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LUZERN SÜD: «Es ist wichtig, grossräumig zu planen»

Kriens, Horw und die Stadt Luzern wollen das Boom-Gebiet beleben. Soziologin Colette Peter sagt, was es dafür braucht – und warum es gut ist, wenn sich Leute am Begriff «Luzern Süd» stören.
Stefan Dähler
Die Soziologin Colette Peter beim Bahnhof Kriens Mattenhof. Sie sagt: «Es ist wichtig, grossräumig zu planen.» (Bild: Nadia Schärli (Kriens, 5. Januar 2018))

Die Soziologin Colette Peter beim Bahnhof Kriens Mattenhof. Sie sagt: «Es ist wichtig, grossräumig zu planen.» (Bild: Nadia Schärli (Kriens, 5. Januar 2018))

Interview: Stefan Dähler

stefan.daehler@luzernerzeitung.ch

Im Gebiet Luzern Süd schiessen die Neubauten in die Höhe. Auf ehemaligem Sumpfland entstehen in den nächsten 20 Jahren rund 10'000 bis 15'000 Wohn- und Arbeitsplätze. Doch wie soll dieser neue Stadtteil zwischen Luzern, Kriens und Horw belebt werden? Welche Bedürfnisse wie Kitas, Schulräume oder Vereinslokale gibt es? Um diese Fragen zu klären, organisieren die drei Gemeinwesen in Zusammenarbeit mit der Hochschule Luzern im März einen Workshop mit Quartiervereinen, Kirchgemeinden, Altersorganisationen oder Jugendarbeitern (Ausgabe vom 4. Januar) . Daran beteiligt ist auch Soziologin Colette Peter (61).

Colette Peter, die Bautätigkeit in Luzern Süd stösst in der Bevölkerung auf Skepsis. Wie kann man das ändern?

Wichtig ist, die Leute einzubeziehen. Wenn sie das Gebiet mitgestalten können und es dazu Spielraum gibt, sehen sie die Chancen der anstehenden Veränderungen. Solch ein Prozess schafft Identifikation. Ich bin daher froh, dass die Gemeinden die Notwendigkeit einer sozialräumlichen Betrachtung erkannt haben und der Workshop zu Stande kommt, denn die Planung ist komplex.

Wieso?

Mit den Gemeinden Kriens und Horw sowie der Stadt Luzern sind drei Kommunen beteiligt. Das ist anspruchsvoll, man muss sich finden, denn die jeweiligen Behörden denken vorerst gemeindebezogen. Daher ist es wichtig, dass Luzern Süd zusammen mit dem Gebietsmanagement entwickelt und koordiniert wird.

Was erhoffen Sie sich vom Workshop?

Bisher haben wir Analysen von Fachleuten wie Architekten, Raum- und Verkehrsplanern. Nun wollen wir das lokale Wissen nutzen, welches das Wissen der Experten ergänzt, und von den Leuten hören, was es für ein gut funktionierendes Quartier braucht. Es geht um Schulwege, die Mobilität älterer Leute, Treffpunkte, Vereinslokale oder Sportplätze. Aus den Gesprächen ergeben sich dann Themenschwerpunkte, die weiterverfolgt werden müssen. Die Hochschule Luzern empfiehlt darum nach dem Workshop zuhanden der Gemeinden Handlungsfelder.

Diese sind für die Behörden nicht bindend. Besteht die Gefahr, dass die Ideen auf dem Schreibtisch Staub ansetzen?

Vertreter der Verwaltungen und der Exekutiven nehmen ebenfalls am Workshop teil, durch den direkten Dialog mit der Bevölkerung entsteht erfahrungsgemäss eine gewisse Verbindlichkeit. Man kann auch gleich vor Ort Erwartungen, die unrealistisch sind, dämpfen. Aber klar, am Ende entscheiden die Gemeinden – und die Investoren.

Wie binden Sie Letztere ein?

Einzelne Investoren sind ebenfalls an den Workshop eingeladen. Ein Resultat des Workshops könnte sein, dass die Investoren einen kleinen Fonds schaffen, mit dem engagierte Bewohner beispielsweise Spielflächen oder Gemeinschaftsräume mitgestalten können. Von allein kommt das aber nicht, man muss einen Anstoss geben. Doch auch Investoren sind an einem attraktiven Lebensraum interessiert.

Einige Bauten wie jene im Nidfeld oder das Anliker- Projekt am Mattenhof-Kreisel sind aufgrund ihrer Lage an lärmigen Strassen so konzipiert, dass sie die Umgebung ausblenden und sich nach innen orientieren. Ist so ein zusammenhängendes Quartier überhaupt möglich?

Durchmischtes Wohnen mag im Trend sein, man darf es damit aber nicht übertreiben. Es gibt auch das Bedürfnis, unter seinesgleichen zu bleiben, das muss man von Fall zu Fall betrachten. Einige abgeschottete Bauten verträgt es durchaus, die gibt es ja auch in anderen Quartieren. Wichtig ist, dass die Leute wissen, welche Räume öffentlich und welche privat sind, sonst kommt es zu Konflikten.

Hat Luzern Süd das Potenzial für einen lebhaften Ort?

Ja, aber bis dahin braucht es Zeit, und es hängt auch von den politischen sowie finanziellen Rahmenbedingungen ab. Es wird zudem wohl nicht einfach, alle Wohnungen zu füllen.

Was braucht es konkret?

Die Gemeinden müssen die gemeinsame Arbeit weiterführen und sich an das gemeinsame Entwicklungskonzept halten. Dafür ist ein gewisses Stehvermögen gegenüber den Investoren nötig, sonst entsteht ein Wildwuchs. Wichtig ist, dass die vorgesehenen Bauhöhen eingehalten werden, dass es öffentliche Nutzungen wie Spielplätze gibt oder dass in den Erdgeschossen Gewerbe Platz hat, obwohl Wohnungen rentabler wären.

Wo sehen Sie die Kerngebiete von Luzern Süd?

Wichtig sind sicher die Umgebung des Bahnhofs Mattenhof mit der Sportarena, Verbindungen wie die Süd-Allee oder die Langsamverkehrsachse auf dem alten Zentralbahn-Trassee sowie das Gebiet Horw mit Horw Mitte und dem Campus/See.

Viele Horwer haben aber Mühe, wenn Projekte wie «Horw Mitte» oder «Campus» als Teile von Luzern Süd bezeichnet werden.

Die Leute müssen sich auch nicht als «Luzern-Südler» verstehen. Das ist lediglich ein Planungsname, wie das Gebiet oder die einzelnen Gebiete später genannt werden, wird sich zeigen. Es ist sicher wichtig, grossräumig zu planen. Das Bedürfnis nach lokaler Zugehörigkeit besteht aber weiter, und das ist auch gut so – dann engagiert man sich auch in seiner Umgebung und trägt zu einem Wohnort bei, in dem es sich gut leben lässt. Luzern Süd muss auch nicht unbedingt zu einem neuen urbanen Zentrum werden. Wichtig ist viel eher, dass attraktive Quartiere entstehen, in denen gerne gearbeitet und gelebt wird.

Zur Person

Die ausgebildete Soziologin Colette Peter (61) leitete bis zu ihrer Pension im vergangenen Herbst das Institut für soziokulturelle Entwicklung der Hochschule Luzern. Sie ist Mitglied der Steuerungsgruppe Luzern Süd, einer Unterorganisation des regionalen Entwicklungsträgers Luzern Plus.

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