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LUZERN: Tötungsdelikt Hohenrain: Es war doch der Mazedonier

Drei Männer haben 2009 nach einem Fest in Hochdorf eine Gruppe von Brasilianern angegriffen und einen von ihnen umgebracht. Trotz umfangreicher Vertuschungsaktionen ist für das Kriminalgericht nun klar, wer der Täter war.
Eingangs Hohenrain passierte es: ein 24-Jähriger erlitt nach einem Streit tödliche Verletzungen. (Bild: Roger Zbinden)

Eingangs Hohenrain passierte es: ein 24-Jähriger erlitt nach einem Streit tödliche Verletzungen. (Bild: Roger Zbinden)

Lena Berger

lena.berger@luzernerzeitung.ch

Was in den frühen Morgenstunden des 9. August 2009 geschah, ist in dieser Form im luzernischen Seetal beispiellos. Ein junger Mann, Vilmar H., gerade mal 24 Jahre alt, wurde auf offener Strasse erstochen. Er starb an Ort und Stelle, nachdem er von einer Gruppe Osteuropäer angegriffen wurde.

Wer ist für den Tod des brasilianischen Bauernpraktikanten verantwortlich? Diese Frage hat das Kriminalgericht beschäftigt. Von den drei Angeklagten will es keiner gewesen sein. Zwei der Beschuldigten sagten aus, der Dritte sei es gewesen. Dieser wiederum war nach dem Vorfall im Kosovo abgetaucht. Verwertbare Spuren gab es kaum, da die drei Beschuldigten diese minutiös vernichtet hatten.

«Was genau sich abgespielt hat, wird nie mehr im Detail geklärt werden können», räumte die vorsitzende Richterin am Dienstag zu Beginn der Urteilsverkündung ein. Trotzdem ist für das Luzerner Kriminalgericht klar, wer der Täter ist. Es handelt sich um einen heute 35-jährigen Mazedonier.

Der Mazedonier soll mehr als acht Jahre ins Gefängnis

Das Gericht stützte sich bei seiner Beurteilung auf die Aussagen der überlebenden Brasilianer, welche diese kurz nach der Tat gemacht hatten. Alle schilderten, sie seien von einem «Muskulösen», einem «Langhaarigen» und einem «kleinen Dritten» angegriffen worden, die mit einem Pfefferspray, einem Hammer und einem Messer bewaffnet gewesen seien. Die drei Osteuropäer hatten die Gruppe verfolgt, weil sich der Muskulöse in einer vorhergegangenen Rangelei eine blutige Lippe eingefangen hatte. Dieser fühlte sich gedemütigt und ging daher direkt auf den Brasilianer los, von dem er einen Faustschlag kassiert hatte. Sein Freund, der die Haare zu dem Zeitpunkt lang trug, bewaffnete sich mit einem Hammer und stürzte sich ebenfalls ins Gefecht. Der Dritte folge auf dem Fusse.

Zwei Brasilianern gelang in dieser Situation die Flucht ins Wiesland. Sie bekamen aber mit, wie sich die drei Angreifer nun auf die verbliebenen beiden Brasilianer konzentrierten. Der Muskulöse habe sich den Hammer geschnappt und auf seinen Widersacher eingeschlagen. In dieser Situation habe Vilmar H. seinem Freund zu Hilfe eilen wollen, aber der langhaarige Mazedonier habe sich ihm in den Weg gestellt. Das Gericht geht davon aus, dass er in diesem Zweikampf das Messer aus der Hose zückte und es Vilmar H. in die Brust rammte.

«Der Beschuldigte zeigte eine grosse Gewaltbereitschaft. Er ging mit einem Hammer auf eine Gruppe von Menschen los und zückte ein Messer, als ihm dieser abhanden kam. Er ging brutal und skrupellos vor», sagte die vorsitzende Richterin an der Urteilsverkündung. Er wurde daher der eventualvorsätzlichen Tötung, des Angriffs sowie weiterer Delikte schuldig gesprochen. Das Kriminalgericht hat eine Freiheitsstrafe von acht Jahren und drei Monaten verhängt – zusätzlich zu einer Geldstrafe. Weiter soll er den Eltern des Opfers je 15 000 Franken Genugtuung bezahlen.

Das Verfahren gegen den Täter war eingestellt

Der Initiator des Ganzen, der muskulöse Mann mit dem Stiernacken, wurde wegen Angriffs und weiterer Delikte schuldig gesprochen. Er soll 3,5 Jahre hinter Gitter. «Er war besessen davon, sich für den Faustschlag zu revanchieren. Richtige Reue und Einsicht sind bei allen Beschuldigten nicht erkennbar», sagte die Richterin. Der Dritte im Bunde, der in der Zwischenzeit in den Kosovo zurückgereist ist, wurde auch wegen Angriffs verurteilt – zu einer Freiheitsstrafe von 2,5 Jahren.

Eines sticht an diesem Fall ins Auge: Ausschlaggebend für die Verurteilung des Haupttäters waren für das Gericht die Aussagen der überlebenden Brasilianer. Diese lagen schon kurz nach der Tat vor. Nichtsdestotrotz dauerte das Verfahren acht Jahre. Und die Staatsanwaltschaft hatte das Verfahren gegen den Mazedonier wegen vorsätzlicher Tötung zwischenzeitlich sogar eingestellt. Wie kann das sein? Simon Kopp, Sprecher der Luzerner Untersuchungsbehörden, sagt dazu: «Gegen diesen Beschuldigten lagen zwar Aussagen vor, aber im Zentrum unserer Ermittlungen stand der dritte Mann, der in den Kosovo geflüchtet war.» Es habe Jahre gedauert, bis die kosovarischen Behörden eingelenkt hätten und man den Mann habe befragen können. «Als die Befragung endlich stattfinden konnte, warfen die Aussagen ein anderes Licht auf den Fall», erklärt Kopp. Der Grund für die Länge des Verfahrens liege daran, dass die kosovarischen Behörden so lange untätig geblieben seien.

Ob die zwei in der Schweiz lebenden Beschuldigten ausgewiesen werden, darüber entscheidet das Amt für Migration. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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