LUZERN: Touristen ärgern sich über Taxis

Taxifahrer, die eine Fahrt wegen zu kurzer Strecke verweigern oder zu viel Geld verlangen. Das sorgt für Ärger bei Touristen. Die Stadt sieht die Taxihalter in der Pflicht.

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Ein Taxifahrer, hier am Luzerner Bahnhof. (Archivbild Neue LZ)

Ein Taxifahrer, hier am Luzerner Bahnhof. (Archivbild Neue LZ)

Sandra Monika Ziegler

Die Luzerner Altstadt ist eine Fussgängerzone und grundsätzlich für den motorisierten Verkehr gesperrt. Das grundsätzliche Fahrverbot, die sogenannte Sperrzeit, gilt von 10 bis 6 Uhr. Für spätere Zufahrten braucht es eine Bewilligung – ausser für Taxifahrer. Sie dürfen Gäste ohne Bewilligung durch die Altstadt fahren. Doch nicht immer passt das den Taxifahrern. Grund: Die Strecke ist zu kurz, die Einnahmen zu knapp.

Nur bis zum Schwanenplatz

Diesen Unwillen erlebte ein 85-jähriger Mann, der namentlich nicht genannt werden möchte, abends um 23 Uhr: «Nach einer Einladung zum Nachtessen bestellte ich ein Taxi, um zurück ins Hotel des Balances gefahren zu werden. Als ich das Fahrziel bekannt gab, wollte der Taxifahrer nur bis zum Schwanenplatz fahren und forderte mich auf, den Rest zu Fuss zu gehen. Das wollte ich nicht um diese Zeit. Erst nach längerer Diskussion konnte ich mich dann durchsetzen und wurde vor dem Hotel abgesetzt.»

Gebüsst in der Altstadt

Sein Zögern habe der Taxifahrer mit dem Fahrverbot begründet und noch nachgedoppelt, für eine Altstadtfahrt bereits einmal mit 150 Franken gebüsst worden zu sein. Doch gebüsst werden Taxifahrer nur, wenn sie die Fahrt durch die Altstadt als Abkürzung nutzen. Dass dies vorkommt, bestätigt die Luzerner Polizei auf Anfrage: «Wir haben auch schon Taxifahrer gebüsst, welche die Altstadt nur als Abkürzung miss­brauchten und nicht Gäste befördert hat­ten», sagt Mediensprecher Urs ­Wigger.

Meist wird beim Hotel reklamiert

Doch kommt es häufig zu Reklamationen von Touristen? «Eher selten und nur vereinzelt. Wenn reklamiert wird, dann meist direkt beim Hotel», sagt Tourismusdirektor Marcel Perren und fügt an: «In diesem Zusammenhang wurde vom Verband Luzern Hotels eine Umfrage bei den Mitgliedern gemacht.»

Einige Luzerner Hoteliers befragten ihre Gäste bei der Ankunft über den Taxiservice. Die Rückmeldungen waren aufschlussreich. So gaben etwa die Hotels Radisson Blu, Schweizerhof oder Wilden Mann an, dass es Taxifahrer gebe, die einen Transport abgelehnt haben, weil ihnen der Weg vom Bahnhof her zu kurz war.

Ein krasses Beispiel als Folge der Fahrverweigerung schildert Luzern-Hotels-Präsident Patric Graber: «Ein älterer Gast, welcher nicht zum Hotel Schweizerhof chauffiert wurde, musste zu Fuss über die Seebrücke. Als er kurz innehielt, um sich auszuruhen, wurde er überfallen und sein Koffer mit sehr teuren, antiken Gegenständen gestohlen.» Der Vorfall sei zwar schon mehrere Jahre her, doch auch im Sommer 2014 seien zweimal Gästen auf dem Fussweg zum Hotel die Brieftasche gestohlen worden. Ihnen ist zuvor die Taxifahrt verweigert worden, sagt Graber.

Diverse Preise für gleiche Strecke

Punkto Bezahlung wurde laut Umfrage bemängelt, dass einige Taxifahrer keine Quittung ausgestellt hätten, nicht halfen, das Gepäck zur Réception zu bringen oder dass sie weder Kreditkarten noch Euros akzeptierten. Dies sei besonders ärgerlich, da viele Gäste direkt aus dem Euroraum kämen und noch keine Schweizer Franken gewechselt hätten, so Patric Graber. Auch wurden zum Beispiel für Fahrten vom Bahnhof zum Hotel Château Gütsch für eine einfache Fahrt Preise zwischen 20 und 40 Franken verrechnet. Von Luzern Hotels ist dazu zu erfahren: «Die Preisberechnung ist uns zum Teil schleierhaft. Es werden offensichtlich nicht immer die gleichen Tarife angewendet.» Wünschenswert wäre laut Luzern Hotels auch, dass Taxifahrer sich ein bisschen mit der englischen Sprache auseinandersetzen würden. Luzerner Hoteliers gaben in der Umfrage an: «Oftmals versteht der Chauffeur den Gast überhaupt nicht und kommt mit ins Hotel, um es sich übersetzen zu lassen.»

Stadt schaltet sich ein

Die Gäste-Erfahrungen wurden an die städtischen Behörden weitergeleitet. Dienstabteilung Stadtraum und Veranstaltungen hat sich im Interesse einer Qualitätssteigerung an die Taxiunternehmer gewendet. Mario Lütolf, Leiter der Dienstabteilung, sagt: «Nach Kenntnisnahme dieser Ergebnisse haben wir die Inhaber der Taxibetriebsbewilligungen aufgefordert, der Qualität vermehrt Beachtung zu schenken und die Mängel ernst zu nehmen.»

Taxihalter und Mitglied der Taxikommission Oskar Imhof sind die Mängel bekannt. Zum Thema Fahrtverweigerung hält er jedoch fest, dass Taxifahrer eine Beförderungspflicht haben, ausser sie fühlen sich an Leib und Leben bedroht. Dass Taxifahrer Kurzstrecken öfters ablehnen, weiss er und sagt: «Vielfach wird dies aus finanziellen Gründen gemacht, doch da kann ich nur sagen: Wer zu wenig verdient, muss den Job wechseln.» An seine Fahrer gibt er die Devise weiter, dass jede Fahrt ausgeführt wird. Doch es gebe auch Fahrer, die seien ihr eigener Chef und die fahren auf eigene Rechnung.