LUZERN: Taschendiebe schlagen mehrmals zu

Am Samstag haben im Bahnhof Luzern dreiste Taschendiebe gleich mehrmals zugeschlagen. In einem Fall kam der Übeltäter nicht weit.

Guy Studer
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In Luzern kommt es immer wieder zu Taschendiebstählen (gestellte Szene). (Bild: Archiv Neue LZ)

In Luzern kommt es immer wieder zu Taschendiebstählen (gestellte Szene). (Bild: Archiv Neue LZ)

Wo und wann der Dieb genau zugeschlagen hat, kann B. D.* nicht genau sagen. «Ich weiss nur, dass ich das Portemonnaie noch hatte, als ich in der Express-Migros ein Fläschchen Wasser gekauft habe», sagt die 48-jährige Luzernerin. Als sie um etwa 9 Uhr in den Zug Richtung Olten stieg und das Portemonnaie mit dem Zugbillett hervornehmen wollte, war es nicht mehr in der Tasche.

Nach kurzer Zeit 1000 Franken weg

Umgehend habe sie den Diebstahl gemeldet und sei nach Hause geeilt, um die Postfinance anzurufen und ihre Karte sperren zu lassen. Da folgte bereits der zweite Schock: «Man sagte mir, dass bereits 1000 Franken abgehoben worden seien.» Hätte die Frau keine Kreditlimite auf der Karte, wäre das ganze Konto leergeräumt worden, sagte man ihr am Telefon. Dieses Geld dürfte D. zwar wieder zurückerhalten, das verlorene Portemonnaie mit Bargeld, Ausweis und sämtlichen Karten ist jedoch weg.

PIN-Code am Automaten erspäht?

Die Frau kann sich nicht erklären, wie das passieren konnte. «Eigentlich bin ich ein vorsichtiger Mensch, doch meine Tasche war ziemlich voll, weshalb vielleicht der Klettverschluss nicht richtig schloss.» Ausserdem habe sie Probleme mit dem Gehör, «weshalb ich nicht so gut mitkriege, was um mich herum läuft». Wie die Diebe an den PIN-Code kamen, ist ihr schleierhaft. «Um etwa 8.30 Uhr habe ich am Automaten mit der Postcard mein Zugbillett gekauft.» Dabei habe sie das Eingeben des Codes mit dem Portemonnaie aber abgeschirmt. «Und das Einzige, was mir aufgefallen ist, waren zwei Kinder, die hinter mir standen.» Ob diese ihr über die Schulter geschaut hätten, kann D. nicht beurteilen.

Ähnlich erging es nur wenige Stunden später einer Familienmutter. Sie war um etwa 15.15 Uhr im Bahnhof unterwegs, als ein Taschendieb versuchte, ihr das Portemonnaie aus einem Aussenfach ihrer Handtasche zu stehlen. So weit kam es, zum Glück für die Frau, nicht. Sie bemerkte rechtzeitig, dass sich jemand an ihrer Tasche zu schaffen machte. «Ich konnte ihn noch festhalten», sagt sie auf Anfrage. Bevor die Polizei eintraf, entwischte der Übeltäter jedoch. Später konnte er dennoch von der Polizei gestellt werden.

Gemäss Simon Kopp, Mediensprecher der Strafuntersuchungsbehörden, handelt es sich beim Taschendieb um einen 24-jährigen Rumänen. Kopp bestätigt zudem auch den anderen Fall vom Morgen. Doch damit nicht genug: Am selben Tag hat sich sogar ein dritter Fall im Luzerner Bahnhof ereignet. Bereits um 6 Uhr morgens schlugen die unbekannten Täter gemäss Kopp zu.

Mehrere Fälle nicht ungewöhnlich

Gleich drei Fälle von Taschendiebstahl an einem Tag. War eine Bande unterwegs? Darauf deutet gemäss Kopp nichts hin. So seien mehrere Fälle an einem Tag im Bahnhof auch nichts Aussergewöhnliches. Von einer Häufung am vergangenen Wochenende könne deshalb keine Rede sein. «Die Anzahl Taschendiebstähle bleibt immer etwa gleich», teilt er weiter mit. Entscheidende Faktoren seien etwa, ob am Wochenende schönes Wetter herrsche oder in der Stadt ein grosser Anlass stattfinde. «Es ist auch normal, dass die Taschendiebstähle in der Sommerzeit zunehmen.» Im Moment sei aber keine Trendzunahme ersichtlich, so Kopp weiter.

Täter allein oder in kleiner Gruppe

Taschendiebe sind gemäss Kopp oft allein – teilweise aber auch in Kleingruppen – unterwegs. Er rät:

  • Bargeld gut verschlossen in der Tasche aufbewahren.
  • Nur wenig Bargeld auf sich tragen.
  • Sich nicht von fremden Menschen ansprechen und ablenken lassen.
  • Bei Diebstahl umgehend die Polizei informieren.
  • Sich wenn möglich besondere Merkmale der Täter einprägen.

Hinweis

* Name der Redaktion bekannt