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LUZERN: Unglück mit HiFlyer in Luzern fordert ein Todesopfer

Bei einem Unfall mit dem Hiflyer-Fesselballon im Verkehrshaus in Luzern kam eine indische Touristin ums Leben. Sechs Menschen wurden verletzt.
Ein Rettungshelikopter schwebt am 23. Juli 2004 über dem Fesselballon im Verkehrshaus Luzern. (Bild: Archiv Neue LZ)

Ein Rettungshelikopter schwebt am 23. Juli 2004 über dem Fesselballon im Verkehrshaus Luzern. (Bild: Archiv Neue LZ)

Es waren gemäss Verkehrshaus-Vizedirektor Henry Wydler beides erfahrene Hiflyer-Piloten, die den Fesselballon gestern bedienten – einer vom Boden aus, einer im Korb selber. Dass es dennoch zu dem Unfall kam, bei dem eine indische Besucherin aus dem Korb fiel und zu Tode stürzte, ist für Wydler «unerklärlich». «Die Situation wurde vermutlich falsch beurteilt», sagte er gestern. Er gehe eher von einem menschlichen Versagen aus denn von einem technischen Defekt. Zumal der Hiflyer erst kürzlich kontrolliert worden sei und sich in technisch einwandfreiem Zustand befunden habe.

Piloten entscheiden über Start

Die Entscheidungskompetenz, ob der Hiflyer startet oder nicht, liegt in der Regel bei den beiden Ballonführern. «Sie fällen die Entscheidung auf Grund einer morgendlichen Analyse der Grosswetterlage », sagte Wydler. «Der Ballon ist mit einem Windmesser ausgestattet, wir verfolgen zusätzlich per Computer die Wetterentwicklung.» Die Anzeichen für ein aufkommendes Gewitter waren da. Meteo Schweiz registrierte zur besagten Zeit rasch wechselnde Windverhältnisse in der Region Luzern: Um 14.30 Uhr blies der Wind am Vierwaldstättersee mit 9 Stundenkilometern, kurz vor 15 Uhr wurden bereits Böen von bis zu 37 Stundenkilometern gemessen.

Dennoch ist der Hiflyer gestartet. Henry Wydler: «Aufziehende Gewitter müssen noch keine Gefahr sein. Gewitter können stark lokal begrenzt sein, die Situation kann sich innerhalb von hundert Metern verändern. Auch Winde müssen nicht gefährlich sein, wenn sich der Ballon einmal auf 140 Metern Höhe befindet.» Gefährlich allerdings könne es in Bodennähe werden, räumte Wydler ein, wenn der Ballon von Böen erfasst werde.

Windböe drückte Ballon nieder

Genau dies scheint gestern Nachmittag geschehen zu sein, um halb drei Uhr nachmittags, kurz nach dem Start des Fesselballons. Gemäss Daniel Bussmann, Leiter der Kriminalpolizei der Kantonspolizei Luzern, wurde der Hiflyer mit 23 indischen Touristen und dem Piloten an Bord von einer Windböe erfasst. Durch den Aufprall auf ein Hindernis löste sich laut Polizei eine Bodenplatte und stürzte auf ein Gebäudedach. Dabei sei eine Passagierin durch diese Öffnung aus dem Korb auf ein Hallendach gestürzt. Der Ballon sei daraufhin wieder emporgeschnellt und aufs Dach der Strassenverkehrs-Halle gedrückt worden, sagte Bussmann gestern.

Die Seile, an denen der Ballon befestigt ist, seien über den Platz geschlingert. «Sie haben Dachrinnen an den umliegenden Gebäuden heruntergerissen», sagte der stellvertretende Verkehrshaus-Vizedirektor Henry Wydler. «Wir mussten den Platz des Restaurants räumen, es war gefährlich. Da flog viel Material herum.» Soweit er es habe beobachten können, habe der Pilot im Ballon die Passagiere angewiesen, sich niederzukauern und am Eisengitter festzuhalten.

Erst nach rund zehn Minuten sei es gelungen, den Fesselballon zu stabilisieren und auf den Boden zurückzuholen. «Es waren endlos lange Minuten », sagte Wydler. Auf welcher Höhe sich der Fesselballon zum Zeitpunkt des Unfalls befand, war gestern noch nicht bekannt. Auch zu der zu Tode gestürzten Frau gab es keine genaueren Angaben – ausser, dass sie wie die sechs leicht verletzten Personen (Frakturen, Hirnerschütterungen und Prellungen) Mitglied einer 44-köpfigen Reisegruppe aus Indien war.

Der Unfallhergang wird vom Bundesamt für Zivilluftfahrt untersucht, ein Spezialist des Bundesamts traf noch gestern Abend in Luzern ein. Wie lange die Untersuchung voraussichtlich dauern wird, war gestern nicht klar.

Personal ist geschockt

Die Verantwortlichen des Verkehrshauses zeigten sich gestern Nachmittag geschockt. Das Museum wurde geschlossen, die Aufführungen im Imax-Kino abgesagt. «Wir sind betroffen»,sagte ein niedergeschlagen wirkender Henry Wydler. «Ein Unfall wie dieser darf nicht passieren.» Der Hiflyer hat in den vergangenen dreieinhalb Jahren rund 140'000 Personen befördert, zu Pannen oder Unfällen kam es in dieser Zeit nie. Gemäss Wydler sei der Hiflyer vor allem bei indischen Touristen als eine Art Aussichtsturm beliebt gewesen.

Wird Hiflyer jemals wieder fliegen?

Das Verkehrshaus wird bereits heute wieder geöffnet sein. «Wir haben Verpflichtungen unseren Gästen gegenüber, das Verkehrshaus ist eine beliebte Ausflugsdestination », sagte Henry Wydler. Der Hiflyer bleibt vorerst am Boden. Wie lange, ist noch unklar. «Wir müssen das Ergebnis der Untersuchungen des Bundesamts abwarten. Dann entscheiden wir, wie es mit dem Hiflyer weitergeht.»

Der stellvertretende Direktor des Verkehrshauses liess aber durchblicken, dass der Fesselballon durchaus eines Tages wieder starten könnte. «Natürlich mit zusätzlichen Sicherheitsmassnahmen. Es darf für die Passagiere kein Risiko darstellen, den Hiflyer zu betreten.»

Ballon seit Herbst 2000 in Betrieb

Der Hiflyer im Museum Verkehrshaus der Schweiz in Luzern ist ein mit Helium gefüllter Fesselballon. Er steigt auf eine Höhe von rund 140 Metern. Sein Durchmesser beträgt 22 Meter. Mit einer Auftriebskraft von 6000 Kilogramm transportiert der Ballon 25 bis 30 Personen in die Höhe. Er wird durch ein 22 Millimeter dickes Stahlseil gehalten und gesteuert.

Fahrten sind laut den Betreibern bis zu einer Windgeschwindigkeit von 20 Knoten (37 Stundenkilometer) möglich. Der Hiflyer ist ein Produkt der englischen Firma Lindstrand Balloons Ltd. und kostete 1,7 Millionen Franken. Im Oktober 2000 wurde der Ballon in Betrieb genommen. Jährlich besteigen 30'000 bis 35'000 Menschen den Hiflyer.

ap/sda

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