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LUZERN: Uraufführung: Stimmen aus dem Grab

Das Luzerner Theater hat am Freitag «Ändere den Aggregatzustand deiner Trauer oder Wer putzt dir die Trauerränder weg?» des Zürcher Theater-Shootingstars Katja Brunner (22) uraufgeführt: Ein kluger Text über das Tabuthema Tod, von Marco Storman virtuos inszeniert.
Bild: Ingo Hoehn / Luzerner Theater

Bild: Ingo Hoehn / Luzerner Theater

Als die Zuschauer sich zu Beginn an die langgezogene Tafel setzen, ist der Leichenschmaus schon vorbei. Zwei Zombies, zwei Maden und der Tod in schickem weissem Freizeitanzug singen ein sirupsüsses Lied und sinnieren danach über hohle Floskeln und verlogene Rituale von Trauerfeiern.

Bild: Ingo Hoehn / Luzerner Theater
Bild: Ingo Hoehn / Luzerner Theater
Bild: Ingo Hoehn / Luzerner Theater
Bild: Ingo Hoehn / Luzerner Theater
Bild: Ingo Hoehn / Luzerner Theater
Bild: Ingo Hoehn / Luzerner Theater
Bild: Ingo Hoehn / Luzerner Theater
Bild: Ingo Hoehn / Luzerner Theater
8 Bilder

«Ändere den Aggregatszustand...» im Luzerner Theater

«Ich teile ihren Schmerz» - wirklich, kann man das? Dass der Tote gern Caramel lutschte und seinen Hamster Frazer taufte, tröstet das irgendwen? Sitzt man bei Abdankungen nicht einfach die Zeit in der Kirchenbank ab, indem man die Schuppen des Vordermanns zählt?

Absichtslos geboren, mit Absicht gestorben

Ein Mädchen im Prinzessinnenkleid, eingepfercht in eine mit Heiligenbildchen dekorierte Nische, meldet sich per Videoprojektion und erzählt von seiner Zeugung: 7,3 Minuten Zärtlichkeit zwecks Entspannung, daraus resultierend eine absichtslose Existenz. «Hallo! So macht man mich.»

Später realisiert man: Das Kind ist schon unter dem Boden, das heisst hier im UG, der zweiten Spielstätte des Theater, unter dem Tisch. Es repräsentiert den verstorbenen Jungen, von dem im Text die Rede ist. Was mit ihm passiert ist, bleibt lange nebulös. Von einer «dämlichen Idee», spricht die Mutter, von einem «Malheur» die Familie.

Erst nach der Hälfte wagt es einer auszusprechen: «Selbstmord». Das ist eine Zumutung, ist die allgemeine Meinung. Dass sich der Junge auf dem Asphalt verteilen musste und einem damit auch noch das Heimatgefühl im Wohnquartier vermiest.

Verkehrte Welt

Pervers: Das unschuldige, reine Kindwesen haust im dunklen Erdreich, und oben wandeln Zombies: die Mutter in zerrissener Spitzenunterwäsche, verschmiertem Make-up und blutunterlaufenen Augen, vor lauter Trauer schon zu Lebzeiten tot. Und vor allem «die alt Gewordene» (grossartig Jörg Dathe) mit Brüsten wie Spritzsäcke, Geschwüren wie Tennisbälle und herunterhängenden Hautfetzen wie abgelebte Tapeten (Kostüme: Silvana Arnold).

Als sich der Tod der siechen Alten erbarmt, bringt er sie nicht etwa auch unter die Erde, sondern in eine Art Schaufenster oder Schneewittchensarg: In einer Gesellschaft, welche gegen Vergänglichkeit ankämpft, ist das Alter das Bewundernswerte, Erstrebenswerte. Der selbstgewählte Tod eines Jugendlichen ist deshalb ein Affront.

Dabei gebe es nichts Widerlicheres als Menschen, die ständig gegen die Vergänglichkeit ankämpfen, predigt die Alte in einer grandiosen «Brandrede», die eigentlich fürs Theater zu kompliziert, aber zum Glück im Programm abgedruckt ist.

Um viele Ecken gedacht

Oft sind solche Theatertexte, in denen um viele Ecken gedacht, aber kaum gehandelt wird, eine Einladung für Regisseure, die Zuschauer mit häufig unmotivierten optischen Einfällen bei der Stange zu halten.

Nicht so für Storman. Von den Maden, die über die ganze Dauer des Stücks als Memento mori an die Wand projiziert, bis zu den typischen Friedhofsblumen Stiefmütterchen, die auf dem Tisch angepflanzt werden, stiftet alles Sinn. Und mit der Idee, Zuschauer, und manchmal auch Schauspieler, an einen langen Tisch zu setzen, nutzt er den schwer zu bespielenden, schlauchförmigen UG-Raum optimal aus.

sda

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