Stadt sind bereits 80 Meldungen eingegangen. Diese Resultate würden zeigen, dass der Igel in Luzern vielerorts noch vorkomme. Viele der Nachweise stammten aus den Quartieren Wesemlin und Maihof, wie Stephie Burkart, Projektleiterin Natur- und Landschaftsschutz der Stadt Luzern, auf Anfrage unserer Zeitung sagt. Auch im Biregg- und Sternmatt-Quartier sei der Igel gesichtet worden. «Das gibt uns einen wichtigen Anhaltspunkt, wo der Igel sich wohlzufühlen scheint», betont Burkart. Für abschliessende Aussagen sei es aber noch zu früh.

Mittels Spurentunnel werden laut der Stadtverwaltung noch bis Ende August Daten gesammelt. Ende September soll dann die ganze Igel-Aktion abgeschlossen und ausgewertet werden. Bis dahin zähle man weiterhin auf aufmerksame Luzernerinnen und Luzerner, die ihre Igelbeobachtungen melden.

Spurenblatt mit Igelspur der Aktion «Igel gesucht». (Bild: PD/stadtwildtiere.ch)

Spurenblatt mit Igelspur der Aktion «Igel gesucht». (Bild: PD/stadtwildtiere.ch)

Heimlicher Nachbar

«Allerdings sind Igel nicht einfach zu entdecken», betont Stephie Burkart. Es handle sich um einen «heimlichen Nachbarn», der sich nur wenig bemerkbar mache. Am aussichtsreichsten seien Beobachtungen in Quartieren mit naturnahen Garten- und Grünräumen. «Dann braucht es neben etwas Geduld vor allem Glück. Der Igel ist ein dämmerungs- und nachtaktives Tier. Gelegentlich macht er aber durch Schnauben, Schmatzen oder Rascheln auf sich aufmerksam.»

In der Innenstadt ist eine Beobachtung von Igeln laut Burkart aber ausgeschlossen. «Im dichten Stadtzentrum fehlt ihm dazu schlicht der Lebensraum. Zubetonierte oder asphaltierte Flächen sind dem Igel ein Graus.»

Schweizweites Projekt

«StadtWildTiere» ist ein schweizweites Projekt, an dem sechs Städte mit unterschiedlichen Trägerorganisationen beteiligt sind. In Luzern wird das Projekt im Rahmen von «Luzern grünt» durchgeführt. Für die lokale Aktion «Igel gesucht» wurden von der Vorbereitung über die Feldarbeiten bis zur Auswertung gesamthaft 30'000 Franken budgetiert. Die Hälfte der Kosten wird von der Albert Koechlin Stiftung getragen. Weitere Unterstützung gibt es vom Naturmuseum, von Pro Natura Luzern, dem WWF Luzern und der Ornithologischen Gesellschaft Luzern. (red)

Nützlicher Sympathieträger

Dass für die Untersuchung der Wildtiere in der Stadt Luzern der Fokus auf den Igel gelegt wurde, sei kein Zufall, so Projektleiterin Burkart weiter. «Der Igel ist ein Tier, dass in der breiten Bevölkerung viele Sympathien geniesst, was das Monitoring einfacher macht.» Mit seinem kleinen Kopf und den grossen Runden Knopfaugen sei der Igel einfach «ein herziges Tier». Ausserdem handle es sich um einen Nützling: Igel würden zum Beispiel Schnecken und andere Tiere fressen, die Hobbygärtnern lästig werden können.

Der Igel sei in dicht besiedelten Gebieten allerdings selbst unter Druck, sagt Burkart. «Mit einer Verbreitungskarte der Stadt Luzern sehen wir, wo und wie der Igel unterstützt werden kann. Und natürlich möchten wir die Bevölkerung zu einer naturnahen Gartengestaltung motivieren.» Der Igel komme nämlich nur dort vor, wo die Gärten naturnah seien, wo es viele natürliche Strukturen wie beispielsweise einheimische Pflanzen, Hecken, Gebüsche, Ast- und Laubhaufen habe. «Zudem ist es wichtig, dass es möglichst wenig Hindernisse, wie Stützmauern und Zäune oder andere Fallen gibt, welche die Bewegungsfreiheit des Igels einschränken.»

«Der Igel ist ein guter Indikator für intakte und gut vernetzte Grünräume. Wo sich der Igel wohlfühlt, leben auch andere Tiere wie zum Beispiel Insekten und Vögel», sagt Stephie Burkart zu den Gründen der Erhebung. «Wer den Igel fördert, trägt auch zu mehr Artenvielfalt und zu mehr Natur in der Stadt bei.» Letztlich profitierten die Menschen durch eine höhere Lebensqualität.

Weitere Informationen: Auf der Webseite www.luzern.stadtwildtiere.ch kann auch abgefragt werden, wo bereits Beobachtungen von Igeln gemacht worden sind und wie man seinen Garten oder die Umgebung der Siedlung igelfreundlich gestalten kann. Dazu kann auch das Beratungsangebot von «Luzern grünt» in Anspruch genommen werden.

Igel-Rundgang für Interessierte

Wer einen Igel-Experten auf seinem Spurentunnel-Kontrollgang begleiten und mehr über die Wildtiere in der Stadt erfahren will, hat am Dienstag, 21. August, Gelegenheit dazu. Der Abendspaziergang beginnt bei der Bushaltestelle Kloster (Wesemlin; Buslinie 7) und dauert von 18.30 bis 20 Uhr.

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