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LUZERN: Treuhänder zockt seine Mandantin ab

Ein Luzerner Treuhänder erschwindelt sich von einer Kundin auf dreiste Art und Weise mehrere hunderttausend Franken. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den mutmasslichen Betrüger.
Thomas Heer
Über 400 00 Franken steckte ein Luzerner Treuhänder in seine eigene Tasche. Geld, das seiner Mandantin gehörte. Bild: Getty

Über 400 00 Franken steckte ein Luzerner Treuhänder in seine eigene Tasche. Geld, das seiner Mandantin gehörte. Bild: Getty

Opfer von Vermögensdelikten leiden oft noch Jahre nach dem Verbrechen an den psychischen Folgen – zum Beispiel Angstgefühlen nach einem Wohnungseinbruch. Oder Frustration, Selbstzweifel und Wut auf diejenige Person, die einen aufgrund von Täuschung und raffiniertem kriminellem Handeln zu Schaden kommen liess. Wie es im Inneren jener Frau aussieht, bei der es in diesem Artikel geht, ist schwierig zu sagen. Als Geschäftsfrau ist sie sich gewohnt, Contenance zu bewahren. Ihr Charakter verbietet ihr die unflätige Wortwahl. Und Selbstmitleid ist auch nicht ihr Ding. Am Holztisch in einem Stadtluzerner Restaurant sitzend, sagt sie: «Ich will einfach nicht, dass er so etwas noch einmal macht.»

Mit «er» meint sie ihren ehemaligen Treuhänder. Und mit «so etwas», den Umstand, dass sie von ihrem Berater während Monaten hinters Licht geführt wurde und am Ende des Tages nun schauen muss, wie sie wieder zu ihrem Geld kommt – insgesamt mehr als 400 000 Franken.

Er legte seiner Kundin gefälschte Dokumente vor

Der Fall beschäftigt mittlerweile die Staatsanwaltschaft, wie der zuständige Kommunikationsverantwortliche Simon Kopp bestätigt. Die Untersuchung laufe wegen Verdachts auf Veruntreuung, Betrug und Urkundenfälschung. Selbstverständlich gilt die Unschuldsvermutung.

Der Treuhänder, der seine Mandantin seit vielen Jahren unter anderem in Steuerfragen berät, heckte einen raffinierten Plan aus. Dabei spielte der vorgetäuschte Kauf eines Wohnblocks in einer Luzerner Agglomerationsgemeinde eine zentrale Rolle. Der Knackpunkt dabei: Der Finanzberater verfügte für dieses Geschäft über zu wenig Eigenmittel. Was tut also ein windiger Geschäftsmann angesichts dieser Ausgangslage? Er kontaktierte einfach mal seine Mandantin und serviert ihr einen Lügencocktail. Er brachte sie dazu, Darlehensverträge zu unterzeichnen. Aufgeteilt in vier Tranchen, überwies die Frau ihrem Treuhänder die bereits erwähnten mehr als 400 000 Franken. Der Berater gaukelte seiner Kundin vor, bei einem späteren Verkauf der Liegenschaft könne sie am Gewinn anteilmässig partizipieren.

Um seine Mandantin einzulullen, schreckte der Financier auch vor Urkundenfälschung nicht zurück. Dies gab er in einer polizeilichen Einvernahme unumwunden zu. Auf die Frage «Handelt es sich bei diesem Dokument öffentliche Beurkundung› um ein echtes Dokument?» antwortete der Treuhänder: «Nein.» Und zur Frage «Was alles ist gefälscht an diesem Dokument?» meint er knapp: «Alles.» Der Berater legte seiner Kundin auch ein manipuliertes Papier vor, das belegen sollte, er habe im Zusammenhang mit dem Immobiliendeal irgendwelche Grundbuchkosten bezahlt.

Allein die Autoleasings kosteten 6000 Franken

Wie aber kommt ein Treuhänder dazu, der nach eigenen Angaben pro Jahr fast im Alleingang zwischen 300 000 und 400 000 Franken umsetzt, eine Mandantin mit beträchtlicher krimineller Energie über den Tisch zu ziehen und eine juristische Auseinandersetzung vom Zaun zu reissen? Der Grund: Der Luzerner Treuhänder ist ein Hochstapler. Als Journalist begegnet man diesem Menschenschlag leider regelmässig. Der Hochstapler lebt auf Kosten anderer. Sein Leben basiert auf Täuschung und Lügen. Hochstapler sind oft auch rücksichtslos. Es ist ihnen egal, wenn sie mit ihrem überbordenden Lebensstil andere in den Abgrund stürzen.

Der Treuhänder bezeichnet sich während der polizeilichen Befragung als «shoppingsüchtig». Im Dokument ist auch zu lesen, dass er monatlich 30 000 Franken verprasst. Allein für die Leasingraten dreier Luxus-Autos gehen 6000 Franken drauf. Aber anstatt die Hilfe eines Psychologen in Anspruch zu nehmen, legte er mit dem Geld der Mandantin seinen Schuldensumpf trocken.

Thomas Heer

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