LUZERN: Veloverkehr gewinnt an Fahrt

Robert Knobel, Leiter Ressort Stadt/Region, über den städtischen Velo-Beauftragten

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Velofahrer soll in der Stadt und Agglomeration zum Lifestyle gehören. Das strebt der Luzerner Stadtrat langfristig an. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Velofahrer soll in der Stadt und Agglomeration zum Lifestyle gehören. Das strebt der Luzerner Stadtrat langfristig an. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Die Stadt Luzern will den Anteil des Veloverkehrs am Gesamtverkehr von heute 2 Prozent auf 4 Prozent im Jahr 2020 verdoppeln. Deshalb soll die Stelle eines vollamtlichen Velo-Beauftragten geschaffen werden. Die Stellenbesetzung soll durch verwaltungsinterne Verschiebungen von Prioritäten kostenneutral erfolgen (Ausgabe von gestern). Mit anderen Worten: Das Tiefbauamt soll die Bedürfnisse des Veloverkehrs stärker ins Zentrum rücken und dafür andere Bereiche zurückfahren.

Dieses Vorhaben stösst auf Kritik. Der städtische Wirtschaftsverband und die FDP der Stadt Luzern orten darin eine politisch-ideologisch gefärbte Massnahme aus der Umwelt- und Verkehrsdirektion von Stadtrat Adrian Borgula. In der Tat macht der grüne Nicht-Autofahrer und überzeugte Velofahrer in der Regel keinen Hehl aus seinen verkehrspolitischen Vorlieben. Und diese versucht er auch als Exekutivmitglied wann immer möglich auf politischer Ebene umzusetzen.

Dennoch scheinen im aktuellen Fall Ängste vor einer links-grünen Velo-Verschwörung fehl am Platz. Dass die Verwaltung Prioritäten und Schwerpunkte setzt, ist grundsätzlich sinnvoll oft genug vermisst man genau dies bei den städtischen Behörden. Fakt ist zudem, dass der Veloverkehr eine zunehmend wichtige Rolle im Gesamtverkehrssystem spielt. Das ist politisch so gewollt – etwa durch das 2010 vom Volk angenommene Reglement für eine nachhaltige Mobilität. Zudem gebietet es die Realität auf den überfüllten Strassen, Verkehrsteilnehmer zum vermehrten Umsteigen auf ÖV oder Velo zu motivieren. Das soll indes durch eine Attraktivierung des ÖV und des Veloverkehrs erfolgen – und nicht etwa durch Schikanen für den motorisierten Individualverkehr.

Denn die Verkehrsprobleme lassen sich nur lösen, wenn man das Gesamtsystem im Blick hat. Zu lange wurde auch in der Stadt Luzern – die Verkehrsdiskussion durch ideologisch gefärbte Grabenkämpfe blockiert – zwischen «ÖV-Anhängern» und «Autoanhängern», zwischen «Grünen» und «Wirtschaftsfreundlichen». Doch solches Lagerdenken hat in modernen städtischen Verkehrsdiskussionen keinen Platz. So wie sich der gesamte Luzerner Stadtrat mit Vehemenz für grosse Verkehrsprojekte wie Bypass und Tiefbahnhof einsetzen muss, soll er auch die Interessen der Velofahrer und Fussgänger im Auge haben. Ein vollamtlicher Velo-Beauftragter kann sicher zu diesem Ziel beitragen, erst recht, da dieser gemäss den Plänen der Stadt auch für diejenigen Verkehrsteilnehmer verantwortlich ist, die zu Fuss unterwegs sind.

Voraussetzung ist allerdings, dass sich der neue Velo-Beauftragte ebenfalls an den Bedürfnissen des Gesamtverkehrssystems orientiert und nicht an Partikularinteressen. Dann bleiben der Stadtbevölkerung künftig vielleicht auch ein paar unsinnige und kostspielige Übungen aus dem Velo-Bereich erspart, die in der Vergangenheit für Kopfschütteln gesorgt haben: etwa die Aufhebung von Veloparkplätzen am Hauptbahnhof oder die Anschaffung von unbrauchbaren öffentlichen Velopumpen.

robert.knobel@luzernerzeitung.ch

MA-Nr. 3536 Robert Knobel

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