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LUZERN: Teure Beton-Passage: Wildtiere sollen deshalb via Holzbrücke über die Autobahn

Der Bund plant im Kanton Luzern drei Passagen, dank denen Rehe und andere Wildtiere die Autobahn queren können. Ständerat Damian Müller enerviert sich über die Kosten – es gehe auch günstiger.
Niels Jost
Eine Unterführung bei der A2 in Knutwil soll Wildtieren das Queren der Autobahn ermöglichen. (Bild: Google Maps)

Eine Unterführung bei der A2 in Knutwil soll Wildtieren das Queren der Autobahn ermöglichen. (Bild: Google Maps)

Niels Jost

niels.jost@luzernerzeitung.ch

Der Bund investiert in den nächsten drei Jahren kräftig in den Bau dreier Wildtierpassagen im Kanton Luzern. Insgesamt hat er dafür 28,7 Millionen Franken veranschlagt. Konkret geht es um die Überführungen der Autobahn A2 in Neuenkirch und Langnau bei Reiden sowie um die Unterführung in Knutwil. Diese sollen es Rehe, Füchse und Co. wieder ermöglichen, die A2 zu queren.

Die Kosten pro Passage von rund 10 Millionen Franken hält Ständerat Damian Müller angesichts der «angespannten budgetären Verhältnisse» beim Bund für überrissen. In einer Interpellation will er vom Bundesrat ausserdem wissen, ob bei dieser Ausgabenhöhe das Kosten-Nutzen-Verhältnis noch gewahrt bleibt. Der FDP-Politiker fragt sich deshalb: «Ist es effektiv notwendig, auf einer Strecke von 20 Kilometern drei Wildtierpassagen zu erstellen?» Und: «Gibt es Alternativen?»

Dass die Übergänge und Unterführungen auch billiger zu realisieren wären, daran glaubt nicht nur Ständerat Müller. Auch Hans Peter Pfister, seinerseits ehemaliger FDP-Kantonsrat aus Eich, ist davon überzeugt. Er kennt das Thema, hat er doch für die Schweizerische Vogelwarte Sempach im Jahr 2001 ein Konzept über die Wildtierkorridore in der Schweiz erarbeitet. Schon damals hat sich Pfister für alternative Bauweisen eingesetzt. Er sagt nun auf Anfrage: «Die vom Astra geplanten Bauprojekte sind viel zu teuer. Ein Wildtierübergang aus Holz wäre für 2,5 Millionen Franken möglich.» Für die Überbauung könnte einheimisches Holz verwendet werden. Das würde auch schneller gehen als mit einer Betonkonstruktion, wie sie der Bund vorsieht.

Holzkonstruktion in Deutschland bereits gebaut

Hans Peter Pfisters Vorschläge für eine Holzbrücke hat der Bund schon vor gut 15 Jahren abgelehnt. «Man befürchtete, dass die Konstruktion bei einem Unfall zu schnell Feuer fangen und einstürzen könnte», sagt nun der Wildtierbiologe.

Tempi passati. Dass die Idee nicht aus der Luft gegriffen ist, zeigt das Beispiel von Wilmshagen, einem Ort vor der deutschen Ostsee-Insel Rügen: Dort wurde mittlerweile eine Wildbrücke aus Holz gebaut, die erste ihrer Art in Europa. Die massive Tragkonstruktion mit über 27 Metern Spannweite würde selbst einem Fahrzeugbrand standhalten, heisst es in der dortigen Baudokumentation. Und auch die anderen Vorteile einer Holzbrücke, die von Pfister und Müller ins Feld geführt werden, werden von den deutschen Ingenieuren bestätigt. «Aus technischen, funktionalen und wirtschaftlichen Gründen ist eine Holzkonstruktion zu bevorzugen», heisst es weiter. Auch die kurze Montagezeit von zwei Wochen sowie die tiefen Kosten von rund 1,5 Millionen Euro werden erwähnt.

Hans Peter Pfister war bei der Planung der Holzbrücke in Wilmshagen involviert. Die Konstruktion trage sogar Fahrzeuge der Bauern und Förster, die für den Unterhalt der Büsche und Wiesen auf der Überführung sorgen. Pfister: «Gerade im heutigen Zeitalter, in dem die Biodiversität und nachhaltiges Bauen gepriesen werden, wäre eine Holzkonstruktion sinnvoll.» Von einer «besseren Energiebilanz» ist auch in der Baudokumentation zu lesen. Wie der Bund zu einer Holzbrücke über der A2 in Luzern steht, ist unklar. Wegen der noch ausstehenden Antworten auf Müllers Interpellation nimmt man auf Anfrage unserer Zeitung zurzeit keine Stellung. Müller rechnet damit, dass die Antworten im März vorliegen werden.

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