LUZERN: Tennis-Cracks fordern: «Unterstützt uns gleich wie die Fussballer»

Gleich sieben von neun Tennishallen in der Region Luzern könnten in den nächsten Jahren verschwinden. Tennis Zentralschweiz hat nun ein Komitee gegründet, um dem entgegenzuwirken.

Martina Odermatt
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Auch die Zukunft der Tennishalle in Schenkon ist ungewiss. (Bild: Dominik Wunderli (27. Januar 2017))

Auch die Zukunft der Tennishalle in Schenkon ist ungewiss. (Bild: Dominik Wunderli (27. Januar 2017))

Martina Odermatt

martina.odermatt@luzernerzeitung.ch

Als Roger Federer gestern den Fünfsatzkrimi gegen Rafael Nadal im Final der Australian Open für sich entschied, schaute gefühlt die halbe Nation zu: die Schweiz im Tennis-Fieber. Doch die Tennis-Zukunft sieht in der Region eher düster aus: In den nächsten 10 Jahren könnten sieben von neun Tennishallen verschwinden. Zu diesem Schluss kam eine von Tennis Zentralschweiz in Auftrag gegebene Bachelorarbeit (Ausgabe vom 24. September 2016). Unter die Lupe genommen wurden Tennishallen, die in 30 Fahrminuten von der Stadt Luzern aus erreichbar sind. Das Urteil ist vernichtend. Bei nur gerade zwei Hallen ist laut dem Verfasser Reto Köpfli die langfristige Existenz gesichert (siehe Tabelle). Und das liegt nicht etwa daran, dass der Verband zu wenig Nachwuchs oder aktive Spieler hätte: Mit rund 165 000 Aktivmitgliedern ist Swiss Tennis der drittgrösste Sportverband der Schweiz.

Tennis Zentralschweiz hat nun erste Massnahmen getroffen – und fordert politisches Gehör. Um dem Hallensterben entgegenzuwirken, hat der Verband jetzt ein Komitee gegründet. Dessen Ziel ist der stetige Kontakt zu den Hallenbetreibern. «Damit kritische Situationen möglichst früh erkannt und angegangen werden können», sagt Felix Jaray, Präsident von Tennis Zentralschweiz. «Wir wollen proaktiv auf die Betreiber der Hallen zugehen.» So könne man hoffentlich auch Situationen vermeiden, wie sie in Emmen vorgekommen sind. Dort musste das TeBa-Center seine Türen 2015 schliessen, nachdem man jahrelang vergebens einen Nachfolger gesucht hatte. Nun befindet sich dort ein sogenanntes Autohotel.

Ein Weckruf aus Stans

Dass Tennishallen verschwinden und diese Entwicklung problematisch sein könnte, habe der Verband laut Jaray bereits 2010 bei der drohenden Schliessung des Sport- und Freizeitcenters Rex in Stans gemerkt. Der Verband suchte deshalb den Dialog mit der Politik. «Diese wollte jedoch Fakten. Also haben wir diese Bachelorarbeit in Auftrag gegeben», sagt Jaray. Jetzt könne man ausführliche Zahlen darlegen.

Das Komitee sei nun daran, Lösungen und Strategien zu erarbeiten. Laut Jaray stellen sich folgende Fragen: «Gehen wir auf die Politik zu? Und, wenn ja, wie? Welche Möglichkeiten haben wir?» Er wünscht sich von Politikern ein offenes Ohr für sein Anliegen: «Unterstützt uns Tennisspieler ebenso, wie ihr Fussballspieler unterstützt!» Wenn die öffentliche Hand ihnen finanziell den Rücken stärke und man den Betrieb der Halle zusammen mit einem ansässigen Tennisverein stemme, dann sei das eine optimale Lösung. Das zeige auch die Halle in Littau, wo die öffentliche Hand und der Verein gemeinsam mitanpacken.

Nebst finanzieller Unterstützung sucht Tennis Zentralschweiz auch nach anderen Lösungen. Da die Hallen selbst nicht genug rentieren, versucht man Gesamtpakete anzubieten. «Vorteilhaft ist es, wenn man Synergien nutzen kann, etwa bei einem Gesamtpaket mit einer Bowlinghalle oder ähnlichem», sagt Jaray.

Genau so eine Lösung kann man sich für das Tennis-Center in Schenkon vorstellen. Erst letztes Jahr wurde der Pachtvertrag zwar um 10 Jahre verlängert, doch danach wird die Halle wohl Wohnungen weichen müssen. Läuft alles nach Plan, fahren frühestens im Sommer 2018 die ersten Bagger im Gestaltungsperimeter Zellfeld auf. Doch Patrick Ineichen, Gemeindepräsident von Schenkon, ist überzeugt, dass es in der Region auch weiterhin eine Tennishalle braucht. «Momentan sind wir in der Evaluationsphase. Wir könnten uns den Standort beim Campus in Oberkirch vorstellen», sagt Ineichen. So könnten Synergien genutzt werden.

Etwas dauern bis zu einer Schliessung könnte es auch beim «Smash» im Luzerner Würzenbachquartier, wo der Baurechtsvertrag 2020 ausläuft. Laut Rosie Bitterli Mucha, Chefin für Kultur und Sport der Stadt Luzern und Mitglied des Verwaltungsrates der Sportanlagen Würzenbach AG, seien momentan keine Bauprojekte geplant. Derzeit kläre man innerhalb der AG sowie mit Stadt und Kanton die Strategie für das weitere Vorgehen.

Um die Sicherheit in der dringend sanierungsbedürftigen Halle zu gewährleisten, wurde eine Unterhaltsplanung für die nächsten Jahre erstellt. Wie viel diese die AG kosten wird, lässt Bitterli jedoch offen.

Bild: Grafik LZ

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