LUZERN: Uni prüft neuen Master-Studiengang

Noch nie gab es so viele Studenten im Bachelor Fernstudiengang Theologie an der Universität Luzern. Das Angebot ist einzigartig – und soll nun ausgebaut werden.

Christian Hodel
Drucken
Teilen
Symbolbild Dominik Wunderli / Neue LZ

Symbolbild Dominik Wunderli / Neue LZ

Zeit ist sein höchstes Gut: Rund 45 Minuten Autofahrt trennen Robin Grünbichler (35) von seinem Wohnort zum Studienplatz. Physisch anwesend an der Universität Luzern ist der Zuger aus Oberägeri dennoch nur ein paar Tage im Semester. Grünbichler, Vater dreier Kinder und Inhaber einer Online-Marketing Firma studiert im Fernstudiengang – wie fast die Hälfte der Bachelorstudenten Theologie der Universität Luzern.

So beliebt wie noch nie

Der Fernstudiengang Theologie in Luzern ist einzigartig im deutschsprachigen Raum – und beliebter denn je. 73 Studenten sind eingeschrieben. Die Zahl nimmt seit der Einführung 2013 stetig zu. Im kommenden Frühlingssemester werden über 80 Studenten erwartet. Das ist Rekord. «Wir haben nun in etwa gleich viele Studenten, wie der Präsenzstudiengang», sagt Karin Nordström, Studienleiterin Fernstudium Theologie.

Derzeit prüft die Universität die Einführung eines Masterstudiengangs in diesem Bereich. «Wann und ob dieser wirklich kommt, ist noch unklar», sagt Nordström. Es gebe zudem Überlegungen, ob der Fernstudiengang auch in Englisch angeboten werden könne. Nordström ist überzeugt: «Wird dies der Fall sein, werden die Teilnehmerzahlen rasant in die Höhe schnellen.»

Ein Student kommt aus Luzern

Mit dem Fernstudiengang habe die Uni Luzern eine Vorreiterrolle eingenommen, sagt Robin Grünbichler. «Das ist die Zukunft.» Für ihn sei ein Präsenzstudium wegen des eigenen Geschäfts und der Familie nicht infrage gekommen. «Jetzt kann ich mir die Zeit zum Studieren selber einteilen.» Er ist nicht der Einzige aus der Region, der die Inhalte der Vorlesungen, Seminare und Referate nur per Internet und Videokonferenz mitbekommt. Einer seiner Mitstudenten wohnt in Luzern – nur wenige Kilometer von der Universität entfernt. Die restlichen gut 90 Prozent der Teilnehmer kommen aus der ganzen Schweiz, Deutschland oder Österreich. Ein paar wenige leben ausserhalb Europas – USA, Singapur oder Jakarta.

Prüfungen werden vor Ort gemacht

Für die Fernstudierenden gelten die gleichen Zulassungsbedingungen wie für ihre Kollegen im Präsenzstudiengang. Auch die Semesterprüfungen müssen sie vor Ort in Luzern schreiben. Ebenso gibt es laut Grünbichler weitere Fixtermine und Präsenzpflicht. «Einige Seminare werden zu einer bestimmten Zeit per Videokonferenz abgehalten.» Dass Fernstudiengänge einst überhandnehmen und die Präsenzstudiengänge ablösen, glaubt Grünbichler trotz den «erheblichen Vorteilen» dennoch nicht. Ideal wäre, wenn sich künftig eine Kombination aus beiden Studienarten an den Unis etablieren würde. «Die Präsenz vor Ort, face to face, ist für den Dialog und die Diskussion noch immer der bessere Modus.»

Ziel: Ältere Studenten abholen

Der Fernstudiengang sei keine Konkurrenz zum Präsenzstudium, sagt Karin Nordström. Mit diesem könne man vermehrt ältere Personen abholen. «Wir haben gemerkt, dass sich nur wenige Studenten direkt nach der Matura für Theologie entscheiden.» Obwohl die Fernstudierenden über den Globus verteilt sind, findet unter ihnen laut Nordström ein reger Austausch statt. Auch die Dozenten seien mit ihnen vertraut. «Wir kennen unsere Studenten gleich gut, wie jene, die an der Uni sind», so Nordström. Regelmässige Treffen seien die Regel. Online notabene.

Auch Genf kennt Fernstudiengang

Neben Luzern bietet auch die Universität Genf einen Fernstudiengang an, ebenfalls im Bereich Theologie. Ansonsten sind die Universitäten diesbezüglich zurückhaltend. Stichproben würden zeigen, dass die Schweizer Universitäten «normalerweise keine Fernstudiengänge» anbieten, teilt der Verein Swissuniversities mit – ein Zusammenschluss der Schweizer Hochschulen. In Brig, Pfäffikon (SZ) und Siders betreibt indes die Fernuni Schweiz solche Studiengänge – es handelt sich dabei um eine vom Bund anerkannte Institution für universitäre Fernstudien. Im Angebot ist Geschichte, Psychologie, Recht und Wirtschaft.