LUZERN: Trotz stilistischer Öffnung eigenständig geblieben

In Willisau steht vom 27. bis 31. August die 40. Ausgabe des Jazz Festivals an. Bei der Programmierung nahm Arno Troxler allerdings keine besondere Rücksicht auf das Jubiläum. Zurück schauen, findet er, passt nicht zu aktueller Musik.

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Der Leiter des Jazzfestivals Willisau, Arno Troxler. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Der Leiter des Jazzfestivals Willisau, Arno Troxler. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Es ist das fünfte Festival, das Arno Troxler organisiert, seit er von seinem Onkel, dem Festivalgründer und Grafiker Niklaus Troxler, die Leitung übernommen hat. Es ist ihm gelungen, den Charakter des Festivals mit der im Free Jazz verwurzelten Musik zu wahren und es gleichzeitig stilistisch zu öffnen, hin zu elektronischen und rockigeren Klängen.

Der Leiter des Jazzfestivals Willisau, Arno Troxler. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Der Leiter des Jazzfestivals Willisau, Arno Troxler. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Für Kontinuität steht in diesem Jahr beispielsweise der 70-jährige Saxofonist Henry Threadgill, der mit seinem neuen Oktett anreist, aber auch der 60-jährige Gitarrist Marc Ribot - beide darf man heute noch zur Avantgarde zählen. Anderseits finden auch junge Musiker der improvisierten Musik eine Plattform, so die 31-jährige Berliner Pianistin Johanna Borchert.

Eine wichtige Rolle spielten in Willisau von jeher Musiker aus den USA. Neben Threadgill und Ribot sind in diesem Jahr etwa der Saxofonist Steve Coleman mit Five Elementes und der Schlagzeuger Brian Blade mit The Fellowship Band zu hören. Ihnen stehen prominente Exponenten der Schweizer und der europäischen Szene gegenüber, unter anderen Objets Trouvés, Bänz Oester & The Rainmakers und das Wiener Trio Radian mit Howe Gelb.

Keine Kompromisse, um die Halle zu füllen

Auf das Programm und die Durchmischung angesprochen, meint Arno Troxler, es gehe ihm nicht um alt und neu, sondern um gute Musik. Ein Problem sei die mangelnde Bekanntheit junger Talente. Das sei nicht eine Frage der Qualität, es gebe genügend herausragende junge Musiker. Schwierig sei es, jüngere Musiker und Formationen zu finden, die bekannt genug sind um das Publikum nach Willisau zu locken, die anderseits aber auch eine gewisse Exklusivität haben und nicht an jedem Wochenende irgendwo anzutreffen sind. Entscheidend sei aber, dass ihn die Musik überzeuge - Kompromisse zu machen, nur damit das Publikum die Halle füllt, komme für ihn nicht in Frage.

Er sei heute nicht mehr sicher, ob er die Aufgabe übernommen hätte, wenn ihm damals die ganze Komplexität der Festivalorganisation klar gewesen wäre, sagt Arno Troxler im Gespräch mit dem Schweizer Feuilleton-Dienst. 2010 sei eine Feuerwehrübung gewesen. Zum ersten Mal habe er ein Festival organisieren, Geld beschaffen, freiwillige Helfer suchen müssen.

Zudem sei das Festival doch sehr von Niklaus Troxler geprägt gewesen, von seiner Musik und von seiner Grafik. Dies mit dem gleichen Elan weiterzuführen, sei schwierig. Er habe sich damals vorgestellt, er werde ein ganz anderes Festival machen - so ganz anders sei es nun nicht geworden. Auf der andern Seite sei es auch eine Chance gewesen, ein Festival wie Willisau zu übernehmen: «Man kennt es. Man muss es nicht allen erklären.» Das mache vieles leichter.

Bei den ersten beiden Festivals sei er auf die Nase gefallen; die Besucherzahlen gingen zurück. 2012 sei es gelungen, den Rückgang zu stoppen und den Publikumsaufmarsch zu stabilisieren. Heute könne er es ruhiger angehen, gewisse Aufgaben besser delegieren. Vor allem aber: «Ich habe die Lust am Festival nicht verloren.»

Jubiläum - kein Grund für Nostalgie

Vom Jubiläum der 40. Ausgabe liess sich der Festivalchef indessen bei der Programmierung nicht beeinflussen. Das sei kein Grund, nostalgisch vergangenen Zeiten nachzutrauern. Was sich seit den Anfangszeiten des Festivals grundlegend geändert hat, ist der Kontakt zu den Musikern. Während Niklaus Troxler am Anfang viele Künstler noch direkt ansprechen und engagieren konnte, läuft heute alles über Agenten.

Den speziellen Charakter des Willisauer Festivals sieht Arno Troxler in der Konzentration auf die Musik. «Keine Chilbi, keine Street Art, kein Theater, keine Ausstellung - nur Musik.»

Wie das Festival in Zukunft aussehen wird, ist ihm noch nicht klar. «Ich würde es stilistisch gerne noch weiter öffnen, auch andere Genres einbeziehen.» Ein anderes Szenario wäre die Konzentration auf Wenige. «Dann allerdings wäre auch der Wechsel in eine kleinere Halle fällig.» Das sei der Knackpunkt. Wichtig für Willlisau sei, dass es eigenständig bleibe. Und wenn die Musik ihrer Zuhörer finde, komme es gut.


sda

40. Jazz Festival Willisau - Das Programm

sda. Das 40. Jazz Festival Willisau dauert vom 27. bis zum 31. August. Es umfasst sechs Doppelkonzerte auf der Hauptbühne sowie drei Konzerte der Reihe «Intimities», zwei Late Spots und fünf Konzerte auf der der Zeltbühne.

  • Mittwoch, 27. August: Duo Kappeler/Zumthor; Henry Threadgill Ensemble Double-Up.  - Im Zelt : René Mosele's Ramblin'
  • Donnerstag, 28. August : Sylvie Courvoisier Trio ; Kiku. - Im Zelt: Princess and the Bear
  • Freitag, 29. August: Chimaira; Radian meets Howe Gelb. - Intimities: Pocket Swing Orchestra. - Im Zelt: Franky Silence & The Ghost Orchestra. - Late Spot: Beatie Bossy; DJ Reezm; FreeJ Rumi
  • Samstag, 30. August: Objets Trouvés; Brian Blade & The Fellowship Band ; Bänz Oester & The Rainmakers ; Wayside Wayfarer. - Intimities: Nowka solo. - Im Zelt: Pedra Preta. - Late Spot: Big Zis; Miss Brownsugar; FreeJ Rumi
  • Sonntag, 31. August: Marc Ribot «Protest Songs»; Steve Coleman & Five Elements. - Intimities: Leon. -Im Zelt: Boogie Fox >

Das Konzert von DJ Dimlite, links, und Julian Sartorius In der Willisauer Festhalle im August 2012. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Das Konzert von DJ Dimlite, links, und Julian Sartorius In der Willisauer Festhalle im August 2012. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)