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LUZERN: Unzufrieden mit den Noten: Ruag-Lehrlinge blitzen vor Gericht ab

Zwei Lehrlinge haben sich vor Kantonsgericht gegen die «mangelhafte Organisation» einer Prüfung gewehrt. Den Prozess haben sie aus formellen Gründen verloren. Jetzt bekommen sie Rückendeckung von einem der grössten Unternehmen der Zentralschweiz.
Die Ruag streicht im Brunnen 110 Stellen. (Bild: Keystone)

Die Ruag streicht im Brunnen 110 Stellen. (Bild: Keystone)

Lena Berger


lena.berger@luzernerzeitung.ch

Die angehenden Automatiker reiben sich die Augen über das Urteil. Das Kantonsgericht kommt nämlich zum Schluss, dass man gegen die Durchführung gar keine Beschwerde führen darf, wenn genügende Noten erzielt worden sind. Eine mögliche Auswirkung auf die Ehrenmeldung reiche als Grund für eine Klage nicht aus. Aus diesem Grund scheiterten die beiden vor Gericht (Artikel vom 21. Januar).

Zum eigentlichen Inhalt der Beschwerde haben die Richter keine Stellung genommen. Dabei ist dieser brisant, wie sich jetzt zeigt. Adrian Heer, verantwortlich für die berufliche Bildung beim Technologiekonzern Ruag: «Wir akzeptieren den Entscheid des Gerichts, bedauern aber gleichzeitig, dass auf das eigentliche Anliegen der Lehrlinge nicht eingegangen werden konnte.» An der Prüfung soll nämlich einiges schiefgelaufen sein. Konkret:

  • Fehler in den Unterlagen: Auf einer technischen Zeichnung hatte sich ein Fehler eingeschlichen. Ein Teil der Lehrlinge wurde an der Prüfung darüber informiert – allerdings erhielten nicht alle diese Information.
  • Organisatorische Fehler: Bei der Prüfung musste unter anderem die Reaktionszeit eines Ventils auf zwei Sekunden eingestellt werden. Den Lehrlingen wurde dafür aber keine Uhr zur Verfügung gestellt – trotzdem gab es bei Abweichungen Punkteabzug.
  • Mangelnde Dokumentation: Es gab Punkteabzug, wenn ein bestimmter Schlauch nicht exakt rechtwinklig abgeschnitten wurde. Bei der Einsichtnahme waren diese Prüfungsteile aber verschwunden, und es gab auch keine Fotos – weshalb nicht überprüft werden konnte, ob der Abzug gerechtfertigt war oder nicht.
  • Mangelhafte Rechtsmittelbelehrung: In dieser hiess es, man könne gegen die Durchführung der Teilprüfung Beschwerde führen, was die Lehrlinge auch taten. Das Kantonsgericht jedoch kam zum Schluss, dass nur bei ungenügenden Noten Beschwerde geführt werden kann. Die Rechtsmittelbelehrung führt demnach in die Irre.

Die Ruag hat mehrere Automatiker-Lehrlinge auf die Zwischenprüfung vorbereitet. Bei einer Testprüfung schnitten diese teils fast zwei Noten besser ab als an der eigentlichen Prüfung. «Ich kann die Enttäuschung der beiden verstehen. Nicht nur, weil sie die Ehrenmeldung verpasst haben», so Heer. Die Lehrlinge der Ruag sind denn auch nicht alleine mit ihrer Einschätzung: Rund zehn Lernende von diversen Unternehmungen der Zentralschweiz meldeten sich für die Einsichtnahme an. Eine unüblich hohe Anzahl.

Kanton weigert sich, zur Kritik Stellung zu nehmen

Vom Bildungsdepartement ist zu den vier Kritikpunkten keine konkrete Stellungnahme zu bekommen. Eine erste Medienanfrage vom 24. Januar wurde abgelehnt, weil das Kantonsgerichtsurteil zu dem Zeitpunkt noch nicht rechtskräftig war. Eine gleichlautende Anfrage einen Monat später wurde mit allgemeinen Ausführungen beantwortet. Zum konkreten Fall hiess es nur, der Prüfungsablauf sei von der kantonalen Prüfungskommission aufgrund der Einsprache geprüft und als korrekt beurteilt worden.

Zum Urteil des Kantonsgerichts lässt sich Christof Spöring, Leiter der Dienststelle Berufs- und Weiterbildung, folgendermassen zitieren: «Ich freue mich über leistungsbereite Jugendliche, die Spitzenleistungen erbringen wollen. Allerdings bin ich froh über den Entscheid, dass Ehrenmeldungen nicht über den Gerichtsweg erstritten werden können.» Man werde nun die Handhabung der Rechtsmittelbelehrung überprüfen. Ob aufgrund der Kritik die nächste Zwischenprüfung angepasst wurde, lässt Spöring offen.

Von der Dienststelle Berufs- und Weiterbildung fühlen sich die Lehrlinge missverstanden. Es sei gar nicht um eine Ehrenmeldung gegangen, sondern darum, dass die Prüfung durch die mangelhafte Organisation nicht fair abgelaufen sei. Sich dagegen zu wehren, sei legitim, findet Heer.

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