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LUZERN: «Velo-Mafia» exportiert Diebesgut rasch

Velodiebe im Kanton Luzern sind aktiv wie kaum je zuvor. Begehrt sind vor allem hochwertige Fahrräder – immer öfter sind Velogeschäfte gezielt im Visier von Banden.
Armand Troxler in seinem Velogeschäft in Rain. Via Fenster im Hintergrund haben sich die Diebe gewaltsam Zugang verschafft und 18 Velos abtransportiert. (Bild: Roger Grütter)

Armand Troxler in seinem Velogeschäft in Rain. Via Fenster im Hintergrund haben sich die Diebe gewaltsam Zugang verschafft und 18 Velos abtransportiert. (Bild: Roger Grütter)

Roger Rüegger

Sie kommen primär nachts, sie wissen, was sie wollen und wie sie vorgehen müssen: Velodiebe. Sie haben im Kanton Luzern Hochsaison. Die Anzahl Fahrraddiebstähle nimmt zu, wie Simon Kopp, Informationsbeauftragter der Luzerner Staatsanwaltschaft, sagt. Im Jahr 2014 wurden im Kanton Luzern 2618 Velos gestohlen. Ein Jahr vorher 2180 (siehe Tabelle). Schweizweit wurden letztes Jahr 40 881 Velos als gestohlen gemeldet, das sind im Durchschnitt 112 pro Tag. Das Vorgehen vieler Velodiebe hat laut Kopp System: «In den letzten Jahren hatten wir vermehrt auch immer wieder Einbruchdiebstähle in Velogeschäfte. Dabei haben es die Diebe insbesondere auf hochwertige und neue Fahrräder abgesehen.»

18 Velos und die Kasse gestohlen

Jüngster Fall: In der Nacht vom 6. auf den 7. Mai bei Armand Troxlers Radsportgeschäft Bikes and More in Rain. Unbekannte drangen nächtens in das Gebäude ein und stahlen 18 Fahrräder. «Die haben auf der Rückseite des Gebäudes mit einem Pickel das Fenster und die Gitter eingeschlagen. Sie hatten zwar Mühe, aber sie kamen rein», erzählt Troxler. Die Velos hätten sie durch das Fenster ins Freie geschafft und wohl in einen Lieferwagen verfrachtet. Zudem haben die Diebe die Kasse in der Werkstatt aufgebrochen und das Geld mitgehen lassen.

Troxler, bei dem bereits vor zwei Jahren eingebrochen wurde, erinnert sich, dass Tage vor dem Einbruch «ein komischer Typ mit Velofahrerkleidung» im Geschäft auftauchte. «Er sah sich nur um, sagte und kaufte aber nichts. Vermutlich hat der Kerl rekognosziert, ob was zu holen ist», so Troxler.

Günstige Räder bleiben liegen

Auch bei Radsport Thalmann in Schenkon haben sich Unbekannte in der Nacht vom 27. auf den 28. April mit Gewalt Einlass ins Geschäft verschafft. Ihre Beute: 19 Velos. «Die müssen irgendwann nach Mitternacht aufgetaucht sein. Denn ich war bis 22 Uhr bei der Arbeit», sagt Mitinhaber Robert Thalmann. Auch in Schenkon waren die Unbekannten nur am Besten interessiert. Acht Rennvelos und elf Mountainbikes wurden gestohlen. «Was weniger als 4000 Franken Wert hat, nehmen die nicht», sagt Thalmann. Diese These stellt er auf, weil zum Zeitpunkt des Einbruchs drei Kartons mit Fahrrädern der Preisklasse um 1300 Franken im Geschäft lagerten. Diese verhältnismässig günstigen Velos hätten die Diebe links liegen gelassen.

Die Polizei vermutet, dass die Velos direkt ins Ausland exportiert werden. «Wir gehen davon aus, dass die Diebe top organisiert und vorbereitet sind. Es gibt Fälle, die zeigen, dass die gestohlene Ware schon im Ausland ist, bevor die Bestohlenen den Diebstahl bemerken», sagt Kopp. Schweizweit gäbe es immer wieder Fälle, wo gestohlene Velos lastwagenweise ins Ausland gebracht würden. In Stansstad zum Beispiel entwendeten Velodiebe vor rund einem Jahr Fahrräder im Wert von 60 000 bis 70 000 Franken. Die Ware verluden die «Velo-Mafiosi» in einen bereitgestellten Lieferwagen.

Velohändler Thalmann sagt, dass die Täter Profis sind und verschiedene Systeme anwenden, um die Velos weiterzuverkaufen. «Viele werden in der Schweiz demontiert und als Einzelteile ins Ausland gebracht oder verschickt. Es sind Teile in Ungarn oder Polen aufgetaucht. Was auch häufig vorkommt, ist, dass Ersatzteile im Internet angeboten werden.»

Der letzte bekannte Veloraub in der Zentralschweiz wurde am Wochenende in einem Velogeschäft in Altendorf verübt, wie die Kantonspolizei Schwyz meldete. Unbekannte drangen in ein Geschäft ein und stahlen mehrere Rennvelos. Wie in Rain haben die Täter auch dort die Kasse gestohlen, und auch hier wurde das Augenmerk auf hochwertiges Material gelegt.

Eine andere Form von Velodiebstahl praktizierten drei Männer in Luzern während zwei Jahren. Sie stahlen bis im Sommer 2014 rund 200 Velos und verkauften diese an Private weit unter Wert, um ihre Drogensucht zu finanzieren.

Versicherer bemerken Trend

Velodiebstahl wird bei Geschäften von einer Standardversicherung gedeckt. Der Schaden bei einem Velodiebstahl bei Privatpersonen wird von der Hausratsversicherung übernommen. Jedoch nur, wenn das Velo zu Hause gestohlen wird. Bernd de Wall, Mediensprecher der Versicherung Allianz Suisse, erklärt: «In der Regel besteht ein Selbstbehalt von 200 Franken. Für die Schadensdeckung bei einem Diebstahl auswärts ist eine Zusatzversicherung nötig.» Diese könne ergänzend zur Hausratsversicherung abgeschlossen werden und decke standardmässig einen Schaden bis zu 2000 Franken ab. Es können aber auch höhere Werte vereinbart werden. Deshalb empfehle es sich, nach der Anschaffung eines teuren Velos Rücksprache mit seinem Versicherer zu halten. «Der Trend geht eindeutig in Richtung teurere Velos, wie zum Beispiel E-Bikes. Diese machen bereits einen Sechstel der gesamten Veloverkäufe in der Schweiz aus. Durch die höheren Werte steigt auch die Diebstahlgefahr», so de Wall.

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