LUZERN: Tiefbahnhof blockiert Hochhaus

An drei Orten in der Stadt Luzern sollen Hochhäuser gebaut werden. Doch alle Projekte sind blockiert – auch wegen des Durchgangsbahnhofs.

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Auch das Hochhaus, das hier im Gebiet Steghof gebaut werden soll, ist blockiert. (Symbolbild Neue LZ)

Auch das Hochhaus, das hier im Gebiet Steghof gebaut werden soll, ist blockiert. (Symbolbild Neue LZ)

Steghof, Pilatusplatz, Bundesplatz. An diesen drei Orten in der Stadt Luzern sollen Häuser in die Höhe schiessen (siehe Grafik). Möglich wird dies dank der Bau- und Zonenordnung (BZO), die vom Volk angenommen und letztes Jahr vom Regierungsrat genehmigt wurde.

Vorwärts geht es aber dennoch nicht. Und zwar an keinem der drei Standorte. Grund ist einerseits die Stadtbildinitiative, die laut Regierungsrat ungültig ist. Anders als der Stadtrat hat das Parlament kürzlich entschieden, die Planung des Hochhauses am Pilatusplatz nicht weiter voranzutreiben, weil die rechtliche Situation unklar und deshalb das Risiko zu hoch sei (Ausgabe vom 25. September). Am Bundesplatz geht es nicht vorwärts, weil eine Beschwerde gegen die Hochhauszone hängig ist. Zwar hat das Luzerner Kantonsgericht die Beschwerde im Juni in zweiter Instanz abgewiesen. Die Beschwerdeführer haben diese nun aber ans Bundesgericht weitergezogen, wie es bei der Stadt Luzern auf Anfrage heisst.

Neuer Tunnel unter Steghofareal

Was bisher kaum Beachtung fand: Auch das Hochhaus Steghof auf dem Areal von Energie Wasser Luzern (EWL) neben dem Tunnelportal der Zentralbahn ist blockiert. Dies wegen des Durchgangsbahnhofs, der laut Regierungsrat Robert Küng nicht vor 2035 in Betrieb genommen werden kann.

Der Grund: Vom neuen unterirdischen Bahnhof Luzern ist ein neuer Neustadttunnel bis zum Bereich Heimbach geplant. Und dieser verläuft unter dem Steghofareal. «Es kann nicht etwas gebaut werden, was im Bereich der geplanten Linienführung dieses Tunnels zu liegen kommt und die Realisierung des Tunnels erschweren würde», erklärt Thomas Buchmann, Departementssekretär beim kantonalen Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartement. Deshalb hat der Regierungsrat im Juni 2014 zwar die Bau- und Zonenordnung der Stadt Luzern genehmigt, die geplante Zone mit fünfgeschossigen und höheren Gebäuden im Gebiet Steghof aber von der Genehmigung zurückgestellt. Das heisst konkret: Am Steghof gilt noch immer der alte Zonenplan. Ein Hochhaus kann vorläufig nicht gebaut werden.

Abklärungen in der Schlussphase

«Ein Hochhaus muss statisch fundiert sein, etwa mit Pfählen. Dies kann aber nicht dort geschehen, wo der Neustadttunnel durchgeht», erklärt Buchmann die Zusammenhänge zwischen Bahntunnel und Hochhaus. Denn würde man einen Tunnel im Bereich der Betonpfähle bauen, wäre die Statik des Hochhauses gefährdet.

Nun liegt es an den SBB zu klären, ob das geplante Steghof-Hochhaus dem Durchgangsbahnhof in die Quere kommt oder nicht. Sie haben eine entsprechende Machbarkeitsstudie zu erstellen. Diese Arbeiten befinden sich laut Mediensprecherin Lea Meyer in der Schlussphase. «Noch in diesem Monat findet ein Treffen mit Vertretern von Kanton und Stadt Luzern statt, an dem die Ergebnisse präsentiert werden», sagt Meyer auf Anfrage unserer Zeitung. Vor diesem Treffen wollen die SBB die Frage, ob das Hochhaus dem Bahntunnel in die Quere kommen könnte, nicht beantworten.

Stadt ist zuversichtlich

Man werde nicht bis zum Jahr 2035 warten müssen, gibt sich Daniel Bernet, Jurist bei der städtischen Baudirektion, auf Anfrage zuversichtlich. Sobald die SBB den Nachweis erbracht hätten, dass das Hochhaus das Trassee des Durchgangsbahnhofs nicht tangiere, könne der Regierungsrat auch den Zonenplan für den Steghof genehmigen. Das würde grünes Licht für das Hochhaus bedeuten. Der Standort befindet sich auf dem Land von EWL. Ein Projekt dafür liegt aber noch nicht vor. Bis dort gebaut wird, dauert es also so oder so noch Jahre.

Bebauungsfläche erweitern

Die grössten Teile des Steghof-Areals gehören den SBB, auch die Stadt besitzt mit dem ehemaligen Biregg-Hallenbad einen Teil des Landes. Die Stadt hat kürzlich entschieden, das Kleinmatt­areal gemeinsam mit dem benachbarten Bireggareal zu entwickeln (Ausgabe vom 19. September). Die Bebauungsfläche soll deshalb in der BZO um den Vorplatz des ehemaligen Hallenbads und die Kleinmattstrasse erweitert werden. Dies macht eine Teilrevision der Bau- und Zonenordnung notwendig. Diese soll bis 2017/18 durchgeführt werden. Für das Neubad, die Zwischennutzung im ehemaligen Hallenbad, hat dies den Vorteil, dass diese wohl bis 2020 und nicht nur bis 2017 bestehen bleiben kann.

Christian Glaus

Geplante Hochhäuser in der Stadt Luzern (Bild: Grafik: Oliver Marx)

Geplante Hochhäuser in der Stadt Luzern (Bild: Grafik: Oliver Marx)