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LUZERN: Veganismus birgt Gefahren für Babys

Sich ohne tierische Produkte zu ernähren, ist ein Trend. In der Schwangerschaft kann das aber gefährlich werden. Ohne Nahrungsergänzung drohen dem Ungeborenen bleibende Schäden.
Lena Berger
Rein vegane Ernährung kann gefährlich sein für Babys. Symbolbild: Früchte an einem Marktstand. (Bild: KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Rein vegane Ernährung kann gefährlich sein für Babys. Symbolbild: Früchte an einem Marktstand. (Bild: KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Lena Berger

Wie viele Schweizerinnen und Schweizer ernähren sich vegan? Dazu gibt es keine Zahlen. Klar ist: Seit einigen Jahren ist der Ernährungstrend regelmässig Thema in den Medien. Hinweise auf vegane Menüs sind auf den Speisekarten der Restaurants längst keine Seltenheit mehr – und vermehrt gehen auch in der Zentralschweiz Beizen auf, die sich auf diesen Ernährungsstil spezialisieren. Selbst Grossverteiler wie Migros und Coop haben seit kurzem eigene Vegan-Linien im Sortiment.

Die Entwicklung macht sich auch in den Geburtsabteilungen der Spitäler bemerkbar. Daten gibt es zwar auch hier nicht, wie eine Umfrage bei verschiedenen Schweizer Krankenhäusern zeigt. Subjektiv stellen die Ärzte jedoch eine Zunahme fest: «Ich stosse in den letzten Jahren eindeutig häufiger auf Frauen, die sich vegan ernähren», sagt zum Beispiel Markus Hodel, Co-Chefarzt Neue Frauenklinik am Luzerner Kantonsspital, aus persönlicher Erfahrung.

Hodel ist Facharzt für Geburtshilfe und Schwangerenmedizin. Früher sei vegane Ernährung kaum je Thema gewesen. Inzwischen frage er die Frauen, die bei ihm zur Beratung kommen, aktiv danach, wie sie sich ernähren. «Ob eine Frau tierische Produkte isst oder nicht, sieht man ihr schliesslich nicht an. Es ist deshalb wichtig, dass die Ärzte nachhaken.» Auch in der Ausbildung würde das Personal entsprechend geschult.

Dass die Ärzte auf das Thema sensibilisiert sind, hat einen guten Grund. Vegane Ernährung birgt für die ungeborenen Kinder ein Risiko. «Entscheidend ist das Vitamin B12», sagt Markus Hodel. Es kommt nur in tierischen Produkten vor, weshalb Veganerinnen, die weder Fleisch noch Milchprodukte oder Eier essen, ein Mangel droht. «Aus Studien wissen wir, dass etwa 60 Prozent der Frauen mit einer veganen Ernährung, einen Vitamin-B12-Mangel haben. Das Vitamin ist wichtig für die Folsäuresynthese, die Erhaltung der Myelinscheiden und die Blutbildung. Wenn Vitamin B12 fehlt, wird die Myelinscheide, eine Schutzschicht um die Nervenzellen, nicht ausgebildet, was zu schweren kindlichen Hirnentwicklungsstörungen führen kann», erklärt der Facharzt. Einen solchen Fall hat Markus Hodel vor einigen Jahren selber miterlebt. Eine weitere Konsequenz eines Mangels an Vitamin B12 ist der daraus entstehende Folsäure-Mangel, der zu einem offenen Rücken, anderen Hirnfehlbildungen und Blutarmut beim Kind führen kann.

Gravierende Auswirkungen

Rückgängig machen kann man das nicht. Das Kind leidet ein Leben lang unter der Mangelernährung. Wie sich die Schädigung bemerkbar macht, ist schwer vorherzusehen. Möglich sind motorische Schwierigkeiten oder eine intellektuelle Verlangsamung. Zudem kann es zu Muskelhypotonie, einem Mangel an Muskelspannung, kommen.

Panik sei aber nicht angebracht, beschwichtigt der Facharzt. Er rät denn auch nicht generell von veganer Ernährung in der Schwangerschaft ab. «Veganerinnen sind meiner Erfahrung nach Frauen, die sich intensiv mit der Ernährung auseinandergesetzt haben. Das ist grundsätzlich positiv.» Die Ärzte seien aber in der Pflicht, gut zu informieren. «Sich während der Schwangerschaft vegan zu ernähren ist möglich, aber schwierig. Helfen kann die Erstellung eines genauen Ernährungsplans, um Mangelerscheinungen mit der Einnahme von genügend Hülsenfrüchten, Vollgetreide, Nüssen und Ölsamen zu verhindern.» Gewisse Stoffe müssen aber so oder so künstlich zugeführt werden. «Es ist zum Beispiel kaum realistisch, dass sich eine Veganerin nur über das Essen mit genügend Eisen und Eiweissen versorgen kann.»

Hodel betont: «Ohne Zusatzstoffe geht es nicht.» Um Mangelerscheinungen frühzeitig zu erkennen, setzt man am Kantonsspital in gewissen Situationen auf Blut-Screenings. Dies auch, um die nötige Dosierung der Präparate genau zu bestimmen. «Wenn eine Frau das nicht will und auf eine rein natürliche Ernährung besteht, wird es schwierig.» Vorgekommen sei das bisher aber nicht.

Fehlinformation ist «unfair»

Der Facharzt empfiehlt, bereits vor der Empfängnis auf eine gute Versorgung mit den erwähnten Vitaminen zu achten. «Das gilt auch für Frauen, die einen Magenbypass, eine chronische Darmerkrankung wie Morbus Crohn, Colitis ulcerosa sowie Nierenerkrankungen haben oder an gewissen Autoimmunerkrankungen leiden. Eine vegane Ernährungsweise ist ein Risikofaktor.» Es gibt allerdings Blogs und Websites, die das bestreiten. Wer sich vegan ernähre, sei rundum bestens versorgt, wird da teils behauptet. «Ich finde das unfair», sagt darauf angesprochen Hodel. Es gebe klare Daten, dass das Vitamin B12 für das Wachstum des Gehirns sehr wichtig ist. «Ich finde es zynisch, zu behaupten, das sei kein Problem.»Eine Einschätzung, die Katharina Quack Lötscher, Fachärztin für Prävention und Gesundheitswesen Gesundheitsprävention am Universitätsspital Zürich, teilt. «Es ist wichtig, dass werdende Mütter mit Vitamin B12, Eisen, Vitamin D und Kalzium gut versorgt sind. Besonders Veganerinnen sollten während der Schwangerschaft medizinisch begleitet werden.»

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