LUZERN: Tram-Idee ist wieder auf dem Tapet

Mit dem neuen Bussystem auf der Linie 1 sind VBL und Verkehrsverbund auf dem richtigen Weg, sagt eine Studie. Für die Zukunft ist aber auch ein Tram eine Option.

Alexander von Däniken
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Ein Luzerner Tram am letzten Betriebstag im November 1961 auf der Pilatusstrasse vor dem heutigen Hotel Anker. (Bild Archiv VBL)

Ein Luzerner Tram am letzten Betriebstag im November 1961 auf der Pilatusstrasse vor dem heutigen Hotel Anker. (Bild Archiv VBL)

Wäre die Agglomeration Luzern ein Körper, hätte dieser mit verstopften Adern zu kämpfen. Besonders zu Stosszeiten stehen sich die Busse der Verkehrsbetriebe Luzern (VBL), Autos und Reisecars im Weg. Abhilfe soll das System R-Bus schaffen: neue Doppelgelenk-Trolleybusse (siehe Kasten) und eine Busbevorzugung auf der Linie 1, Luzerns Hauptschlagader. Doch ist der Schnellbus die richtige Lösung? Die Hochschule Luzern (HSLU) ist im Auftrag des Verkehrsverbunds Luzern dieser Frage nachgegangen – und hat gestern die Studienresultate präsentiert.

Vier Buslinien untersucht

Das Fazit der 64 Seiten starken Studie: Der R- oder Rapid-Bus ist für Stadt und Agglomeration die beste Lösung. Analysiert worden sind neben der Linie 1 auch die Linien 2 (Emmenbrücke), 6/8 (Hirtenhof–Würzenbach) und 12 (Littau). Die vier Linien sind am meisten frequentiert. Ausserdem kann so ein Vergleich mit Trams gezogen werden. In Zürich, Basel, Genf und Bern sind die Tramlinien zentrale ÖV-Adern.

Würde in Luzern ein Tramnetz auf den vier Linien eingeführt, hätte das gemäss der Studie Investitionen von knapp 900 Millionen Franken zur Folge. Das sind zwölf Mal mehr als beim R-Bus. Die geschätzten Betriebskosten wären beim Tramnetz 80 Millionen Franken pro Jahr (inklusive Amortisation der Investitionskosten) gegenüber 30 Millionen beim R-Bus. Allerdings können Trams auch mehr Passagiere transportieren. Das wiederum ist gemäss der Studie bis 2030 aber nicht nötig, weil das prognostizierte Verkehrswachstum von 40 Prozent auch mit R-Bus bewältigt werden kann. Voraussetzung ist laut Studienleiter Roger Sonderegger von der Hochschule Luzern, dass die Infrastruktur mit eigenen Busspuren, Fahrbahn-Haltestellen und bevorzugenden Lichtsignalanlagen ausgebaut ist: «Ein neuer Bus alleine bringt noch nichts.»

Erste Etappe: Busspur Pilatusstrasse

Christoph Zurflüh, Sprecher des Verkehrsverbunds Luzern, räumt ein, dass der R-Bus erst Fahrt aufnimmt, wenn die Infrastruktur angepasst ist. «Aber wir kommen Schritt für Schritt bis 2025 zum Erfolg.» Ist es denn nicht zu früh, schon jetzt die neuen Busse einzusetzen? «Die bisherigen Busse müssen sowieso aus Alters- und Kapazitätsgründen ersetzt werden», so Zurflüh. «Ausserdem wird im September mit der durchgehenden Busspur auf der Pilatusstrasse schon ein wichtiges Puzzle-Teil eingesetzt.»

Durchgehende Busspuren, Fahrbahn-Haltestellen, Vorfahrt übers Lichtsignal – das klingt nach Vorstufe zu einer Tramlinie. Auch die Studie spricht von einer «möglichen Wiedereinführung eines Tramnetzes» – was einem Trend entspricht. So hat zum Beispiel Genf in den letzten Jahren sein Tramnetz stetig ausgebaut. Sonderegger spricht denn auch von einer Verwandtschaft: «Von Gummi- zu Metallrädern ist es nur noch ein kleiner Schritt.» Zurflüh fügt an: «Wir wollen beinahe den Qualitätsstandard eines Trams zu Kosten eines Busses bieten.» Aber: «Ein Tram kann sich Luzern zurzeit nicht leisten, zumal es auch gilt, die S-Bahn weiter auszubauen.» Abgesehen von den Kosten ist laut Zurflüh auch die Nachfrage nicht gegeben. Das bis ins Jahr 2030 prognostizierte Wachstum lasse sich mit dem R-Bus bewältigen, rechtfertige aber die höheren Kapazitäten von Trams noch nicht. Dieser Meinung ist auch Sonderegger: «Kurz- bis mittelfristig ist ein Tram in Luzern nicht plausibel.»

R-Bus auch auf der Linie 2?

Und wenn der Verkehr doch stärker zunimmt? «Wir müssen jetzt etwas machen. Allenfalls kann die nächste Generation die Trampläne in Angriff nehmen», so Zurflüh. Vorerst gelte es, auf dem eingeschlagenen Weg weiterzufahren. «Vor allem in Luzern Nord geht derzeit die Post ab», sagt Zurflüh. «Darum ist es gut möglich, dass bald über R-Bus auf der Linie 2 diskutiert wird.»

Stadtrat Adrian Borgula sagt auf Anfrage: «Mit dem R-Bus wollen wir weiterfahren.» Wenn die Infrastruktur schrittweise auf das System angepasst werde, «dann haben wir einen Trolleybus annähernd mit Tram-Qualität». Ein Umstieg aufs vollwertige Tram sei alleine aufgrund der hohen Investitionen politisch und wirtschaftlich derzeit nicht machbar. «Aus heutiger Sicht war es vor über 50 Jahren ein Fehler, den Trambetrieb einzustellen.» Allerdings biete nun das R-Bus-System auch Vorteile: «Die Trolleybusse sind flexibler, etwa wenn Baustellen umfahren werden müssen.»

R-Bus

Kapazität:1800 Personenpro Fahrplanstunde im 4-Minuten-Takt.
Investitionen: 75 Millionen Franken ((für die vier Linien 1, 2, 6/8 und 12).
Betrieb: 30 Millionen Frankenpro Jahr.
Trolleybusse: seit 1941 in Luzern.

Tram

Kapazität: 2000 Personen pro Fahrplanstunde im 4-Minuten-Takt.
Investitionen: 900 Millionen Franken (für vier Linien 1, 2, 6/8 und 12).
Betrieb: 80 Millionen Franken pro Jahr.
Trambetrieb: In Luzern von 1899 bis 1961.