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LUZERN: Vergewaltigung in Emmen: Ermittler schalten Gang zurück

Weil keine neuen Ermittlungsansätze mehr vorliegen, wird der Vergewaltigungsfall von Emmen sistiert. Dennoch gibt die Polizei die Suche nach dem Täter nicht auf.
Polizisten suchen am Tag nach der Vergewaltigung am Dammweg in Emmen nach Spuren. (Bild: Beatrice Vogel (22. Juli 2015))

Polizisten suchen am Tag nach der Vergewaltigung am Dammweg in Emmen nach Spuren. (Bild: Beatrice Vogel (22. Juli 2015))

Yasmin Kunz

yasmin.kunz@luzernerzeitung.ch

Es ist ein Fall, der über die Kantonsgrenzen hinaus schockierte: Am 21. Juli 2015 wurde eine 26-jährige Frau in Emmen vom Velo gerissen, vergewaltigt und schwer verletzt liegen gelassen (siehe Box). Mehr als 21/2 Jahre sind seither vergangen. Jetzt teilt die Luzerner Staatsanwaltschaft mit, dass man im «Fall Emmen» alle Ermittlungsansätze ausgeschöpft hat und sämtliche Hinweise überprüft wurden. Der Fall wurde also sistiert. Weiterführende Ermittlungen werden getätigt, sobald neue Erkenntnisse oder Hinweise zum Fall vorliegen, wie der Sprecher der Luzerner Staatsanwaltschaft, Simon Kopp, sagt.

Trotz grosser Bemühungen seitens der Polizei konnte der ­Täter noch nicht gefasst werden. Das erstaunt, zumal die Staatsanwaltschaft diverse Ermittlungen geführt hat und viele Informationen publik machte. So wurden während mehrerer Wochen im Umfeld vom Tatort Personenkontrollen durchgeführt, es wurde öffentlich nach dem Täter gefahndet, Hinweise von Hellsehern wurden überprüft, 1863 Handydaten ausgewertet, über 400 DNA-Proben von Männern analysiert, und knapp 10 000 Personendaten wurden im Zusammenhang mit der Tat überprüft. Die Ermittlungen wurden auch über die Landesgrenze hinaus geführt. Drei Personen wurden vorübergehend festgenommen.

Noch eine DNA-Probe ausstehend

Auch hat die Oberstaatsanwaltschaft eine Belohnung von 20000 Franken ausgesprochen für Hinweise, die zur Verhaftung des Täters führen. Dies war im schweizweiten Vergleich eine der höchsten Summen. Daraufhin gingen mehr als 200 Meldungen bei der Polizei ein; keine mit dem entscheidenden Anhaltspunkt. Auch die Handyauswertungen und die DNA-Proben führten nicht zum Täter. Noch heute fehlt der Staatsanwaltschaft eine DNA-Probe aus Griechenland, wie Simon Kopp auf Anfrage sagt. «Wir setzen seit Monaten alles daran, diese Auswertung zu erhalten.» Insgesamt gingen bei der Polizei in den 21/2 Jahren gegen 600 Hinweise ein, wie Kopp sagt.

Vor rund einem Jahr gab die Staatsanwaltschaft ein weiteres Detail bekannt: Sie teilte mit, dass sich der Täter beim Opfer mit dem Namen A(a)ron vorgestellt hatte. Daraufhin hat die Staatsanwaltschaft rund 300 Hinweise zum möglichen Täternamen A(a)ron überprüft. In diesem Zusammenhang wurden fünf weitere DNA-Analysen durchgeführt, welche jedoch nicht zum Erfolg führten.

Als weiteres Ermittlungselement wurde eine Fallberatung der nationalen ViCLAS/OFA-Einheit in Anspruch genommen, wobei ViCLAS für ein Analysesystem zur Verknüpfung von Gewaltdelikten steht und OFA operative Fallanalyse bedeutet. ­Losgelöst von den bisherigen Ermittlungen haben die Fallanalytiker den Fall nochmals aufgerollt und alternative Ermittlungsansätze erarbeitet. Diese Hinweise wurden überprüft, blieben aber erfolglos.

Bundesrat muss neues Gesetz ausarbeiten

Der Fall hat nicht nur im Kanton Luzern für Aufsehen gesorgt. Der Luzerner FDP-Nationalrat Albert Vitali hat aufgrund des Vorfalls auf Bundesebene einen Vorstoss eingereicht, um gesetzlich mehr Informationen aus der DNA zu ziehen. Bis heute darf man mittels DNA nur das Geschlecht bestimmen. Der Vorstoss wurde in der Frühlingssektion 2016 vom Nationalrat gutgeheissen und im November 2016 vom Ständerat oppositionslos angenommen. Künftig dürfen also Strafverfolgungsbehörden auch Angaben über Augen-, Haar- oder Hautfarbe eruieren. Noch muss der Bundesrat aber ein entsprechendes Gesetz ausarbeiten.

Die Diskussion um die Auswertung der DNA – Träger der Erbinformation – war nicht nur wegen des Falls Emmen aufgeflammt. Auch der Vierfachmord vom 21. Dezember 2015 in Rupperswil AG entfachte die Debatte neu. In beiden Fällen lag die DNA des Täters vor. Doch die Ermittler durften nicht auf die vollständigen genetischen Informationen zurückgreifen.

Das ist passiert

Am Abend des 21. Juli 2015: Eine 26-jährige Frau ist mit dem Velo auf dem Heimweg von der Arbeit. Als sie in Emmen auf dem Dammweg der Reuss entlangfährt, wird sie von einem Mann angefallen und vom Fahrrad gerissen. Der Täter zerrt die Frau in ein Gebüsch und vergewaltigt sie. Sie bleibt schwer verletzt liegen.

Die Frau wird im Luzerner Kantonsspital notoperiert und danach ins Schweizer Paraplegiker-Zentrum Nottwil verlegt. Die Frau ist seither Tetraplegikerin. Vom Täter hat die Polizei DNA-Spuren, die sie beim Opfer fanden, eine ungefähre optische Beschreibung: zwischen 1,70 und 1,80 Meter gross und schlank, hat krauses Haar und einen dunklen Teint. Zur Tatzeit war der Mann zwischen 19 und 25 Jahre alt und sprach gebrochen Deutsch.

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