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LUZERN: Tradition gibts direkt ums Eck

In der Stadt sind sie selten geworden. Doch einige Handwerksbetriebe erleben gerade eine neue Blütezeit. Gerade, weil Warenhäuser ihnen Konkurrenz machen.
Christian Hodel
Ob Polsterei, Hutmacherei oder exquisite Kleider: Das traditionelle Handwerk lebt – auch in der Stadt Luzern. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Ob Polsterei, Hutmacherei oder exquisite Kleider: Das traditionelle Handwerk lebt – auch in der Stadt Luzern. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Christian Hodel

Man fühlt sich in eine andere Zeit versetzt: Auf dem Tisch liegt ein bunt bemaltes Kirchenfenster, Skulpturen stehen in den Regalen: Glas – weit und breit. 1893 wurde die Luzernische Glasmalerei gegründet. Vor einigen Jahren zügelte das Atelier in einen Innenhof – etwas versteckt zwischen dem Hirschengraben und der Bruchstrasse. Fernab der Touristen-Hotspots hat sich inmitten der Stadt Luzern eine alte Handwerkstradition erhalten.

Der letzte Betrieb seiner Art

Es ist ein Nischenmarkt, den Christoph Stooss mit seiner Frau Marlies und den zwei Mitarbeitern bedient. So ergeht es allen traditionellen Handwerksbetrieben. Wie viele es in der Stadt Luzern derzeit noch gibt, ist unklar, sagt Alex Willener, Dozent an der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit (HSLU). Aber es werden immer weniger. 20 hat er und sein Team in den vergangenen Monaten im Rahmen eines Projekts kontaktiert. Daraus ist der «Tag des Handwerks» entstanden. Gestern zeigten sich die verschiedenen Handwerksgeschäfte der Bevölkerung – so auch die Luzernische Glasmalerei von Christoph Stooss.

Im Kanton Luzern ist es der letzte Betrieb seiner Art. «Ich wehre mich tapfer, dass es uns auch in Zukunft noch geben wird», sagt Stooss. Dies hänge vor allem davon ab, ob weiterhin eine Lehre für diesen Beruf angeboten werde. «Es gab vor einigen Jahren Bestrebungen, das Glasmalen als selbstständigen Beruf abzuschaffen.» Stooss war an vorderster Front dabei, um dies zu verhindern. Aktuell gibt es in der Schweiz rund eine Handvoll Lehrlinge, die das traditionelle Handwerk von der Pike auf lernen. «Mehr verträgt der Markt auch nicht», sagt Stooss und fügt an: «Die Gefahr besteht, dass dieses Kulturgut langsam verloren geht.»

Im Trend: Mut zum Hut

Der Beruf des Glasmalers stuft der Bund in einer Studie als «mittel gefährdetes Handwerk» ein (siehe Kasten). Genauso jenes des Hutmachers. Diesen Beruf hat vor über 30 Jahren Caroline Felber erlernt. Neben der Hofkirche – an bester Lage – führt sie ihr Hutgeschäft. Früher habe es nur wenige Kunden gegeben, die unter 60 Jahre alt waren, sagt sie. «Heute sind Hü­-te wieder voll im Trend.» In ihrem Atelier gibt es sie in allen Formen, Farben und Preisen. Zwischen 30 und 3000 Franken kostet ein Stück. Der Trend zum Hut habe auch damit zu tun, dass grosse Warenhäuser diese aus den «hinteren Ecken in den Geschäften hervorholen» und prominent platzieren, sagt Felber und fügt an: «Das Geschäft mit dem Hut ist in den vergangenen Jahren lebendiger, und vor allem viel farbiger geworden.»

«Gutes Handwerk reicht nicht mehr»

Mit Farben und vor allem Mustern kennt sich Monig Z’Rotz aus. An der Voltastrasse 43 hat sich die Innendekorateurin eingerichtet. Neben Vorhängen fabriziert und restauriert sie in ihrer Polsterei auch Sessel. «Gutes Handwerk reicht heute nicht mehr aus. Man muss auch gutes Design liefern», sagt sie. Ihre Kunden setzen auf Exklusivität. «Es sind Einzelstücke, die ich hier herstelle oder repariere. Anstatt ein Gemälde kaufen sich meine Kunden halt einen Sessel.» Sie sei derzeit auf bis zu drei Monate mit Arbeit ausgebucht. «Ich bin selbst überrascht, dass es mit der Polsterei so gut läuft», sagt Z’Rotz, die sich vor drei Jahren ihr Unternehmen aufbaute.

Birgit Käch tat dies bereits ein Jahrzehnt davor. «Viele haben genug von der Massenware und kaufen sich darum gerne zwischendurch ein Einzelstück, das massgefertigt ist», sagt sie. An der Hirschmattstrasse 33 stellt Käch exklusive Frauenmode her. Klassische Musik läuft im Hintergrund. Auf ihrem Arbeitstisch liegen Schnittmuster und edle Stoffe. Auf kleinem Raum näht sie die einzelnen Stoffteile zu einem Kleid. Mit der Enge kämpfen die meisten traditionellen Handwerksbetriebe. Die Mieten in der Stadt sind teuer. Jeder dazugemietete Quadratmeter kostet Geld. «Viele Betriebe arbeiten unter prekären Bedingungen und verdienen kein Vermögen mit ihrer Arbeit», sagt Alex Willener von der HSLU. Dennoch glaubt er, dass dieses Kulturgut in den Städten nicht aussterben wird. «Dank der Passion, die die Besitzer an den Tag legen, schaffen sie es, zu bestehen.»

Ein Video zum Tag des Handwerks finden Sie unter: www.luzernerzeitung.ch/video Unter www.luzernerzeitung.ch/bonus gibt es die Studie zur Bestandesaufnahme des Handwerks.

Diese Handwerke sind ausgestorben

Schweizchh. Wie steht es um unser Handwerk? Der Bund liess 2011 dazu eine Studie verfassen. Das Fazit: Die Schweiz kennt 307 traditionelle Handwerke – für 137 gibt es eine Lehre. 79 Handwerke stuft der Bund als besonders gefährdet ein, 23 sind bereits ausgestorben. Anbei eine Auswahl der Handwerke, die verschwunden sind:

  • Bleicher: Er bereitete Garne und Gewebe zur Weiterverarbeitung auf.
  • Eissäger: Vor dem Zeitalter des Kühlschranks war die Herstellung von Eisquadern sein Geschäft.
  • Flösser: Seine Aufgabe bestand darin, gefällte Baumstämme per Wasser zu transportieren.
  • Hafenbinder: Im Dialekt «Beckibüezer» genannt, beschäftige sich mit der Reparatur von kupfernem und eisernem Geschirr.
  • Leimsieder/Pechsieder: Sie stellten aus verschiedenen Materialien Klebestoffe her.
  • Nieter: Er fertigte Nieten an. Rechenmacher: Er stellte Holz-Rechen für die Gartenarbeit her.
  • Ringpanzerschmied: Zuständig für die Kettenrüstung für Ritter.
  • Schirmmacher: Er entwarf und fertigte Schirme.
  • Spiegelschleifer: Er formte und machte Spiegel.
  • Stempelschneider: Er beherrschte die Kunst, Figuren, Wappen und Buchstaben in verschiedene Materialen für Stempel darzustellen.
  • Verhütter: Er beschäftigte sich mit dem Erwärmen von Eisen.
  • Vogelfänger: Er fing Vögel zum Essen, als Zierde und Singvögel.
  • Wachsbossierer: Er fertigte aus Wachs plastische Gebilde an.
Am Hirschengraben gibt es den einzigen Betrieb im Kanton Luzern für Glasmalerei. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Am Hirschengraben gibt es den einzigen Betrieb im Kanton Luzern für Glasmalerei. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Blick in eine Hutmacherei in der Stadt Luzern. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Blick in eine Hutmacherei in der Stadt Luzern. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Ob Polsterei, Hutmacherei oder exquisite Kleider: Das traditionelle Handwerk lebt – auch in der Stadt Luzern. Bilder Nadia Schärli (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Ob Polsterei, Hutmacherei oder exquisite Kleider: Das traditionelle Handwerk lebt – auch in der Stadt Luzern. Bilder Nadia Schärli (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

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