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LUZERN: Unangemeldet zur juristischen Beratung

Für juristische Fragen ins Brocante um die Ecke: Diese Geschäftsidee hat die promovierte Juristin Jacqueline Chopard in Luzern umgesetzt. Ein Novum in der Stadt.
Juristin Jacqueline Chopard (54) in ihrem Geschäft «Brocante & Rechtsberatung» an der Gibraltarstrasse, wo man ohne Voranmeldung juristischen Rat und antike Möbel bekommt. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Juristin Jacqueline Chopard (54) in ihrem Geschäft «Brocante & Rechtsberatung» an der Gibraltarstrasse, wo man ohne Voranmeldung juristischen Rat und antike Möbel bekommt. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Unkompliziert und ohne Voranmeldung einen juristischen Rat zu bekommen, ist jetzt auch in Luzern möglich. An der Gibraltarstrasse 10 gibt es neu einen niederschwelligen Service für rechtliche Probleme, und dies in einem Antiquitätengeschäft – «Brocante & Rechtsberatung». Dahinter steht die Rechtsanwältin Jacqueline Chopard (54): «Die Idee ist nicht neu, doch in der Schweiz bisher noch wenig bekannt.» Für die promovierte Juristin sind das «zwei Fliegen auf einen Schlag» – sie spricht von «kreativer Rechtsberatung».

Emmen hat Spuren hinterlassen

Chopard geriet diesen Frühling in die Schlagzeilen, als sie nach knapp einem Monat in Emmen die Stelle als Leiterin Soziales wieder abgab. Laut Emmens Gemeinderat und Sozialdirektor Thomas Lehmann (FDP) hat Jacqueline Chopard die Departementsleitung auf eigenen Wunsch wieder abgegeben. Lehmann führte in der Medienmitteilung unterschiedliche sozial- und personalpolitische Auffassungen als Grund für den Abgang an. Weitere Details dazu bleiben unkommentiert, es wurde eine beidseitige Verschwiegenheitserklärung unterzeichnet (wir berichteten). Die Stelle ist aktuell noch nicht besetzt und wird ad interim im Auftragsverhältnis vom diplomierten Sozialarbeiter Kurt Jenny betreut.

Chopard hatte fest mit der Stelle in Emmen gerechnet und damals ihre aktuelle Stelle als Professorin gekündigt. Die letzten Jahre war sie Dozentin an der Hochschule Luzern mit dem Spezialgebiet Sozialrecht. «Mir war klar, dass ich in Emmen 100 Prozent brauche», so Chopard und fügt an: «Als dies scheiterte, musste ich zuerst einmal tief durchatmen.»

Mut zur Veränderung

Doch dies seien längst Tempi passati, betont Chopard. Nach einer kurzen Verschnaufpause ging es Schlag auf Schlag weiter. «Nach der Erfahrung mit Emmen hätte ich auch eine Psychotherapie machen können. Doch ich entschied mich für die kreative Aufarbeitung.» Und so kam es zur Kombination von Rechtsberatung und renovierten Antiquitäten. «Damit paart sich Hochseriöses mit Kreativität. Beides mache ich mit grosser Leidenschaft», sagt Chopard.

Als Konkurrenz zu bestehenden Angeboten wie etwa vom Mieterschutz oder der Beratung durch Gewerkschaften versteht sie sich nicht. Und zur juristischen Onlineberatung sieht sie sich als Ergänzung. Chopard: «Viele versuchen sich übers Netz zu informierten, stecken dann aber fest, weil es komplizierter ist, als sie es sich gedacht haben. In solchen Fällen kann ich entwirren und nützliche Tipps geben.» Auch gebe es heute noch Menschen, so Chopard, die glaubten, sie hätten kein Recht, und die Hemmungen haben, sich zu wehren. Und denen möchte die engagierte Rechtsanwältin juristischen Beistand geben.
Sie rechnet, wie sie sagt, mit «spannenden» Klienten. «Mit diesem Angebot kann ich mein breites Know-how pflegen. Es reizt mich, jemandem zu helfen, wenn ich weiss, dass diese Person erleichtert ist und es ihr nach der Beratung besser geht.»

Beratung in separatem Raum

Wer jetzt denkt, dass die Beratungen zwischen Nippes, Spielsachen und antiken Truhen stattfinden, der irrt. «Nein, nein. Vertraulichkeit und Datenschutz kämen so eindeutig zu kurz. Die Rechtsberatung findet in einem getrennten Raum mit separatem Eingang statt», so Chopard. Sie will vor allem in rechtlichen Alltagsfragen beraten. Zu ihren Gebieten zählen Arbeits-, Miet-, Vertrags-, Sozialhilfe- und Sozialversicherungsrecht. «Ich berate aber auch im Ehe- und Scheidungsrecht.» Das Angebot ist bewusst niederschwellig gehalten: «Es braucht keine Voranmeldung, wenn gewünscht kann aber auch ein Termin abgemacht werden.» Aber Chopards Rat kostet. «Der Preis richtet sich nach Aufwand. Eine kurze Beratung ohne Brief ist klar günstiger, als wenn ich ein Mandat mit Rechtsvertretung übernehme.»

Und was, wenn der Traum platzt? Chopard kann rechnen: «Ich gebe mir zwei Jahre Zeit dafür. Denn mit dem Verkauf der Antiquitäten werde ich kaum leben können.» Zwar strebe sie kein Einfamilienhaus mit Pool an, doch will sie gut über die Runden kommen.

Sandra Monika Ziegler

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