LUZERN: Täter flüchtig – Polizei tappt im Dunkeln

Die Polizei hat Kleider der Räuber gefunden, die ein Uhrengeschäft überfallen haben. Laut Experten ziehen die Täter im Auftrag einer osteuropäischen Organisation durch Europa.

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Die Polizei sucht fieberhaft nach diesen Männern. Sie hatten sich nach dem Überfall umgezogen. (Bild: Luzerner Polizei)

Die Polizei sucht fieberhaft nach diesen Männern. Sie hatten sich nach dem Überfall umgezogen. (Bild: Luzerner Polizei)

Diese Bilderreihen lieferte die Polizei nach: Die Täter vor, während und nach der Tat. Sie haben für die Flucht die Kleider gewechselt. (Bild: Luzerner Polizei)
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Diese Bilderreihen lieferte die Polizei nach: Die Täter vor, während und nach der Tat. Sie haben für die Flucht die Kleider gewechselt. (Bild: Luzerner Polizei)
Diese Bilderreihen lieferte die Polizei nach: Die Täter vor, während und nach der Tat. Sie haben für die Flucht die Kleider gewechselt. (Bild: Luzerner Polizei)
Diese Bilderreihen lieferte die Polizei nach: Die Täter vor, während und nach der Tat. Sie haben für die Flucht die Kleider gewechselt. (Bild: Luzerner Polizei)
Überfall auf Jaeger leCoultre Fahndungsbilder Grendelstrasse 11 (Bild: Luzerner Polizei)
Überfall auf Jaeger leCoultre Fahndungsbilder Grendelstrasse 11 (Bild: Luzerner Polizei)
Überfall auf Jaeger leCoultre Fahndungsbilder Grendelstrasse 11 (Bild: Luzerner Polizei)
Überfall auf Jaeger leCoultre Fahndungsbilder Grendelstrasse 11 (Bild: Luzerner Polizei)
Überfall auf Jaeger leCoultre Fahndungsbilder Grendelstrasse 11 (Bild: Luzerner Polizei)
Überfall auf Jaeger leCoultre Fahndungsbilder Grendelstrasse 11 (Bild: Luzerner Polizei)
Überfall auf Jaeger leCoultre Fahndungsbilder Grendelstrasse 11 (Bild: Luzerner Polizei)
Überfall auf Jaeger leCoultre Fahndungsbilder Grendelstrasse 11 (Bild: Luzerner Polizei)
Überfall auf Jaeger leCoultre Fahndungsbilder Grendelstrasse 11 (Bild: Luzerner Polizei)
Überfall auf Jaeger leCoultre Fahndungsbilder Grendelstrasse 11 (Bild: Luzerner Polizei)
Überfall auf Jaeger leCoultre Fahndungsbilder Grendelstrasse 11 (Bild: Luzerner Polizei)
Überfall auf Jaeger leCoultre Fahndungsbilder Grendelstrasse 11 (Bild: Luzerner Polizei)
Die abgesperrte Uhrenboutique Jaeger leCoultre am Grendel in Luzern. (Bild: Stefanie Nopper / Neue LZ)
Die geschlossene und überfallene Uhrenboutique Jaeger leCoultre in Luzern. (Bild: Keystone/ANTHONY ANEX)
Polizeifahrzeuge und Ambulanz stehen am Tatort. (Bild: Stefanie Nopper / Neue LZ)
Auf dem Schwanenplatz steht ein zweites Ambulanzfahrzeug bereit. (Bild: Stefanie Nopper / Neue LZ)
Die Arbeiten zur Sicherung des Tatorts lockt Zuschauer – und Medienleute – an. (Bild: Stefanie Nopper / Neue LZ)
Die geschlossene und überfallene Uhrenboutique Jaeger leCoultre in Luzern. (Bild: Keystone/ANTHONY ANEX)
Ein Passant vor der geschlossenen und ueberfallenen Uhrenboutique Jaeger leCoultre, in Luzern, am Dienstag, 7 April 2015. Am Dienstagnachmittag haben vier unbekannte Maenner die Uhrenboutique Jaeger leCoultre an der Grendelstrasse in der Stadt Luzern Ueberfallen.
Sie bedrohten die beiden Verkaeuferinnen mit einer Pistole, raeumten die Vitrinen aus und bespruehten das Personal mit Pfefferspray. Die Taeter entkamen mit der Beute und sind auf der Flucht. (KEYSTONE/Anthony Anex) (Bild: ANTHONY ANEX)

Diese Bilderreihen lieferte die Polizei nach: Die Täter vor, während und nach der Tat. Sie haben für die Flucht die Kleider gewechselt. (Bild: Luzerner Polizei)

Zwei bis drei Minuten dauerte der Überfall auf die Uhren-Boutique Jaeger-LeCoultre am Grendel in der Stadt Luzern. Vier unbekannte Männer zwischen 20 und 30 Jahren – wohl aus Osteuropa – stürmten am Dienstag, einige Minuten nach 14 Uhr, unmaskiert und bewaffnet das Geschäft, das von der Bucherer-Gruppe betrieben wird. Sie spritzten den zwei Angestellten Tränengas ins Gesicht – Kunden waren keine vor Ort (Ausgabe von gestern). Um 14.09 ging bei der Polizei der Alarm ein, 6 Minuten später war laut Simon Kopp, Mediensprecher der Luzerner Staatsanwaltschaft, die erste Patrouille vor Ort (siehe Kasten) – die Täter waren schon auf der Flucht. «Wir wissen dank der Videoüberwachung, dass die Männer über die Kapellbrücke ins Geschäft gingen und den gleichen Weg nach dem Raub benutzten.»

Fluchtweg von langer Hand geplant

Die Polizei hat inzwischen einen Schal und eine Jacke gefunden, die die Täter auf der Flucht wegwarfen. «Wir suchen die Kleider und den Tatort nun nach verwertbaren Spuren ab und hoffen, auf DNA oder andere Spuren zu stossen», sagt Kopp. Bislang wisse man nicht, welchen Weg die vier Männer, die zwischen 1,70 und 1,85 Meter gross sind, nach der Kapellbrücke eingeschlagen haben. Trotz einer grossräumigen Ringfahndung – bei der an allen wichtigen Zu- und Ausfahrten der Stadt Luzern Kontrollpunkte aufgestellt werden – gingen die Räuber der Polizei durchs Netz. «Da waren Profis am Werk», sagt Kopp. Die Täter vermieden es, während des Raubs zu sprechen, und wechselten auf der Flucht ihre Kleider. «Sie haben wohl nicht das erste Mal einen Raub verübt, und es ist davon auszugehen, dass es nicht ihr letzter gewesen ist.» Auch der Fluchtweg sei wohl von langer Hand geplant gewesen.

Fotos nach wenigen Minuten online

Doch wie will die Polizei – zwei Tage nach dem Überfall – die Täter doch noch schnappen? «Wir werten nun weitere Spuren und Videoüberwachungskameras aus und überprüfen Zeugenaussagen», sagt Kopp. Dies sei wichtig, um alle Polizeikorps und die Grenzwache zu informieren. Bereits wenige Minuten nach der Tat habe man erste Fahndungsbilder verschicken können. Über die Gratis-App iPolice, die von 35 000 Smartphone-Besitzern genutzt wird, seien die Fotos rasch an die Öffentlichkeit gelangt. «So haben wir im Prinzip innert Sekunden Hunderte von Fahndern direkt vor Ort.» Dennoch: Im aktuellen Fall hat dies wenig gebracht. Kopp: «Bisher sind bei uns noch keine durchschlagenden Zeugenhinweise eingegangen.»

Uhren ab 3000 Franken gestohlen

Was beim Überfall genau gestohlen wurde, wird laut Jörg Baumann, Mediensprecher der Bucherer-Gruppe, nun ermittelt. Klar ist: Im Geschäft befanden sich Uhren ab 3000 Franken aufwärts. Die ganz teuren Einzelstücke werden nicht im Verkaufsraum ausgestellt. «Unser Eindruck ist, dass es die Täter beim Raub nicht gezielt auf einzelne Uhrenmodelle abgesehen haben. Sie packten ein, was gerade da war.»

Das Vorgehen der Luzerner Uhrenräuber ist nicht aussergewöhnlich, sagt Daniel Nicklès, Präsident der Fachkommission Uhren beim Verband der Schweizer Goldschmiede und Uhrenfachgeschäfte. «Vor ein paar Jahren wählten die Räuber die Rammbock-Methode, bis sich die Geschäfte auf diese Methode einstellten. Seit drei, vier Jahren beobachten wir leider die Tendenz von Überfällen am helllichten Tag.» Dass die Räuber unmaskiert vorgingen, überrascht ihn hingegen: «Die Videobilder gehen ja schnell um die Welt. Die Räuber haben nichts zu verlieren», sagt Nicklès. Und: Sie sind organisiert unterwegs. Es handelt sich laut Nicklès ausschliesslich um Banden aus Russland beziehungsweise den ehemaligen Sowjetrepubliken, die regelrechte Raubtouren durch ganz Europa veranstalten. Und auch wenn die Bande in Luzern wahllos nach den Uhren gegriffen hat, handle es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um einen Auftragsraub: «Es geht ihnen nicht um einzelne Modelle, sondern um Marken.»

Uhren nummeriert

Es sei gut möglich, dass die Täter in ein bis drei Jahren erwischt werden, sagt Nicklès. «Die Erfahrung zeigt, dass das Diebesgut dann aber verschwunden bleibt.» Denn die Uhren seien nummeriert und würden auf dem regulären Markt auffallen, weshalb sie auf dem Schwarzmarkt verkauft werden. Dies vermutet auch Baumann. Er erachtet es aber als schwierig, dass das Diebesgut wieder zum Vorschein kommt. «Vielleicht haben wir aber Glück, und eine Uhr taucht in ein paar Jahren irgendwo bei einer Reparatur wieder auf.»

Bereits im Dezember 2014 versuchten zwei Räuber mit Waffen das Geschäft am Grendel zu überfallen. Weil gleichzeitig ein Kunde das Geschäft betrat, flüchteten sie ohne Beute zu Fuss in die Innenstadt. Gefasst wurden die Täter nie. «Ob zwischen den beiden Fällen ein Zusammenhang besteht, ist reine Spekulation», sagt Baumann.

Man vergleiche die Fälle nun miteinander, sagt Kopp. «Da die Männer beim versuchten Raub im Dezember maskiert waren und auch optisch nicht mit den Tätern vom Dienstag übereinstimmen, gehen wir aber von anderen Tätern aus.»

Auf «guten Zeitpunkt» gewartet

In unmittelbarer Nähe zum Uhrengeschäft liegt der Souvenirshop Casagrande. Mitinhaber Robert Casagrande war zwar vorgestern wie auch im Dezember 2014 kein Zeuge der Vorfälle. «Mein Personal hat mir allerdings gemeldet, dass im Vorfeld des aktuellen Überfalls seltsam wirkende Personen an den Geschäften vorbeigingen.» Und: Noch am Morgen des Überfalltags lief eine Patrouille eines privaten Sicherheitsdienstes den Grendel entlang. «Da haben die Räuber wohl einen guten Zeitpunkt abgewartet.» Generell verfüge am Grendel jedes grössere Uhren- und Schmuckgeschäft über Sicherheitspersonal – jedoch nicht die Uhren-Boutique Jaeger-LeCoultre. Ein Securitas war am Tag des Überfalls nicht vor Ort, wie Baumann bestätigt. «Wann und in welchen Filialen wir Sicherheitsleute einsetzen, kommunizieren wir nicht», sagt er. Ebenso würden Fragen rund um das Sicherheitsdispositiv nicht öffentlich kommentiert.

Laut Baumann gehe es den zwei involvierten Angestellten den Umständen entsprechend. Die Frauen würden, wenn sie wünschen, professionell unterstützt.

Alexander von Däniken und Christian Hodel

Schlechte Kameras?

Werden die Kamerabilder der Kapellbrücke und des Uhrengeschäfts verglichen, fällt auf: Die Bildqualität aus dem Geschäft ist wesentlich schlechter. Das ist nicht unbedingt auf schlechte Kameras zurückzuführen, sagt Manfred Ellenberger, Verwaltungsratsdelegierter der Frey + Cie. Sicherheitstechnik: «Es kommt ganz auf den Einsatzzweck der Kamera an. Entweder wird sie für die Situationserfassung eingesetzt. Dann erfasst sie einen grossen Bildbereich, was eine geringere Auflösung zur Folge hat, gibt aber dem Personal Aufschluss über eine notwendige Alarmierung. Oder die Kamera dient der Personenerkennung. Dann braucht es mehr Kameras für eine hohe Auflösung.»

Technik auf neustem Stand

Jörg Baumann von der Bucherer-Gruppe sagt dazu: «Das Geschäft am Grendel wurde 2011 neu eröffnet. Sowohl die Überwachungskameras als auch die übrigen Sicherheitsmassnahmen sind auf neustem Stand.» Ebenso sei die Bucherer-Gruppe unabhängig vom Vorfall laufend daran, das Sicherheitsdispositiv zu überprüfen.