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Luzern und der Tourismus – «wir stehen noch nicht vor dem Weltuntergang»

Was läuft gut bezüglich Tourismus, was stört? Der Dialogabend der IG Weltoffenes Luzern geriet zwar phasenweise zur Chropfleerete. Doch Arbeitsgruppen werden daraus nun Vorschläge für die Politik formulieren.
Roman Hodel
Millionen von Touristen besuchen Luzern jährlich – der grösste Teil davon stammt aus der Schweiz selber. (Bild: Dominik Wunderli, 10. Juli 2018)

Millionen von Touristen besuchen Luzern jährlich – der grösste Teil davon stammt aus der Schweiz selber. (Bild: Dominik Wunderli, 10. Juli 2018)

Ja, das Thema Tourismus polarisiert in der Stadt Luzern. Dies zeigte einmal mehr der Dialogabend, den die IG Weltoffenes Luzern am Mittwoch zusammen mit den Quartiervereinen Altstadt und Kleinstadt durchführte. «Vielen Luzernern ist es nicht mehr wohl in ihrer Stadt wegen dem Massentourismus» oder «Schauen Sie nur, wie viel Dreck die Touristengruppen jeweils hinterlassen» – solche Voten waren aus dem Publikum im gut gefüllten Marianischen Saal zu hören.

Auf den Stühlen sassen einige langjährige Altstadtbewohner. Ein Mann sagte: «Die Altstadt ist völlig verstopft von den vielen Touristen.» Zudem seien sich Chinesen und Inder gewohnt, links zu gehen. «Wir aber gehen rechts – man müsste ihnen einen Zettel mit Verhaltensregeln verteilen.»

Eine Frau kritisierte den Branchenmix: «Es hat bald nur noch Ramsch-Läden – ich gehe zum Einkaufen mittlerweile lieber nach Bern.» Eine andere Frau, ebenfalls langjährige Altstadtbewohnerin, beklagte den Einheitsbrei am Grendel. Gemeint waren natürlich die Uhren. Das hingegen liess Fritz Rogger, Inhaber des Modegeschäfts Phänomen, nicht gelten:

«Seien wir doch stolz auf den Grendel – dank ihm ist Luzern zum zweitwichtigsten Uhrenumschlagplatz der Welt aufgestiegen.»

Und was den Branchenmix betreffe: «Jeder Markt entwickelt sich letztlich nach dem Konsumverhalten der Kunden.» Eine junge Mutter und Altstadtbewohnerin bemerkte derweil etwas anderes: «Mir fällt leider immer wieder auf, wie unfreundlich das Personal zum Teil zu den Touristen ist – und dies nur, weil man nicht die gleiche Sprache spricht.»

Es sei halt vor allem die Masse, die Angst mache, befand eine weitere Altstadtbewohnerin. Diese «Horden von Chinesen», die da über die Stadt herfallen. Schweizerhof-Hotelier Mike Hauser erinnerte daran, dass die US-Amerikaner vor Jahrzehnten ebenfalls in grossen Gruppen kamen, «heute sind viele als Individualtouristen unterwegs und gern gesehen». Gleiches gelte zunehmend auch für Asiaten, die in kleinen Gruppen reisten. Hauser sagte schmunzelnd: «Man erkennt sie an den Mietautos mit den Kennzeichen aus Appenzell-Innerhoden.»

Interessanterweise waren die Touristen-Cars kaum ein Thema, der Verkehr hingegen schon. Eine wohnliche Stadt brauche mehr öffentliche, verkehrsfreie Räume, fand Architekt Marc Syfrig: «Der Mühlenplatz oder künftig auch das Inseli sind gute Beispiele für die Rückeroberung öffentlicher Räume.» Prompt gab jedoch ein Zuhörer zu bedenken: «Das geht nur, wenn wir Alternativen anbieten.» Er erwähnte ein Parkhaus an der Autobahn mitsamt Metro in die Stadt. Denn ein Reiseveranstalter stellte klar:

«Es werden in Zukunft noch viel mehr Touristen kommen als heute, deshalb brauchen wir Lösungen.»

Eine Aussage, die alt Stadtrat Kurt Bieder (FDP) – er moderierte den Anlass – zu denken gab: «Aber er hat recht.» Kurt Bieder und Anwalt Urs Manser notierten alle positiven und negativen Inputs des Abends auf Flip-Charts. In drei Arbeitsgruppen werden nun «zielführende Massnahmen» erarbeitet und im Oktober an einem weiteren Anlass zu Handen der Politik verabschiedet. Darin einfliessen werden auch die Rückmeldungen, die die IG aus ihrem Feedback-Versand an alle Haushalte der Stadt erhält (wir berichteten). Bieder sagte es so: «Wir stehen noch nicht vor dem Weltuntergang bezüglich Tourismus, aber es besteht Handlungsbedarf.»

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