LUZERN: Tod eines jungen Sportlers - das sagt der Sportmediziner

Ein Eishockeyjunior starb kurz nach einem Spiel. Könnte eine solche Tragödie verhindert werden?

Interview Sarah Weissmann/Hugo Bischof
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Urs Müller: Leiter Sportmedizin Kantonsspital Luzern. (Bild: Archiv Neue LZ)

Urs Müller: Leiter Sportmedizin Kantonsspital Luzern. (Bild: Archiv Neue LZ)

Nach einem Juniorenspiel des Eishockeyclubs HC Luzern am Sonntagabend im Eiszentrum Tribschen kam es zu einem äusserst tragischen Ereignis: Ein 17-jähriger Spieler brach nach dem Spiel in der Garderobe zusammen und starb später im Spital. «Der ganze Club steht unter Schock», sagte gestern auf Anfrage HC-Luzern-Präsident Patrik Ziswiler. Der Junior habe nach Spielende über Müdigkeit geklagt. Kurz darauf sei er bewusstlos zusammengebrochen. Er sei mit einer Ambulanz ins Spital transportiert worden. «Dort ist er, obwohl noch eine Notoperation vorgenommen wurde, leider verstorben», so Ziswiler.

Der Tod des Jugendlichen sei «in keiner Art und Weise vorhersehbar» gewesen, sagt Ziswiler. Er betont: «Der Tod steht nicht in Zusammenhang mit dem Sport.» Möglicherweise sei eine Krankheit, die sich in den vergangenen Wochen durch «kaum erkennbare Symptome» anbahnte, der Grund gewesen. Was können Sportvereine tun, um solch schlimme Ereignisse wenn möglich zu verhindern? Das fragten wir den Sportmediziner Urs Müller.

Urs Müller, gibt es eine Möglichkeit, so tragische Ereignisse zu verhindern?

Urs Müller*: Wahrscheinlich nicht, und das ist das grösste Problem bei einem so tragischen Ereignis. Die Sportvereine sorgen zwar dafür, dass Hausärzte oder ihre Vereinsärzte regelmässige Routineuntersuchungen anbieten und durchführen. Gerade um zu kontrollieren, ob bei den Sportlern etwas auffällig ist. Zusätzlich werden die Sportler zu ihrem Gesundheitszustand und der familiären Vorbelastung befragt. Doch wenn die Sportler keine Symptome aufzeigen, was durchaus möglich ist, ist es schwierig.

Müsste man die Routineuntersuchungen engmaschiger durchführen?

Müller: Die Schweizerische Gesellschaft für Sportmedizin empfiehlt aufgrund wissenschaftlicher Untersuchungen, die Sportler alle zwei Jahre zu untersuchen. Es gibt Tausende Kinder, die Sport treiben, und jedes ist in irgendeine ärztliche und somit präventive Betreuung eingebunden – ob beim Schulmediziner, Hausarzt oder Vereinsarzt. Doch gerade Jugendliche in der Pubertät, die schnell wachsen, sind anfällig für Sportverletzungen. Bei ihnen kann es Sinn machen, sie jährlich oder bei Hochrisikosportarten sogar halbjährlich zu untersuchen.

Was können mögliche Gründe sein, dass ein junger Mensch so unerwartet nach dem Sport stirbt, und wie geht man damit um?

Müller: Vorweg muss ich sagen, dass ich zum vorliegenden Fall keine Aussagen machen darf. Es versteht sich, dass die Ursachen wenn immer möglich geklärt werden. Es ist die Aufgabe der behandelnden Ärzte, mit den Angehörigen zu sprechen und, wenn die Erlaubnis vorliegt, das Umfeld des Spielers mit einzubeziehen. Es ist für alle involvierten Personen eine ganz schwierige Zeit, die professionelle Hilfe benötigt. Generell können mögliche Ursachen für einen unerwarteten Tod Infektionen sein wie etwa eine Meningitis oder das Pfeiffersche Drüsenfieber. Genauso möglich sind Herzrhythmusprobleme, Herzmuskelerkrankungen oder eine genetische Veranlagung für eine Erkrankung.

Gibt es bei solchen Erkrankungen keine Symptome, die Anzeichen sein könnten?

Müller: Das ist eben das Schwierige. Nehmen wir als Beispiel das Pfeiffersche Drüsenfieber. Es verläuft in den meisten Fällen absolut symptomlos; es kann aber auch mit einem sehr schweren Verlauf, der mit dem Tod endet, einhergehen. Oder eine Meningitis. Sie kann wie aus dem Nichts kommen und innert Stunden einen dramatischen und fulminanten, nicht selten tödlichen Verlauf nehmen. Hinzu kommt, dass leichte Symptome wie Halsschmerzen oder Husten zwar meistens rasch bessern, aber eben auch der Anfang einer ernsthaften Erkrankung sein können.

Was empfehlen Sie?

Müller: Man soll den gesunden Menschenverstand walten lassen. Wenn man länger als drei bis vier Tage leichte Grippesymptome hat, sollte man sich überlegen, ob man das nicht doch mal vom Hausarzt abklären lässt. Und wenn sich an der Sportintensivität etwas ändert, empfiehlt es sich, auf seinen Körper besonders zu achten. Sollte in der Familie eine Erkrankung vorliegen, muss man das in jedem Fall dem Vereinsarzt oder dem Hausarzt mitteilen.

Was können die Eltern tun?

Müller: Wichtig ist, dass die Jugendlichen und Eltern sensibilisiert werden. Ein immer wieder brennendes Thema sind junge Frauen, die die Pille nehmen. Es kann durch die Kombination Pille, Sport und zu wenig Trinken zu einer Thrombose oder einer Lungenembolie kommen. Die Jugendlichen müssen über mögliche Gefahren und frühe Symptome aufgeklärt sein.

Hinweis

* Urs Müller ist Co-Chefarzt Orthopädie und Leiter Sportmedizin am Kantonsspital Luzern. Er ist unter anderem auch Vereinsarzt des HC Luzern.