LUZERN: SVP nur in jeder fünften Gemeinde die Nummer 1

Bei den Kantonsratswahlen 2015 schmolz der Vorsprung der CVP auf die SVP weiter stark. In den einzelnen Gemeinden zeigt sich ein ganz anderes Bild.

Lukas Nussbaumer
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Bild: Grafik Neue LZ

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Lukas Nussbaumer

Bei den Nationalratswahlen vom 18. Oktober 2015 stieg die SVP erstmals zur wählerstärksten Luzerner Partei auf. Sie überflügelte die CVP deutlich und erreichte einen Wähleranteil von 28,2 Prozent. Die jahrzehntelange Nummer 1, die CVP, kam nur auf 23,9 Prozent – und musste froh sein, den dritten Sitz im Nationalrat verteidigt zu haben.

Das gleiche Bild zeigte sich ein halbes Jahr früher bei den Kantonsratswahlen vom 29. März. Damals verringerte sich der Abstand zwischen CVP und SVP auf 6,8 Prozent. Die CVP büsste ein Kantonsratsmandat ein und besetzt seither noch 38 Sitze, die SVP gewann zwei und hält jetzt 29 Mandate.

So stark die SVP ihren Rückstand bei Parlamentswahlen auf die CVP aufholt, so dominant sind die Christdemokraten in den Gemeinden. Aktuell hält die CVP nämlich 191 der 395 Exekutivsitze, die SVP gerade einmal deren 24. Die FDP, bei Parlamentswahlen seit 2011 nur noch die Nummer 3 der Luzerner Parteien, kommt auf 111 Mandate.

CVP-Anteil «nicht mehr zeitgemäss»

Diese Rangliste – die SVP nur auf Platz 3 – will Parteipräsident Franz Grüter am 1. Mai ändern. Dass die CVP immer noch fast 50 Prozent der Exekutivsitze halte, sei «nicht mehr zeitgemäss», findet Grüter (Ausgabe vom Samstag). Ziel der SVP ist es denn auch, 20 zusätzliche Sitze zu gewinnen. Kampfwahlen gibt es in 26 der 83 Gemeinden.

Würde die SVP dies schaffen, läge sie noch immer weit hinter CVP und FDP zurück. Ein Blick in die jüngst von Lustat Statistik Luzern veröffentlichte Auswertung zeigt, warum: Bei den Kantonsratswahlen vor einem Jahr konnte die SVP in den Wahlkreisen – diese sind entscheidend für die Sitzverteilung – zwar deutlich zulegen. Betrachtet man die Resultate in den einzelnen Gemeinden, wird die Dominanz der CVP in den Gemeinderäten schnell klar. In 59 von 83 Gemeinden war die CVP wählerstärkste Partei, die SVP nur in 16 Gemeinden (siehe Karte). Besonders stark ist die CVP in den Wahlkreisen Entlebuch und Willisau. Ausser in Nebikon und Wikon ist sie in allen Gemeinden Platzhirsch. Kantonsweit am dominantesten ist die CVP in Luthern, wo sie einen Wähleranteil von 69,8 Prozent aufweist.

CVP: Ortsparteien sollen es richten

«Wir halten weiterhin 191 von 395 möglichen Sitzen»: Diesen Satz will CVP-Präsident Pirmin Jung am Abend des 1. Mai trotz SVP-Angriffen in 20 Gemeinden aussprechen können, wie er auf Anfrage sagt. Für das Erreichen dieses hoch gesteckten Ziels sollen engagierte Ortsparteien und Kandidaten sorgen. Exakt ihnen sei es zu verdanken, dass die CVP in den Wahlkreisen Willisau und Entlebuch derart stark ist, glaubt Jung.

Hält SVP bald jedes vierte Mandat?

Die Stärke der Ortsparteien macht den Unterschied aus, gibt SVP-Präsident Franz Grüter seinem Amtskollegen von der CVP Recht. An diesem Punkt will Grüter denn auch anknüpfen. «Die CVP hatte 175 Jahre Zeit, Ortsparteien zu gründen. Wir sind im Kanton Luzern erst seit 1992 präsent. Bis wir so etabliert sind wie die CVP, dauert es mindestens eine Generation.» In acht Jahren, setzt sich Grüter zum Ziel, wolle die SVP jedes vierte Gemeinderatsmandat besetzen. Das entspricht gegenüber der aktuellen Stärke einer Vervierfachung.

Besonders schwierig wird es für die SVP im Wahlkreis Willisau, ist sich Grüter bewusst: «Die CVP glaubt immer noch, sie habe in diesem Wahlkreis die Alleinherrschaft. Wir brauchen Zeit, um für ein Umdenken zu sorgen.» Neben Wikon, wo die SVP bereits stärkste Kraft ist, könnte die Volkspartei demnächst auch in Fischbach und Reiden zur Nummer 1 aufsteigen.

Die Ausnahmen von der Regel

nus. Je ländlicher die Gegend, desto stärker die CVP und desto schwächer die Linke, inklusive Grünliberale. Das ist die Kurzzusammenfassung der Ergebnisse der Kantonsratswahlen von 2015. Es gibt allerdings Ausnahmen. So sind die Grünen in der Mini-Gemeinde Altwis mit einem Wähleranteil von 9,8 Prozent fast gleich stark wie die FDP mit 11,5 Prozent. Den Freisinnigen nahe kommt auch die SP – in Geuensee und Mauensee. InWikon, wo die SVP 2015 den grössten Wähleranteil holte, ist die SP mit einer Stärke von 17,7 Prozent gar stärker als die FDP mit 17,2 Prozent. Die Wikoner SP hält denn auch zwei der fünf Gemeinderatssitze, die FDP keinen. Es gibt auch Gemeinden, wo die Gleichung «je ländlicher, desto stärker die CVP» nicht zutrifft. SoMeierskappel, wo die SVP mit einem Anteil von 46,5 Prozent beinahe drei Mal stärker ist als die CVP (16,2 Prozent). Oder Schenkon und Eich, wo die SVP 2015 besser abschnitt als die CVP. Stärker als die CVP ist die SVP auch in den Seegemeinden Greppen, Weggis und Vitznau.

Bild: Tabelle Neue LZ

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