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LUZERN: «The Kitchen»-Chef lässt Angestellte hängen

Der Fall Kitchen AG Luzern zieht weitere Kreise. Ein ehemaliger Angestellter klagt 17 000 Franken Lohn ein. Derweil ist über den Zuger Ableger bereits der Konkurs eröffnet worden.
Sandra Monika Ziegler
Das Restaurant «The Kitchen» beim Bahnhof Luzern ist seit Ende Juli geschlossen. (Bild Stefanie Nopper)

Das Restaurant «The Kitchen» beim Bahnhof Luzern ist seit Ende Juli geschlossen. (Bild Stefanie Nopper)

Das Restaurant The Kitchen, an prominenter Lage an der Luzerner Pilatusstrasse, ist seit Juni geschlossen, den Mitarbeitern wurde schriftlich aus wirtschaftlichen Gründen gekündigt. Neun der 15 Angestellten haben sich einen Anwalt genommen, um ihren Lohn einzufordern (Ausgabe vom 21. September). Auf Anfrage bestätigt Rechtsanwalt Joel Steiner, dass von seinen Mandanten nach wie vor keiner eine Zahlung erhalten hat.

Sie sind aber nicht die einzigen Betroffenen: Einer, der sich nicht durch einen Anwalt vertreten lässt und das Unternehmen auf eigenes Begehren auf Ende Juni 2016 verliess, ist der 40-jährige Koch. Er stand gestern vor dem Luzerner Arbeitsgericht. Für ihn war es die Hauptverhandlung. Doch weder die ehemalige Geschäftsführerin noch ein Vertreter der Kitchen Luzern AG erschienen gestern vor Gericht.

Deshalb wurde ein sogenanntes Säumnisverfahren durchgeführt. Das ist immer dann der Fall, wenn eine der Parteien in der Hauptverhandlung fehlt. Dann stützt sich das Gericht auf schriftliche Eingaben der Parteien und die Ausführungen der anwesenden Partei ab. Die vorgelegten Eingaben sind als Beweismittel zugelassen.

Brief an den Chef kam zurück

Der Kläger arbeitete über ein Jahr als Koch im Restaurant an der Pilatusstrasse und fordert nun vom ehemaligen Arbeitgeber über 17 000 Franken. Das Geld sei unter anderem geschuldet für Lohnzahlungen, einen Teil des 13. Monatslohns, Überstunden und Ferientage. Die einzelnen Beträge konnte der Kläger mittels Abrechnungen und Arbeitszeiterfassungen belegen. «Wir mussten täglich ein- und ausstempeln, jede Stunde wurde erfasst und monatlich nachgeführt», erläutert der Kläger. Und zupft aus einem Stapel an Papieren den richtigen hervor. Darunter befindet sich auch ein eingeschriebener Brief an seinen Chef mit den Lohnforderungen. Doch dieser wurde retourniert.

437 Überstunden angesammelt

Der Richter wollte wissen, ob die Überstunden nötig und auch autorisiert waren. «Ja, wir wurden vom Küchenchef und Restaurantleiter dazu angehalten. Immer, wenn viel Arbeit war, mussten wir auch Überzeit machen», antwortete der Kläger. Als sich bei ihm Ende April 437 Überstunden angesammelt hatten, habe er vom Restaurantchef den Vorschlag bekommen, einige der Stunden im Monat Juni zu kompensieren. Das habe er auch getan, deshalb seien jetzt nur noch 257 Stunden zu bezahlen. Das einzige Mitglied des Verwaltungsrats sah er letztmals Mitte Juli: «Da sprach ich ihn wegen des fehlenden Geldes an», so der Kläger. Doch der habe ihn nicht ernst genommen. Danach habe er keinen persönlichen Kontakt mehr gehabt. Tage später sei aber ein Mail gekommen. Darin wurde er aufgefordert, von der Klage Abstand zu nehmen, wenn er das Geld wolle. Das Mail liegt dem Richter vor. Beim Schlusswort sagte der Koch, er halte an der Klage fest.

«Ich wusste nichts von einem Termin»

Zwar war die Geschäftsführerin von The Kitchen an der Verhandlung nicht anwesend, doch telefonisch war sie gestern erreichbar. Ihre Abwesenheit begründet sie so: «Ich wusste nichts von einem Termin. Ich war die letzten zwei Wochen aus familiären Gründen weg.» Und wie steht es mit der Verantwortung als Geschäftsführerin? «Dafür sind die Firmenanwälte zuständig, nicht ich. Ich habe keine Rechte», erklärt sie und vergisst dabei die Pflichten.

Zudem habe sie mit dem Verwaltungsrat der Kitchen AG keinen Kontakt mehr und warte selber seit April auf ihr Geld. Die gleiche Geschäftsführerin und der gleiche Verwaltungsrat sind auch bei The Kitchen Zug AG aufgeführt. Und wie steht es um den Zuger Betrieb? «Es sind beide Firmen Konkurs», sagt die Geschäftsführerin knapp, was jedoch nicht ganz der Realität entspricht. Denn am 19. Oktober wurde über die Zuger Firma der Konkurs eröffnet, wie an der Eingangstüre von Amtes wegen vermerkt und auch vom Konkursamt bestätigt wurde. Am Bezirksgericht Luzern ist lediglich ein Insolvenzverfahren der Firma The Kitchen Luzern AG hängig, wie auf Anfrage unserer Zeitung bestätigt wird. Von einem Konkurs weiss hier noch niemand.

Sandra Monika Ziegler

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