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LUZERN: Touristen auf der Strasse werden zur Gefahr für Buspassagiere

In der Stadt kommt es zwischen Touristengruppen und Bussen immer häufiger zu brenzligen Situationen. Die VBL wollen jetzt handeln – und nehmen Reiseleiter in die Pflicht.
Lena Berger
Asiatische Touristen verursachen beim Fotografieren auf der Seebrücke öfter heikle Verkehrssituationen, weil sie das ganze Bergpanorama aufs Bild bringen wollen. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Asiatische Touristen verursachen beim Fotografieren auf der Seebrücke öfter heikle Verkehrssituationen, weil sie das ganze Bergpanorama aufs Bild bringen wollen. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Dienstagmorgen, kurz vor 9 Uhr, Pilatusstrasse: Eine Touristengruppe rennt wie aus dem Nichts auf die offene Strasse. Im letzten Moment steht der Fahrer des 12er-Busses der Verkehrsbetriebe Luzern (VBL) bei voller Fahrt auf die Bremse. Viele Passagiere, die keinen Sitzplatz haben – einer davon ein Leser dieser Zeitung –, werden umgeworfen. «Der Bus bremste so abrupt, dass ich hingefallen bin und mir den Kopf angeschlagen habe», erzählt der Betroffene. Eine der Touristinnen hält einen Selfie-Stick in der Hand. Es sieht so aus, als wolle sie sich und ihren Mann mitten auf der Luzerner Hauptverkehrsachse vor dem Bus fotografieren. «Das Verhalten dieser Touristen finde ich das Letzte. Ich bin oft mit dem ÖV unterwegs – und solche Situationen passieren immer wieder. Es ist ein Wunder, dass es nicht häufiger zu Unfällen kommt.»

Tragischer Todesfall im März

Stopp-Unfälle kommen in Luzern häufig vor. Pro Jahr werden rund 50 Passagiere verletzt, weil Busse wegen eines Zwischenfalls auf der Strasse notfallmässig abbremsen müssen. «Wenn die Chauffeure einen Notstopp machen müssen, melden sie dies der Leitstelle», sagt VBL-Sprecher Christian Bertschi. Meist bleibt es bei Blutergüssen oder Prellungen – aber leider nicht immer. Erst im März verstarb eine Passagierin nach einer Vollbremsung. Der Bus musste einen Notstopp einlegen, weil eine Reisegruppe die Pilatusstrasse bei Rot überquerte.

Etwas weniger tragisch endete ein Vorfall im August 2013, als ein Bus bei der Haltestelle Maihof abrupt abbremsen musste. Eine Fussgängerin war plötzlich vom Trottoir auf die Strasse gestürzt. Die Frau hatte Glück, im Bus wurden allerdings acht Passagiere verletzt, zwei davon mussten zur Kontrolle ins Spital.

VBL warnen die Fahrgäste

Seit dem schweren Unfall im März mahnen die VBL ihre Passagiere über die Screens in den Bussen und teilweise auch über Durchsagen, dass sie sich während der Fahrt festhalten sollen. Bertschi: «Dass abgebremst werden muss, kann immer vorkommen. Viele Verletzungen könnten verhindert werden, wenn sich die Fahrgäste festhalten würden und nicht abgelenkt wären – zum Beispiel durch ihr Handy.»

Gemäss VBL-Sprecher Christian Bertschi nimmt die in den Tagesjournalen verzeichnete Zahl der brenzligen Situationen zwischen Bussen und Fussgängern zu. «Wir stellen das Problem besonders bei asiatischen Reisegruppen fest. Gerade auf der Seebrücke, am Schwanenplatz und beim Schweizerhofquai kommt es immer wieder vor, dass sie nicht den Fussgängerstreifen benutzen oder sich mit ihren Kameras mitten auf die Strasse stellen, um ihre Begleiter mitsamt dem See und dem Bergpanorama auf ein Bild zu bekommen.» Auch am Löwenplatz würden oft ganze Gruppen die Strasse bei Rot überqueren. «Dort ist die Situation für die Busfahrer aber etwas übersichtlicher.»

Bei der VBL ist man aufgrund der verzeichneten Zunahme von Stopp-Unfällen besorgt – und will nun handeln. «Dass Gruppenreisende sich nicht unbedingt über die Gepflogenheiten eines Landes informieren, finde ich nachvollziehbar. Deshalb müsste man die Reiseleiter in die Pflicht nehmen. Sie sollen ihre Gäste sensibilisieren», findet Bertschi. Man stehe mit Luzerner Tourismusorganisationen in Kontakt und werde das Thema mit ihnen besprechen. «Wir wollen nicht zuerst einen weiteren schweren Unfall mit Toten erleben müssen.»

Auch Hotels sollen informieren

Bei Luzern Tourismus rennen die VBL offene Türen ein. «Es ist auch für uns sehr wichtig, alles zu tun, was möglich ist, um Unfälle zu vermeiden», sagt Sprecherin Sibylle Gerardi. Die Sache mit den Selfie-Sticks, das Fotografieren und SMS-Schreiben auf der Strasse sei leider heute allgemein ein Problem im Alltag und sehr gefährlich. «Wir werden Stadtführerinnen, die mit Gruppen in der Stadt unterwegs sind, nochmals explizit darauf aufmerksam machen.»

Weiter versuche man, die Gruppen bei Stadtführungen auf 25 Personen zu beschränken. «Ist die Gruppe zu gross, ist es schwieriger, alles im Auge zu behalten.» Auch die «Friendly Hosts», die mobilen Gästebetreuer, werden sensibilisiert und weisen auf die Gefahr hin. In Luzern seien aber auch viele Tagesausflügler und weitere Anbieter von Führungen unterwegs. «Die von Luzern Tourismus betreuten Gruppen machen einen sehr geringen Anteil aus. Es ist wichtig, dass alle Beteiligten, also auch Hotels, Geschäfte, sonstige Anbieter und die Verkehrspolizei, hier unterstützen.»

China: Ein organisiertes Chaos

Doch woran liegt es, dass gerade chinesische Touristen häufig einfach loslaufen? Die in Peking geborene Schweizer Unternehmerin Yunsong Xing Sutter erklärt den kulturellen Unterschied: «In China sind es die Leute gewohnt, die Strasse irgendwo zu überqueren. Fussgängerstreifen werden weder von ihnen noch von den Autofahrern besonders beachtet.» Entsprechend seien Letztere darauf gefasst, dass im Strassenverkehr alles passieren könne. «Es ist ein organisiertes Chaos, das irgendwie funktioniert. In der Schweiz ist das anders.» Sutter findet, die Reiseleiter sollten Aufklärungsarbeit leisten. «Die Touristen müssen wissen, dass die Autos hier nicht automatisch anhalten – sonst sind sie sich der Gefahr gar nicht bewusst.»

Lena Berger

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