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LUZERN: Taxifahrer verweigern kurze Fahrten

Verboten, aber weit verbreitet: Manche Taxifahrer lehnen Kurzstrecken ab, weil sie auf rentablere Fahrten hoffen. Eine Tour in der Stadt Luzern ist besonders verpönt.
Gabriela Jordan
Beim Bahnhof Luzern kommt es immer wieder vor, dass Taxifahrer Kunden nicht für kurze Strecken befördern wollen (Symbolbild). (Bild Boris Bürgisser)

Beim Bahnhof Luzern kommt es immer wieder vor, dass Taxifahrer Kunden nicht für kurze Strecken befördern wollen (Symbolbild). (Bild Boris Bürgisser)

Gabriela Jordan

Wenn nach einer Feier die Füsse schmerzen und die Augen vor Müdigkeit fast zufallen, hat man nur einen Gedanken: ab ins Taxi und schnell nach Hause. Ärgerlich ist aber, wenn ein Taxifahrer die Fahrt ablehnt. Noch ärgerlicher ist es, wenn dies mehrere tun. Grund: Der potenzielle Fahrgast wohnt zu nahe, und der Fahrer wartet deshalb lieber auf lukrativere Kunden. So erging es vor kurzem einer jungen Frau aus Horw. Nachdem sie das Festival «Allmend rockt» besucht hatte, wurde sie gleich von vier Taxifahrern abgewiesen. Erst der fünfte – ein Schwyzer Taxichauffeur – nahm sie mit.

In einem Schreiben an unsere Zeitung bedankt sich Markus Schuler, der Vater der Frau, bei diesem Fahrer und macht gleichzeitig seinem Ärger Luft: «Den anderen Chauffeuren rate ich, ihre Verantwortung wahr zu nehmen.»

Standardspruch: «Schon besetzt»

Dass die Fahrer keine kurzen Fahrten unternehmen wollten, verrieten sie der Horwerin natürlich nicht. «Schon besetzt», hiess es jedes Mal, wenn sie ihr Fahrziel nannte. Gleich darauf liessen die Chauffeure Konzertbesucher einsteigen, die zurück nach Zürich oder ins Aargau wollten. Dass dies nicht nur ein Problem ist, wenn in Luzern Grossanlässe stattfinden, zeigt das Beispiel des Stadtluzerners Daniel Müller: Er wollte an einem gewöhnlichen Abend vom Bahnhof zum Hotel Schweizerhof, wurde aber schon beim Schwanenplatz abgesetzt – obwohl er an Krücken ging.

«Das ist ein altbekanntes Phänomen, gegen das wir ankämpfen», sagt Mario Lütolf, Leiter der Dienststelle Stadtraum und Veranstaltungen. Lütolf ist das Taxiwesen unterstellt, welches Taxibetrieben die Bewilligungen vergibt. Lütolf zufolge passiert es «leider immer wieder, dass Chauffeure die kurzen Fahrten ablehnen». Damit verstossen sie allerdings gegen die Beförderungspflicht nach städtischem Taxireglement. Dort gilt: Ein Fahrgast darf nur abgelehnt werden, wenn der Grund beim Fahrgast selbst liegt, etwa bei Trunkenheit oder belästigendem Verhalten.

Damit Taxifahrer Fahrgäste nicht aus anderen Gründen abweisen, führt Lütolfs Abteilung mit der Polizei regelmässig Kontrollen durch. «Wenn an jenem Abend ein Polizist da gestanden wäre, hätte der erste Taxifahrer die Frau mit Sicherheit einsteigen lassen», so Lütolf.

Fahrer, die sich beim Ablehnen einer Fahrt erwischen lassen, werden verwarnt oder gebüsst – oder es kann einen Fahrer gar die Bewilligung kosten. Die Höhe der Busse wird von der Staatsanwaltschaft festgelegt. Richtlinien hin oder her: Ganz unverständlich ist es nicht, dass Taxifahrer eine lange Fahrt einer kurzen vorziehen. Eine Fahrt vom Bahnhof zum «Schweizerhof» kostet zum Beispiel 8.50 Franken. Bis nach Horw zahlen Kunden rund 30 Franken und bis nach Zürich sind es über 200 Franken.

Oskar Imhof, Taxihalter und Präsident der Taxikommission, ärgert sich darüber: «Es gibt leider viele, die unser Gewerbe nicht korrekt ausführen.» Eine kurze Fahrt nach Kriens sei dem Warten beim Bahnhof vorzuziehen – umso mehr, als auf der Rückfahrt ja vielleicht ein weiterer Kunde auftauche.

«Sehr unangenehm für Hotel»

Neben Einheimischen sind vom Problem auch Touristen betroffen. Diese steigen oft in ein Taxi, weil sie nicht wissen, wo sich ihr Hotel befindet. Die kurze Fahrt vom Bahnhof zum Hotel Schweizerhof ist bei den Fahrern wohl besonders unbeliebt, wie Clemens Hunziker, Direktor des Hotels, bestätigt. Demnach wird Gästen diese Fahrt regelmässig verweigert. Hunziker: «Für die Gäste und das Hotel Schweizerhof ist diese Situation sehr unangenehm, da die Gäste in der Regel mit einigen Koffern unterwegs sind.»

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