LUZERN: «Tierfreunde» fangen Katzen ein

Ein Kater wird mit einer Falle angelockt und in ein Tierheim gebracht. Da erhält er Impfungen und einen Chip – der Besitzer muss bezahlen.

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Der Kater Zwirbel wurde schon zweimal eingefangen und ins Tierheim gebracht, weil er für halterlos gehalten wurde. (Bild: PD)

Der Kater Zwirbel wurde schon zweimal eingefangen und ins Tierheim gebracht, weil er für halterlos gehalten wurde. (Bild: PD)

Raphael Gutzwiller

Der bald 16-jährige Kater Zwirbel fühlt sich in der Natur pudelwohl, streift gerne umher und jagt. Auf den ersten Blick ist er ein gewöhnlicher Kater. Aber: Er wurde schon zweimal «entführt».

Vor einigen Tagen meldete sich die Tierklinik Obergrund bei seinem Besitzer Peter Caluori: Zwirbel wurde abgegeben, da er für eine herrenlose Katze gehalten wurde. Ein Halsband trug er nicht. «Um halb fünf Uhr liessen wir ihn aus dem Haus. Wenig später wurde er bereits in der Klinik abgegeben», sagt Caluori. «Da unser Kater einen Chip besitzt, wurden wir rasch ausfindig gemacht.» Am nächsten Morgen durfte der Kater wieder nach Hause. Wer den Kater vorbeigebracht hat, erfährt der Besitzer nicht.

Drei Wochen im Tierheim

Ironischerweise besitzt Zwirbel den Chip nur, weil Ähnliches auch schon 2013 passiert ist. Damals wurde dem Tierheim an der Ron in Root gemeldet, dass eine Katze umherstreune. Daraufhin wurde der Katze eine Falle gestellt. Sie wurde ins Tierheim mitgenommen, wo sie Impfungen und einen Chip erhielt.

Nach drei Wochen meldete sich das Tierheim auf eine Anzeige im Internet. Die Familie konnte ihren Kater abholen. Der bald 16-jährige Kater sei zwar gesund, «aber er hat im Tierheim deutlich an Gewicht verloren. Seit da wirkt er auch ängstlicher», erzählt Caluori.

Rechnung von 140 Franken

Für die Impfungen und den Chip musste er rund 140 Franken bezahlen – obwohl er dem Tierheim keinen Auftrag erteilt hat. «Verdient haben wir an der Katze nicht», sagt Markus Brechbühl, Betriebsleiter des Tierheims an der Ron. Die Kosten für den Aufenthalt der Katze wurden erlassen. «Wir hätten den Besitzer sicher auch nicht betrieben, wenn er für die Dienstleistungen nicht gezahlt hätte», so Brechbühl. «In erster Linie geht es um die Katze. Wir freuen uns, dass sie wieder zu ihrem Besitzer konnte.» Wer sich beim Tierheim gemeldet hat, gibt Brechbühl nicht bekannt. «Solche Daten geben wir aus Prinzip nicht heraus.»
Immer wieder werden Findeltiere beim Tierheim abgegeben, sagt Brechbühl. «Tierschützer oder Tierliebhaber, die sich Sorgen um die Gesundheit der Katze machen, bringen sie bei uns vorbei.» Pro Jahr etwa 20 bis 40 Katzen. Der Grossteil davon seien halterlose Katzen, aber nicht nur: «In Ausnahmefällen haben die Katzen einen Besitzer, der Prozentwert liegt unter 10 Prozent», so Brechbühl.

Wird Tierliebe übertrieben?

Wird in diesen Fällen die Tierliebe übertrieben? «Nein, das Gefühl habe ich nicht. Eine Katze ohne Halsband kann schnell als halterlose Katze gehalten werden, und dann ist es richtig zu handeln», so Brechbühl. Die Personen, welche die Katzen abgegeben haben, werden darüber informiert, dass die Katze einen Besitzer hat. «Damit sie dieselbe Katze nicht wieder melden», begründet Markus Brechbühl. Das Chippen von Katzen sei wichtig, damit sie identifiziert werden könnten. «Ein Chip hilft, solche Geschichten zu vermeiden.»
Warum wurde Zwirbel zweimal für eine streunende Katze gehalten? «Vielleicht, weil er kein Halsband trägt», sagt Besitzer Peter Caluori. Die langen Haare des schwarz-weissen Katers könnten zu einem wilden Aussehen beitragen. «Die Haare verfilzen sich oft. Wir bürsten ihn aber täglich», sagt Peter Caluori. Er nervt sich daran, dass diejenigen, die die Katze mitgenommen haben, ohne Folgen davonkommen. «Es kann nicht sein, dass irgendjemand unsere Katze einpacken und in ein Heim oder eine Klinik bringen kann», sagt Peter Caluori. Trotz der Vorfälle: Ein Halsband trägt Zwirbel laut seinem Besitzer immer noch nicht. «Er mag es einfach nicht.»