LUZERN: Tausende wollen die sanierte Museggmauer sehen

Nach über zehn Jahren ist die Sanierung der Museggtürme nun abgeschlossen. Am Tag der offenen Tür konnten gestern Interessierte das Resultat begutachten

Raphael Zemp
Drucken
Teilen
Seltener Einblick: Die Zunft zu Safran führte gestern Besucher durch den frisch restaurierten Nölliturm. (Bild Roger Grütter)

Seltener Einblick: Die Zunft zu Safran führte gestern Besucher durch den frisch restaurierten Nölliturm. (Bild Roger Grütter)

Raphael Zemp

Atemberaubend ist die Aussicht auf dem Männliturm: Die Stadt liegt einem zu Füssen, im Hintergrund funkelt der See. Auf Spanisch, Englisch und gar Chinesisch wird der Begeisterung Ausdruck verliehen: «So beautiful!» Für Touristen aus aller Welt ist die Luzerner Befestigungsanlage längst ein etablierter Programmpunkt.

Die Museggmauer ist in mehr als zehn Jahren sollständig saniert worden. Hier der Wacvhtturm und der Luegislanddtum (rechts) (Bild: Roger Gruetter / Neue LZ)
10 Bilder
Eines der Geschosse des Nölliturms. (Bild: Roger Gruetter / Neue LZ)
Im Innern des Nölliturms, des runden Endturmes an der Reuss. (Bild: Roger Gruetter / Neue LZ)
Ein dritter Raum im Nölliturm. (Bild: Roger Gruetter / Neue LZ)
Besucher erklimmen die Treppe des Wachtturms. (Bild: Roger Gruetter / Neue LZ)
Blick auf ein Detail im Nölliturm: Alle Wappen der Safran Zunft. (Bild: Roger Gruetter / Neue LZ)
Bekannte Gesichter im Nölliturm: Der Fritschivater und die Fritschene. (Bild: Roger Gruetter / Neue LZ)
Dicke Balken, schwerer Leuchter. (Bild: Roger Gruetter / Neue LZ)
Im Nölliturm ist tatsächlich ein Schatz verborgen ... (Bild: Roger Gruetter / Neue LZ)
... und eine Waffensammlung. (Bild: Roger Gruetter / Neue LZ)

Die Museggmauer ist in mehr als zehn Jahren sollständig saniert worden. Hier der Wacvhtturm und der Luegislanddtum (rechts) (Bild: Roger Gruetter / Neue LZ)

Nebst den üblichen Touristenmassen fanden gestern Nachmittag aber auch Tausende Leute aus der Region den Weg zur Museggmauer. Denn am Tag der offenen Museggtürme sind für die sonst von Vereinen genutzten Räumlichkeiten öffentlich zugänglich. Das ist die Gelegenheit, Luzerns Befestigungsanlage nach zehn Jahren der Sanierung komplett restauriert mit eigenen Augen zu bestaunen. «Man hat sehr sorgfältig gearbeitet!», zeigt sich Vreni Grüter (64) aus Luzern sichtlich beeindruckt. «Unglaublich, was man hier alles geleistet hat», nickt Cordula Lötscher (53) aus Marbach.

Kritiker eines Besseren belehrt

Beat Fischer, Präsident der Stiftung für die Erhaltung der Museggmauer, hat die Sanierungsarbeiten über Jahre begleitet – und dabei so einiges erlebt: baumstammdicke Efeustränge am Pulverturm, kippende Mauerabschnitte beim Durchstoss der Museggstrasse ... «Schliesslich aber haben wir sämtliche Herausforderungen gemeistert.» Für ihn persönlich unbestritten der grösste Erfolg war aber das Auftreiben von 4,2 Millionen Franken Spendengeldern. Diese Mittel deckten nebst den 3,6 Millionen vom Denkmalschutz und den 4,2 Millionen von der Stadt die gesamten Baukosten von rund 12 Millionen Franken. Verein und Stiftung hätten sämtliche Kritiker eines Besseren belehrt! «Stiftungen, Vereine, aber auch viele einfache Leute haben das möglich gemacht!»

Einen ersten Vorstoss zur Sanierung der Museggmauer machte Helen Haas (Präsidentin des Vereins für die Erhaltung der Museggmauer) im Stadtparlament schon 1998. 2002 erfolgte dann die Gründung des Vereins, und nach zweijährigen Abklärungsarbeiten wurden ab 2007 Schritt für Schritt alle neun Türme restauriert sowie 870 Meter Mauer wieder in Stand gesetzt. «Oberstes Ziel war es, dafür zu sorgen, dass kein Wasser mehr in die Mauer eindringt und dass die Statik gewährleistet ist», so Stiftungspräsident Fischer.

In die Sanierung der Museggmauer und ihrer Türme war eine Vielzahl von Spezialisten involviert. Archäologen, Umweltschützer, Ornithologen, Denkmalpfleger, Handwerker, Vertreter von Stadt und Kanton, sie alle haben grossen Willen zu einem konstruktiven Dialog gezeigt. «Ich habe dabei sehr viel gelernt», gesteht Stiftungspräsident Fischer. Und Vereinspräsidentin Haas freut sich: «Es ist einfach wunderbar zu sehen, was passiert, wenn alle am gleichen Strick ziehen.»

Auch wenn die Sanierungsarbeiten nun erfolgreich abgeschlossen sind, bedeutet es nicht das Ende für Stiftung und Verein. Diese werden sich in Zukunft mit dem Unterhalt der Türme beschäftigen. Die Kosten dafür berappen muss künftig die Stadt – sie werden nicht mehr von privaten Spendengeldern gedeckt.

Auszeichnung als Dank für Sanierung

Der Stadtrat von Luzern hat beschlossen, Helen Haas-Peter und Beat Fischer mit der Verleihung der Ehrennadel für ihr Engagement bei der Restaurierung der Museggmauer besonders zu danken. Mit der Ehrennadel zeichnet die Stadt in unregelmässigen Abständen das Wirken von Persönlichkeiten aus, die sich in besonderer Weise um das Wohl der Stadt verdient gemacht haben.

Feier im November

Helen Haas ist seit der Gründung im Sommer 2002 die Präsidentin des Vereins für die Erhaltung der Museggmauer. «Sie ist die eigentliche Treibkraft der Museggmauer-Restaurierung», schreibt der Stadtrat in einer Mitteilung. Beat Fischer wiederum präsidiert die Stiftung für die Erhaltung der Museggmauer seit 2007. «Er bewies dabei seine Ausdauer und Treue zu den Details», so der Stadtrat. Dank des Engagements von Helen Haas und Beat Fischer könne das spätmittelalterliche Befestigungswerk künftigen Generationen sicher und nachvollziehbar zugänglich gemacht werden. Eine Feier zur öffentlichen Ehrung soll im Anschluss an die Sitzung des Grossen Stadtrates vom 12. November 2015 stattfinden.