LUZERN: Verbands-Präsident: «Lehrer werden wohl erst mit Streik ernst genommen»

Remo Herbst, Präsident des Verbands der Luzerner Mittelschullehrern, tritt auf Ende der Legislatur 2018 zurück.

Evelyne Fischer
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Remo Herbst (48) bei der Kantonsschule Alpenquai, an der er seit 24 Jahren unterrichtet. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 13. Februar 2017))

Remo Herbst (48) bei der Kantonsschule Alpenquai, an der er seit 24 Jahren unterrichtet. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 13. Februar 2017))

Im Verband der Luzerner Mittelschullehrerinnen und Mittelschullehrer (VLM) kommt es zu Veränderungen: Präsident Remo Herbst (48) tritt auf Ende der ­Legislatur 2018 zurück. Seine Nachfolge bestimmen die rund 540 Mitglieder im nächsten Februar. Im Gespräch erzählt Herbst unter anderem, warum er dem Lehrerberuf trotz aller politischen Schnellschüsse und Sparmassnahmen treu bleibt.

Remo Herbst, als VLM-Präsident haben Sie Einzigartiges miterlebt: die erste, landesweit beispiellose und letzte Zwangsferienwoche.

Der unrühmliche Höhepunkt meiner Amtszeit versinnbildlicht die acht Jahre, in denen ich Präsident war: Die Situation wird immer extremer. Parlament und Regierung nehmen Bildungsabbau in Kauf, die Schulqualität hat an Bedeutung verloren. Entscheidend ist, dass es nicht viel kostet.

Mit Mahnwachen und feurigen Demos haben Lehrer die Sparmassnahmen bekämpft. Dennoch wurde die zusätzliche Unterrichtslektion Tatsache. Ist Ihr Rücktritt ein Zeichen von Resignation?

Nein, vielmehr zeigen sich Verschleisserscheinungen. Resignieren darf man nie, auch wenn es in Luzern extrem schwierig ist, ­etwas mitzugestalten. Die Frustrationstoleranz muss sehr hoch sein. Luzerner Politiker schätzen es nicht, wenn Experten mitreden. Der gewerkschaftliche Ansatz ist hier nicht sehr populär.

Sie sprechen vom Streiken.

Es ist bedauerlich, dass wir Lehrpersonen wohl erst mit einem Streik von der Politik ernst ­genommen werden. Wie eine Umfrage unter unseren Verbandsmitgliedern kürzlich zeigte, wäre die Streikbereitschaft bei einem Grossteil der Lehrpersonen durchaus vorhanden. Doch zugleich bangen die Leute im aktuellen Abbauprozess um ihre Stelle. Eine Gratwanderung, die von uns viel Verantwortungs­gefühl und kühlen Kopf fordert.

Mehrmals wollte der Kanton in den letzten Jahren Langzeitgymis wegsparen, die Kanti Musegg wurde in Frage gestellt, Mensas hat man privatisiert. Wo hat Ihr Lehrer-Herz geblutet?

Besonders schmerzhaft war die Zwangsferienwoche. Uns wurde damit die Berufsausübung verwehrt. Generell tut es weh, wie wenig Wertschätzung der Lehrerschaft von den Politikern entgegengebracht wird. Wir bekommen politische Schnellschüsse zu spüren, die nie an den Standards der Schweizer Bildungslandschaft gemessen wurden. Sie machen den Bildungsstandort unattraktiv.

Umso erstaunlicher, ist es Ihnen in den 24 Jahren als Sport- und Geschichtslehrer am Alpenquai nie verleidet.

Der Lehrerberuf ist zwar sehr herausfordernd, erlaubt aber auch, kreativ zu sein. Die Arbeit mit den Schülern gibt Kraft. Zudem konnte ich in meiner Amtszeit auch Verbesserungen herbeiführen: Die Einstiegslöhne wurden erhöht, das Langzeitgymnasium gesichert, die Bildungsinitiative lanciert und die öffentliche Wahrnehmung der Gymnasien und Mittelschulen verbessert.

Was wollen Sie im verbleibenden Jahr noch anpacken?

Wir kämpfen für einen Abbau der zusätzlichen Unterrichtslektion, die uns ab nächstem Schuljahr als Sparmassnahme auferlegt wurde. Gleichzeitig prüfen wir, wie Lehrpersonen aktuell entlastet werden können, respektive, wie sich die zwei Wochen Mehrarbeit bei Schulentwicklung und Schulpromotion kompensieren lassen.

Interview: Evelyne Fischer

evelyne.fischer@luzernerzeitung.ch

Hinweis Für das Präsidium wird mit einem Aufwand von wöchentlich 7 Stunden gerechnet. Dies wird mit einer Entlastung von 3,5 Lektionen oder umgerechnet mit 1500 Franken monatlich entschädigt.