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LUZERN: Tresore und Alarmanlagen heiss begehrt

Immer mehr Luzerner lagern Geld und Schmuck daheim in einem Tresor, wie ein Schliesstechniker verrät. Auch Fenster und Türen werden besser verriegelt – trotz sinkender Einbruchszahl.
Alexander von Däniken
Erzielt jedes Jahr mehr Umsatz mit Tresoren und im Bereich Einbruchsschutz: Ronny Zaugg, Geschäftsführer der Zaugg Schliesstechnik AG, im Ausstellungsraum in Luzern. (Bild Pius Amrein)

Erzielt jedes Jahr mehr Umsatz mit Tresoren und im Bereich Einbruchsschutz: Ronny Zaugg, Geschäftsführer der Zaugg Schliesstechnik AG, im Ausstellungsraum in Luzern. (Bild Pius Amrein)

Alexander von Däniken

Gebühren nagen am Ersparten auf dem Bankkonto, Kunden befürchten, dass sich die Negativzinsen der Nationalbank bald auf ihr Sparbüchlein auswirken. Auch darum entscheiden sich immer mehr Leute für einen Tresor in den eigenen vier Wänden. Das bestätigt Ronny Zaugg, Geschäftsleiter der Zaugg Schliesstechnik AG in Luzern, welche auch Tresore verkauft: «Wir stellen eine steigende Nachfrage fest.» Angefangen habe der Trend aber schon 2008 während der Finanz- und Wirtschaftskrise, als die UBS mit Bundesgeldern gerettet werden musste.

In den letzten acht Jahren habe Zaugg darum viel in den Bereich Sicherheit investiert und sechs zusätzliche Mitarbeiter angestellt. Derzeit verfügt die Firma über 35 Angestellte. «Wir werden mit Anfragen überhäuft», sagt Zaugg.

Umsatz steigt zweistellig

Beim Tresor allein bleibe es in den meisten Fällen aber nicht. Ebenfalls stark nachgefragt würden Alarmanlagen, die immer öfter in Kombination mit einem Videoüberwachungssystem gekauft werden, sagt Zaugg. Und wenn die Kunden schon in seinem Laden stehen, erkundigen sie sich auch über die neusten Tür- und Fensterverriegelungen. Gerade bei den Türen sei eine sogenannte 3-Punkte-Verriegelung noch immer in vielen Häusern Standard. «Gewiefte Einbrecher bringen diese aber in kurzer Zeit auf», so Zaugg. Er empfiehlt darum Mehrfachverriegelungen, die an sechs Stellen gegen das Aufwuchten mittels Brecheisen oder Schraubenzieher gesichert sind. Der Preis variiert je nach Ausführung. Zauggs Umsatz bei Tresoren und im Einbruchsschutz steigere sich jedes Jahr um 10 bis 20 Prozent.

Wer nun denkt, Zauggs Kunden seien vor allem Einfamilienhausbesitzer, der irrt sich: «Es sind oft auch Wohnungsbesitzer oder -mieter, die eine höhere Einbruchssicherheit wünschen.»

Ästhetik vor Sicherheit

Denn anders als im benachbarten Ausland würden Mehrfamilienhäuser hierzulande nicht bereits beim Bau mit einbruchssicheren Türen und Fenstern versehen. «Hier legen wir mehr Wert auf Ästhetik und verzichten auf vergitterte Fenster im Erdgeschoss oder Hochparterre, obwohl sie den grössten Schutz bieten.»

Dass immer mehr in die Sicherheit von Wohnungen und Häusern investiert wird, erstaunt. Denn die Zahl der Einbruchsdiebstähle ist seit zwei Jahren rückläufig – im Kanton Luzern sank die Zahl von 2546 im Jahr 2013 auf 1844 letztes Jahr. «Allerdings entspricht die Sicherheit einem Grundbedürfnis. Dieses sehen viele Menschen aufgrund der organisierten Einbrecherbanden oder der Flüchtlingswelle gefährdet», vermutet Ronny Zaugg. Dazu kommt: Nur gerade jeder siebte Einbruchsdiebstahl wird gemäss der Luzerner Kriminalstatistik aufgeklärt.

Sicherheit hat ihren Preis

Eine Mehrheit der Bevölkerung dürfte auf eher günstige Tresore ausweichen. Vor allem Modelle aus dem Baumarkt sind gefragt, wie «Blick online» kürzlich berichtete. Wohl auch darum spürt die Rigi Tresorbau AG in Arth, die seit 30 Jahren hochwertige Tresore herstellt, vom Trend kaum etwas, wie Geschäftsführer Clemens Vetrella auf Anfrage erklärt: «Sobald das Gespräch auf den Preis kommt, schrecken viele Kunden zurück.» Mit knapp 2000 Franken müsse ein Kunde für einen Arther Tresor der kleinsten Ausführung rechnen. «Dafür ist er wesentlich sicherer als ein 500-Franken-Modell aus dem Baumarkt. Und die Wertsachen in einem solch stabilen Tresor lassen sich im Gegensatz zum Billig-Möbel auch versichern.»

Nachbarn werden schnell aktiv

Trotzdem glaubt Vetrella, der die Wertschränke vor allem an Zwischenhändler verkauft, dass in Zukunft noch mehr auch nach teureren Tresoren verlangt wird. «Sobald in einem Quartier eingebrochen wird, werden die Nachbarn hellhörig und erkundigen sich nach einem Tresor.» Inwiefern das schwindende Vertrauen in die Banken und die drohenden Negativzinsen eine Rolle spielen, kann Vetrella nicht beurteilen.

Klar ist hingegen, dass viele Unternehmen ihren Angestellten weniger vertrauen. Vetrella: «Ich verkaufe immer mehr Kassensysteme und Tresore, die mit einem individuellen Code ausgerüstet werden.» Weil das System jederzeit weiss, wer welche Beträge ein- oder ausbezahlt hat, ist es laut Vetrella für Angestellte schwieriger, Geld abzuzweigen.

Polizei: Leicht mehr Anfragen

Schlägt sich das erhöhte Sicherheitsbedürfnis auch auf die kostenlosen Beratungen der Polizeikorps nieder? «Im Bereich der elektronischen Überwachungsmassnahmen gibt es leicht mehr Anfragen», erklärt Judith Aklin, Mediensprecherin der Zuger Strafverfolgungsbehörden. «Dies führen wir auf das stark gestiegene Angebot von einfachen Lösungen in diesem Bereich durch den Elektronikfachhandel und die vielen Onlineshops zurück.»

Abgesehen davon stellt die Zuger Polizei weder eine Zunahme der Beratungsgespräche noch der Anfragen über Tresore fest. Bei Letzteren rät Aklin zu einem Modell mit einer Zahlencode-Verriegelung und einer festen Verankerung am Mauerwerk. «Wir empfehlen, sich umfassend über die verschiedenen Schutzklassen beraten zu lassen.»

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