Tourismusabgabe: Luzern Tourismus und Airbnb spannen zusammen

Airbnb zieht ab dem 1. Januar 2020 bei Buchungen im Kanton Luzern auch gleich die Tourismusabgaben pro Übernachtung und pro Person ein. Das hat die Buchungsplattform mit Luzern-Tourismus vereinbart.

Fabienne Mühlemann
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Blick in eine von mehreren hundert Luzerner Wohnungen, deren Mieterin ihr Zuhause über Airbnb anbietet.

Blick in eine von mehreren hundert Luzerner Wohnungen, deren Mieterin ihr Zuhause über Airbnb anbietet. 

Bild: Nadia Schärli (26. August 2019)

Ab dem 1. Januar werden im Kanton Luzern bei einer Buchung auf Airbnb die Tourismusabgaben pro Übernachtung und pro Person automatisiert beim Buchungsvorgang eingezogen. Airbnb überweist sie dann an Luzern Tourismus. Dazu haben Airbnb und Luzern Tourismus eine Vereinbarung unterschrieben, wie sie am Mittwoch bekannt gegeben haben.

«Es ist für uns eine grosse Erleichterung, dass wir die Verhandlungen mit Airbnb nach über einem Jahr erfolgreich abschliessen konnten»

, sagt Luzern-Tourismus-Direktor Marcel Perren. Airbnb ist die erste Übernachtungs-Plattform, mit der Luzern Tourismus eine Vereinbarung betreffend der Tourismusabgaben schliesst. Die Tourismusabgaben belaufen sich in der Stadt Luzern übrigens auf 2,80 Franken. Sie setzen sich zusammen aus 50 Rappen kantonale Beherbergungstaxe, 50 Rappen kommunale Beherbergungstaxe und der Kurtaxe von 1,80 Franken, wobei die Kurtaxen je nach Gemeinde unterschiedlich geregelt sind.

Entlastung für Vermieter

Mit der Vereinbarung soll für die Touristen und die Gastgeber auf Airbnb der administrative Aufwand reduziert werden. Denn bisher waren im Kanton Luzern die Vermieter selbstständig für das Einziehen der Tourismusabgabe und das Abgeben an die jeweiligen Tourismusverbände zuständig. Mit dem automatischen Einzug der Tourismusabgaben bei der Buchung werden also vor allem die Vermieter entlastet. «Airbnb ist auch in Luzern zunehmend begehrt. Für uns ist es insofern wichtig, dass wir zufriedene Gäste und Gastgeber haben», sagt Perren. Ausserdem seien nun die Tourismusabgaben dieser Unterkunftsform klar geregelt.

Luzerner Hoteliers hatten immer wieder bemängelt, dass nicht mit gleich langen Spiessen gemessen werde. Denn private oder kleine Anbieter können eine Abgabe umgehen, wenn sie sich nicht von selber bei der Gemeinde melden, oder die Behörden müssen teils mit aufwendiger Recherche prüfen, wer zahlungspflichtig ist.

«Mit der neuen Vereinbarung ist nun alles transparent, einfach und digital gelöst», sagt Perren. Luzern Tourismus weist die Abgaben gegebenenfalls an die regionalen Tourismusorganisationen weiter. Die Vereinbarung unterzeichnet haben neben Luzern Tourismus auch Seetal-Tourismus, Sempachersee-Tourismus, Sörenberg-Flühli-Tourismus, die Tourismusregion Weggis-Vitznau-Rigi und Willisau-Tourismus. Insgesamt kommt diese digitale Lösung in 80 der 83 Luzerner Gemeinden zum Zug. Mit Luzern sind es nun sechs Kantone, mit welchen Airbnb in der Schweiz solche Vereinbarungen abgeschlossen hat. Dazu gehören noch Schaffhausen, Zürich, Basel-Landschaft, Basel-Stadt und Zug.

«Ich weiss von Zug und Basel Stadt, dass sie sehr gute Erfahrungen mit dieser neuen Lösung gemacht haben», sagt Perren. Weltweit hat Airbnb bereits mit über 500 Städten und Regionen Vereinbarungen zur automatisierten Einziehung der Tourismusabgaben abgeschlossen. Im Kanton Luzern werden von den Gastgebern auf Airbnb rund 1000 Unterkünfte angeboten, was schweizweit einem Anteil von 2,75 Prozent entspricht.

Airbnb immer wieder in der Kritik

Erst im August hatte die Luzerner Mieter-Lobby Airbnb öffentlich kritisiert. Laut den beiden SP-Politiker David Roth und Cyrill Studer Korevaar zerstören professionelle Anbieter von Wohnungen auf Online-Plattformen wie Airbnb in Luzern Wohnraum und verursachen hohe Steuerausfälle, so die beiden. Der Grosse Stadtrat hat im September die Motion von SP/Juso überwiesen, die eine Steuerung von professionellen Airbnb-Angeboten fordert. Konkret muss der Luzerner Stadtrat nun möglichst bald Massnahmen zur Regulierung der touristischen Nutzung von Wohnungen vorlegen. Er will der Baukommission bereits im kommenden Februar erste Möglichkeiten aufzeigen.

Das gilt es bei der Vermietung über Airbnb zu beachten:

(chi) Die Plattform Airbnb steht allen Anbietern offen, die temporär eine freie Unterkunft zu vermieten haben. Dabei gilt es besonders für Mieter einige Punkte zu beachten:

- Bevor ein Objekt auf Airbnb ausgeschrieben wird, muss der Mieter von seinem Vermieter die Erlaubnis einholen, dass er die Wohnung für eine befristete Zeit untervermieten darf.

- Bei einer Untermiete ist der Mieter verpflichtet, den Mietzins, den er von den Airbnb-Gästen verlangt, dem Vermieter mitzuteilen.

- Wenn missbräuchliche Bedingungen vorliegen, kann der Vermieter eine Untermiete verbieten. Der Vermieter kann seine Zustimmung beispielsweise verweigern, wenn das Mietobjekt in der Untermiete überbelegt wird oder die Gäste mit ihrem Verhalten die Nachbarn stören.

- Auch dürfen Objekte gemäss Mietrecht nicht untervermietet werden, wenn sich der Mieter durch einen überhöhten Mietzins bereichern will. Ein angemessener Aufpreis für Reinigung, Administration und Möblierung darf verlangt werden.

- Der Mieter haftet für Schäden, die der Untermieter anrichtet. Daher empfiehlt es sich, einen schriftlichen Vertrag abzuschliessen.

Dass es sich lohnt, die Richtlinien aus dem Mietrecht zu beachten, zeigt ein Fall aus der Stadt Zürich: Dort wurde 2017 ein Mieter gebüsst, der seine Wohnung über Airbnb untervermietet hat. Andere Mieter haben sich über das Verhalten der Gäste gestört. Das Urteil des Mietgerichts lautete wie folgt: «Bietet der Mieter aufgrund seines Verhaltens in der Vergangenheit keine Gewähr für eine korrekte Untervermietung über Buchungsplattformen, kann ihm diese ganz untersagt werden.»

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